Die kleinen Glasaale sollten nach Asien gebracht werden. Dort gelten sie als Delikatesse und bringen bis zu 4000 Euro pro Kilo. Der Export ist verboten, da europäische Aale unter Artenschutz stehen. Foto: Hauptzollamt Stuttgart

Am Flughafen hat der Zoll Glasaale abgefangen. Die geschützten Fische sollten nach Asien gebracht werden. Das ist verboten, da sie unter Artenschutz stehen. Sie wurden gerettet – und gehen nun auf große Reise.

Stuttgart - Man traut es den kleinen, fast durchsichtigen Fischchen nicht zu. Aber junge Aale kommen ganz schön rum in der Weltgeschichte, von den Bahamas bis in den Rhein. Asien steht dabei nicht auf ihrer Reiseroute. Das ist auch besser so: Denn dort stehen die kleinen Fische auf der Speisekarte als Delikatesse, für bis zu 4000 Euro pro Kilogramm werden sie dort gehandelt. Beamte des Hauptzollamts konnten verhindern, dass rund 170 000 von ihnen in Asien auf den Tellern landen. Sie fingen die Tiere ab und setzten sie zusammen mit dem Regierungspräsidium Karlsruhe im Rhein aus, wo sie hingehören in diesem Stadium ihres Lebens.

Glasaale nennt man die jungen Tiere, die wie durchsichtige Würmchen aussehen. Sogar das Herz sehe man schlagen, beschreibt Thomas Seemann, der Sprecher des Hauptzollamts Stuttgart. Vier Koffer voller Plastikbehälter mit je einem Kilo Glasaale, insgesamt 48 Pakete, wurden am Dienstag am Stuttgarter Flughafen abgefangen. „Die Bundespolizei war auf die Gepäckstücke bei ihren Kontrollen aufmerksam geworden“, sagt Seemann. Die Beamten seien beim Durchleuchten der Koffer stutzig geworden, was zwei Malaysier mit vier Gepäckstücken voller Plastikbehälter und sonst nichts – keine Kleidung, keine Kosmetikartikel, keine Schuhe – auf der Reise wollten. Das hatten sie auf den Bildschirmen bei der Gepäckabfertigung gesehen.

Vier Koffer voller Babyfische

Die zwei Tatverdächtigen mussten die Koffer öffnen. Die Beamten der Polizei und des Hauptzollamts staunten nicht schlecht, als sie 48 Ein-Kilo-Päckchen mit durchsichtigen Fischchen darin entdeckten. Die Zöllner waren für das Thema sensibilisiert. Denn im Herbst waren in Frankfurt zweimal Gepäckstücke mit Glasaalen – so nennt man die Aale in diesem Entwicklungsstadium – abgefangen worden. Sie wussten, was zu tun ist, und dass die Zeit drängte: Die Tiere müssen in einen Fluss, der irgendwann ihre Reise ins Meer ermöglicht.

Denn ausgewachsene europäische Aale kehren ins Salzwasser zurück, in dem sie als Larven vom Bermudadreieck aus bis nach Europa geschwommen kamen. Die Beamten schalteten Experten des Bundesamtes für Naturschutz und des Regierungspräsidiums Stuttgart ein. Als geklärt war, dass es sich um den unter Artenschutz stehenden europäischen Aal handelt, verwies die Stuttgarter Behörde an das Karlsruher Regierungspräsidium. „Die Tiere mussten in den Rhein. Vom Neckar aus kommen sie aufgrund der Staustufen und Kraftwerke nicht an die Nordsee“, gibt Seemann wieder, was er am Dienstag alles über das Leben der Aale gelernt hat.

Europäische Aale schlüpfen im Atlantik in der Sargassosee, in der Nähe der Bermudas. Weil die Larven der Blattform ähneln, werden sie Weidenblattlarven genannt. Von dort machen sie sich auf den Weg über den Atlantik nach Europa, nach etwa drei Jahren erreichen sie die Küste und verwandeln sich in Glasaale. Das ist das Entwicklungsstadium der am Flughafen abgefangenen Fische. Sie wechseln nun vom Salz- zum Süßwasser und schwimmen die Flüsse hinauf in europäische Binnengewässer. Man nennt sie nun Steigaal oder Gelbaal. Dort wachsen sie zur vollen Größe heran, dann heißen sie Blankaal – und schwimmen zurück in das Laichgewässer im Atlantik.

Die Fische wurden in den Rhein gebracht

Mit der Unterstützung der Fischereibehörde und der Wasserschutzpolizei wurden die Fische dann im Rhein ausgesetzt. Die Stellen waren sorgfältig ausgesucht worden: Die kleinen Glasaale brauchen Verstecke zwischen ins Wasser gefallenen Bäumen oder Steinen, um nicht gefressen zu werden, meldet das Hauptzollamt. „Die meisten haben es auch lebend geschafft“, fügt Thomas Seemann hinzu.

Der Einsatz sei für die Zöllner ein besonderer gewesen. „Wir konnten tatsächlich mal Tiere, die unter den Artenschutz fallen, in ihren Lebensraum zurückbringen und damit ihr Leben retten“, sagt er. „Das geht bei illegal eingeführten Schildkröten in der Zigarettenschachtel nicht.“

Europäische Aale schlüpfen im Atlantik in der Sargassosee, in der Nähe der Bermudas. Weil die Larven der Blattform ähneln, werden sie Weidenblattlarven genannt. Von dort machen sie sich auf den Weg über den Atlantik nach Europa, nach etwa drei Jahren erreichen sie die Küste und verwandeln sich in Glasaale. Das ist das Entwicklungsstadium der am Flughafen abgefangenen Fische. Sie wechseln nun vom Salz- zum Süßwasser und schwimmen die Flüsse hinauf in europäische Binnengewässer. Man nennt sie nun Steigaal oder Gelbaal. Dort wachsen sie zur vollen Größe heran, dann heißen sie Blankaal – und schwimmen zurück in das Laichgewässer im Atlantik.

Der Europäische Aal ist vom Aussterben bedroht und unterliegt dem Washingtoner Artenschutzabkommen. Der Handel mit Aalen in Europa wird streng überwacht, außerhalb ist er streng verboten.

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