Polizeipräsident Udo Vogel (links) setzt Timo Kirschmann, den neuen Leiter des Polizeireviers am Flughafen, in sein Amt ein. Foto: Markus Brändli

Die Vielfalt der Aufgaben am Flughafen reizt Timo Kirschmann, neuer Leiter des Reviers der Landespolizei. Im multikulturellen Umfeld lebt er Bürgernähe.

„Der Standort am Flughafen mit der Landesmesse, dem Fernbusbahnhof und in Zukunft auch dem Filderbahnhof ist deutschlandweit einmalig“, sagt Timo Kirschmann. Der Erste Polizeihauptkommissar hat das Revier der Landespolizei am Flughafen im Dezember 2025 von seinem Vorgänger Thomas Hepler übernommen. Ihn reizt nicht nur die Vielfalt der Aufgaben. Im Team jede und jeden nach ihren oder seinen Talenten zu fördern, das liegt dem neuen Chef am Herzen.

 

Dass in der Polizeifamilie die Chemie stimmt, war bei Kirschmanns Amtseinsetzung zu spüren. Da wurde sein Vorgänger nicht nur mit schönen Reden verabschiedet. Hepler ergriff oft selbst das Wort und berichtete mit dem ihm eigenen Humor von seiner langen Karriere bei der Polizei. Höhepunkt der Veranstaltung im Skyport war ein Song, den der Sohn Kirschmanns mit KI für den scheidenden Chef des Flughafen-Reviers produziert hat.

Revierchef Timo Kirschmann: „Es geht darum, Menschen zu helfen“

Was hat den neuen Chef nach dem Realschulabschluss dazu bewogen, den Beruf zu ergreifen? „Es geht darum, den Menschen zu helfen.“ Das hat für den kommunikativen Beamten gerade in einem multikulturellen Umfeld wie dem Flughafen Priorität. Bürgernähe und die Arbeit mit den Menschen seien für ihn wichtige Impulse.

Polizeipräsident Udo Vogel verabschiedet Thomas Hepler (rechts), den scheidenden Revierchef – hier mit einem Jugendbild. Foto: Markus Brändli

Doch auch der gesellschaftliche Auftrag ist ihm wichtig. „Die Polizei hat die zentrale Aufgabe, die Demokratie zu schützen und mit rechtsstaatlichen Mitteln zu verteidigen.“ Gerade in diesen Zeiten, da extreme Gruppierungen das System bedrohen, hätten die Polizisten eine Schlüsselaufgabe. Friedliche Demonstrationen oder Protestaktionen als Teil der Meinungsfreiheit werden nach den Worten des Ersten Polizeihauptkommissars geschützt, „bei Störungen greifen die Beamten ein.“

Dass Polizisten ein sehr gutes Gespür für Menschen haben müssen, steht für Kirschmann außer Frage. Psychologie hat in der Polizeiausbildung wie auch im Studium einen hohen Stellenwert. Bei Konflikten hätten die Polizeibeamten aus seiner Sicht „vor allem die Aufgabe, emotional aufgeladene Situationen zu deeskalieren“. Auf solche Situationen werden die Beamtinnen und Beamten vorbereitet. Im Studium an der Polizeihochschule in Villingen-Schwenningen hat Kirschmann da viel gelernt. Für den Familienvater, der im Gespräch ruhig und souverän wirkt, ist es wichtig, auf Menschen und ihre Ängste einzugehen.

Führungsaufgaben bei der Polizei zu übernehmen, das war immer Kirschmanns Ziel. „Da muss man entscheidungsfreudig sein, schnell reagieren“, nennt der 48-Jährige eine unverzichtbare Voraussetzung. 2001 wurde er in den Streifendienst des Polizeireviers Filderstadt versetzt und leitete ab dem Jahr 2004 eine Dienstgruppe. In dieser Funktion wechselte Kirschmann 2009 ins Revier Nürtingen. Nach der Polizeireform im Jahr 2014 war er als Polizeiführer vom Dienst im Führungs- und Lagezentrum des neuen Polizeipräsidiums Reutlingen tätig. Da koordinierte er unter anderem Einsätze, hatte strategische Aufgaben inne. Ende Januar 2024 wechselte er als Leiter der Führungsgruppe zum Polizeirevier Flughafen.

Die Polizei am Flughafen schützte die deutsche Nationalmannschaft. Foto: imago/vmd-images

Sich in die vielen spezifischen Themen rund um den Flughafen einzuarbeiten, das findet Kirschmann spannend. Das Spektrum ist groß. Neben Diebstahl oder Körperverletzungen kümmern sich die knapp 50 Beamtinnen und Beamten auch um Verkehrsunfälle vor den Terminals und in den Parkhäusern. „Am Flughafen arbeiten wir eng mit der Bundespolizei und mit dem Zoll zusammen.“ Dabei habe jeder seinen Bereich.

Polizei am Flughafen ermittelt bei missglückter Landung

Immer wieder gibt es am Flughafen besondere Einsätze. Da denkt der erfahrene Erste Polizeihauptkommissar Kirschmann etwa an die missglückte Landung eines 77-Jährigen Piloten mit seiner einmotorigen Propellermaschine Cessna. Da ermittelte das Polizeirevier Flughafen, wie es zu dem Unfall kam. „Solche Untersuchungen erfordern besondere Sachkenntnis.“ Darauf werden die Beamtinnen und Beamten am Einsatzort Flughafen vorbereitet.

Obwohl die Polizisten am Flughafen immer wieder Straftaten und extreme Situationen erleben, hat der Beruf nach Kirschmanns Worten schöne Phasen – beispielsweise die Fußball-Europameisterschaft 2024. Da übernachtete die deutsche Fußballnationalmannschaft im Mövenpick-Hotel am Airport. „Wenn die Spieler ankamen, haben sie Autogramme geschrieben.“ Um die Stars zu schützen, waren Beamtinnen und Beamte des Reviers am Flughafen im Einsatz. Dass es bei den Einsätzen zu keinen Zwischenfällen kam, hat die Polizisten gefreut. So hatten sie Teil am Gemeinschaftsgefühl mit den Fans.

Um sich vom anstrengenden Dienst im Flughafen-Revier zu entspannen, ist der leidenschaftliche Handballer am Wochenende als Schiedsrichter unterwegs. Nach seiner Laufbahn als aktiver Spieler leitet er nun Spiele. Auch auf dem Feld entspannt er mit seiner Gelassenheit manche Situation.