Wer lange am Flughafen warten muss, hat Anspruch auf Verpflegung von der Airline Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

In der Theorie haben Fluggäste dank mehrerer Gerichtsurteile inzwischen viele Rechte. Ein Fall aus der Praxis zeigt jedoch, wie schnell diese ausgehebelt werden können.

Rom - Flug nach Rom gecancelt steht auf der Anzeige am Münchener Flughafen. Die Fluggäste stellen sich bei der Billigfluggesellschaft Vueling in die lange Warteschlange. „Heute keine Flugmöglichkeit mehr“, „Übernachtungskosten werden nicht übernommen“, sind die ersten Informationen, die vom einzig geöffneten Schalter aus Richtung Warteschlange dringen. Gründe für die Annullierung werden nicht genannt. Einige Fluggäste packen daraufhin ihre Koffer und reisen auf eigene Kosten mit dem Zug nach Hause.

Der Rest der versetzten Passagiere steht brav mehr als sieben Stunden bis Mitternacht in der Schlange. Als die meisten Geschäfte und Restaurants am Flughafen bereits geschlossen haben, werden 12-Euro-Gutscheine für Essen und Getränke verteilt. Für ältere und gehbehinderte Menschen ist der lange Weg durchs Flughafenlabyrinth hin zu den geöffneten Lokalen viel zu weit.

Gegen Mitternacht werden schließlich doch noch Gratis-Übernachtungen in einem Hotel in Aussicht gestellt. Die Busfahrt dorthin und die Rückfahrt am nächsten Morgen zahlen die Betroffenen aus eigener Tasche. „Sie können die Belege bei Vueling in Spanien einschicken, dort wird dann entschieden, ob gezahlt wird oder nicht“, sagt die Frau am Schalter.

Einen Ansprechpartner am Flughafen finden die Betroffenen nicht

Der Ersatzflug geht am folgenden Nachmittag über Barcelona. Dort kommt es erneut zu stundenlangen Verspätungen. Ob der Weiterflug nach Rom überhaupt stattfindet? Die Betroffenen finden keinen Ansprechpartner bei der Fluggesellschaft. Diese sind an einem Freitag Nachmittag offenbar bereits alle im Wochenende. Und das, obwohl Vueling den Firmensitz in Barcelona hat. Nach Mitternacht erscheint endlich ein Mitarbeiter. Auf die eigentlich einfache Frage, ob denn die erwartete Maschine aus Rom noch kommen würde, gibt es die sinnige Antwort: „Was weiß ich?“. Die Maschine, so der Angestellte, sei irgendwo am Fliegen.

Gegen ein Uhr hat sie es dann doch nach Barcelona geschafft. An Bord: kein Wort der Entschuldigung. Kein Gratis-Getränk, noch nicht einmal Mineralwasser. Nachts um drei Uhr landet die Maschine schließlich in Rom. Mehr als 24 Stunden später als geplant. Ob die Fluggesellschaft auf die geforderte Entschädigung eingeht, ist offen.