Die Flughafengeschäftsführer Arina Freitag und Walter Schoefer Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Die beiden Flughafengeschäftsführer Walter Schoefer und Arina Freitag wollen weiter dafür kämpfen, dass es von Stuttgart aus Langstreckenflüge in die Golfstaaten und nach Asien gibt. Zum neuen S-21-Flughafenbahnhof hat man eine klare Meinung.

Stuttgart - Nur wer neue Strecken ab Stuttgart biete, bekomme finanzielle Anschubhilfe, sagen die Flughafenchefs Walter Schoefer und Arina Freitag. Für schon eingeführte Ziele gebe es nichts. Dabei soll’s bleiben – auch wenn der Abschied von Air Berlin am Flugplan nagt.

Herr Schoefer, Frau Freitag, an diesem Freitag wird in Stuttgart letztmals eine Maschine in Diensten von Air Berlin starten. Die insolvente Airline verschwindet. Dadurch bröckelt Ihr Flugplan. Bieten Sie Airlines jetzt Subventionen, wenn sie bestimmte Strecken fliegen?
Freitag: Wir subventionieren nicht, aber natürlich müssen wir momentan und auch im November wie alle deutschen Flughäfen aktiv werden. Wir sind guten Mutes, diese Konsolidierungsphase der Luftfahrtbranche zu meistern. Mit der Lufthansa, die Teile von Air Berlin übernimmt, und mit anderen sind wir gut vernetzt. Wir werden versuchen, die Airlines zu überzeugen, dass man in dieser Region mit viel Kaufkraft gute Geschäfte machen kann, dass dieser Flughafen bestens funktioniert und diese oder jene Strecke vielversprechend ist. Die Entscheidung über neue Strecken trifft aber immer die Airline.
Schoefer: Für Strecken, die schon bedient wurden, gibt es von uns keine Rabatte und kein Geld. Bei neuen Destinationen sind Marketing- und Anschubhilfen branchenüblich, und zwar nicht nur am Flughafen Stuttgart.

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Dass die Verbindung Abu Dhabi–Stuttgart von Air Berlin und Etihad eingestellt wurde, noch ehe Air Berlin in die Insolvenz flog, ist aber kein gutes Vorzeichen für Fernflüge von Stuttgart in den Mittleren oder Fernen Osten?
Schoefer: Die Verbindung war für Touristen in Ordnung, Geschäftsflieger vermissten in der relativ kleinen Maschine mit geringem Sitzabstand auf einer Strecke dieser Länge den Komfort. Viele hätten am Golf ohnehin auf einen Anschlussflug umsteigen müssen, daher stiegen sie lieber in Frankfurt oder München in ein Großraumflugzeug, das ihr eigentliches Ziel ansteuerte.
Bisher beklagten die Stuttgarter Flughafenchefs immer, die Lufthansa und die Bundesregierung hätten verhindert, dass die Fluggesellschaft Emirates die Strecke zwischen Stuttgart und dem Persischen Golf bedienen kann. Jetzt gibt es eine neue Regierung. Ändert das was?
Freitag: Bisher werden diese Flugrechte bei der EU verhandelt. 2018 fällt die Entscheidung aber vielleicht wieder auf die nationale Ebene zurück. Wir werden beim künftigen Verkehrsminister alles Erdenkliche versuchen und uns nachdrücklich dafür einsetzen, so eine Strecke zu ermöglichen. Es kann nicht sein, dass Stuttgart im Vergleich zu Hamburg, München oder Düsseldorf benachteiligt wird. Ob nachher Emirates oder andere Carrier ab Stuttgart solche Strecken fliegen, ist nachrangig.
Schoefer: Ich bin noch einen Tick hoffnungsvoller, was eine Verbindung nach China angeht. Das ist für mich der Eisbrecher. Hier können die Flugrechte bilateral von beiden Staaten ausgehandelt werden, ohne EU. Airlines wie China Southern wären bereit, China als größten Quellmarkt der Welt für Flugreisen mit Stuttgart zu verbinden. Geschäftsreisende in Baden-Württemberg warten darauf, aber China ist bekanntlich ein schwieriger Verhandlungspartner.
Ganz anderes Thema: Warum ist es so teuer, in den Flughafengebäuden einen Kaffee zu trinken, wenn man auf den Flug wartet?
Schoefer: Wir liegen nicht über den Kaffeepreisen der Cafés in der Stuttgarter Innenstadt. Da legen wir schon Wert drauf. Im öffentlichen Bereich gibt es bei Fast-Food-Ketten den Becher Kaffee ab einem Euro. Im Übrigen muss man für die Angebote im Gate-Bereich bedenken, dass alles, jede Flasche Wasser, dorthin geliefert und auch kontrolliert werden muss. Dafür kommen anteilige Kosten drauf.
Freitag: Im Übrigen müssen wir auch in der Gastronomie Geld verdienen.
An der einen oder anderen Sitzbank in den Terminals kann man sein Telefon oder den Laptop aufladen. Aber die muss man mühsam suchen. Wann wird es endlich eine kundenfreundliche Versorgung geben?
Freitag: Wir werden das ausbauen. Ich bin ganz klar kundenorientiert, und wir werden unsere Terminals auch unter dem Gesichtspunkt genau anschauen. Unsere Kunden sollen in den Fluggastgebäuden gut zurechtkommen und angemessen einkaufen können. Die Terminals sollen einen „local spirit“ haben: Man soll immer wissen, in welchem Flughafen man sich befindet.
Seit Jahren klagen die Menschen über die schlechte Anbindung spätabends und frühmorgens an den öffentlichen Nahverkehr.
Schoefer: Der Verkehrsverbund VVS und der Verband Region Stuttgart haben verschiedentlich Versuchsläufe für bessere Betriebszeiten in der Frühe gefahren. Manchmal saßen sieben Personen in der S-Bahn, in gewisser Weise gibt es aber auch eine Verpflichtung zum gewissenhaften Wirtschaften mit öffentlichen Geldern.
Freitag: Andererseits fließen inzwischen mehr sogenannte Regionalisierungsmittel zur Förderung des Schienennahverkehrs ins Land. Deswegen werden wir das Thema wieder angehen.
Bessere Anbindung erwarten Sie sich auch von S 21 und dem ICE-Flughafenbahnhof. An diesem Freitag tagt der Lenkungskreis, da geht es wieder um bauliche Verzögerungen und hohe Kosten. Was würde passieren, wenn die Bahn versuchen sollte, Kosten für den Flughafenbahnhof einzusparen?
Schoefer: Wir wollen, dass der Flughafen schnellstmöglich an das Fernbahnnetz angeschlossen wird. Deshalb würden wir alle Vorschläge ablehnen, die weitere Verzögerungen und damit verbundene Mehrkosten bedeuten könnten. Wir haben einen Vertrag, und die Flughafengesellschaft hat fast 360 Millionen Euro für die Flughafenanbindung bereitgestellt. Das entspricht immerhin zwölfmal unserem bisher besten Jahresergebnis.

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