Dicke Luft am Flughafen Stuttgart: Verdi wirft dem Sicherheitsunternehmen FraSec eine systematische Unterdrückung von Gewerkschaftsarbeit vor.
„Union Busting“ ist das gängige Schlagwort für eine systematische Behinderung von Gewerkschaftsarbeit – genau dies wirft die Gewerkschaft Verdi der FraSec Aviation Security am Stuttgarter Flughafen vor. Dabei handelt es sich um eines der führenden Sicherheitsunternehmen im deutschen Luftverkehr. Vorangegangen ist die fristlose Kündigung eines Betriebsratsmitglieds, das zudem Mitglied der Verdi-Bundestarifkommission Aviation ist. Die Kollegin sei dazu weder von der Arbeitgeberseite noch von ihrer Interessensvertretung angehört worden, moniert die Gewerkschaft.
Betriebsratsmitglied erlebt dauerhaften Druck durch Arbeitgeber
„Wir verurteilen jegliche Versuche, gewerkschaftliches Engagement zu unterdrücken“, sagt Jan Bleckert, der bei Verdi für den Luftverkehr in Baden-Württemberg zuständig ist. „Union Busting ist kein akzeptables Mittel, um Arbeitnehmerrechte zu untergraben.“ Seit Monaten sehe sich das Betriebsratsmitglied dauerhaftem Druck durch den Arbeitgeber ausgesetzt – mit wiederkehrenden Personalgesprächen, der Einbehaltung von Lohnzahlungen und der Aufforderung, zu haltlosen Vorwürfen Stellung zu nehmen. Damit solle die Gewerkschafterin aus dem Unternehmen gedrängt werden, rügt er.
Die FraSec zeigt sich überrascht von der Verdi-Offensive: „Wir erachteten die Zusammenarbeit mit der Gewerkschaft bisher als konstruktiv und partnerschaftlich“, sagte Stationsleiter Tayfur Baris unserer Zeitung. Das Unternehmen stehe „für eine kooperative und faire Zusammenarbeit“. Mit den Gewerkschaften werde ein sachorientierter Dialog gepflegt. „Die Vorwürfe des Union Busting weisen wir ausdrücklich zurück.“
Die Kündigung eines Betriebsratsmitglieds bestätigt er. Dabei handele es sich „um einen arbeitsrechtlichen Schritt, der dem Bereich des Individualarbeitsrechts zuzuordnen ist und in keiner Weise im Zusammenhang mit der gewerkschaftlichen Tätigkeit oder dem ehrenamtlichen Engagement der Person im Betriebsrat steht“. Der Betriebsrat müsse einer Beendigung des Arbeitsverhältnisses bei jedem Beschäftigten zustimmen. „Dies ist im vorliegenden Fall erfolgt“, so Baris. „Ebenso wurde der betroffenen Person wiederholt Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben.“ Um die Interessen der Betroffenen und den Datenschutz zu wahren, will er die Gründe, die zur Kündigung geführt haben, nicht ausführen.
Rüde Methoden von anderen Arbeitgebern gewohnt
Bleckert räumt ein, dass die FraSec – anders als andere Unternehmen der Branche – zuvor nicht zu solch rüden Methoden gegriffen hätte. „Zu einer funktionierenden Sozialpartnerschaft gehört nicht nur der Abschluss von Tarifverträgen – diese müssen auch mit Leben gefüllt werden“, mahnt er. „Das geht nur, wenn unsere Mitglieder nicht daran gehindert werden, ihre Rechte als Gewerkschafter in der Friedenspflicht auszuüben.“ Er fordert das Unternehmen auf, die Kündigung sofort zurückzunehmen. Die FraSec beschäftigt an den Standorten Stuttgart, Frankfurt und Hamburg mehr als 2500 Sicherheitsfachkräfte in der Fluggastkontrolle.