Der Rohbau der Flugfeldklinik ist fertig. Foto: Klinikverbund Südwest

Der Rohbau ist fertiggestellt. Die bisher geplanten 621 Millionen Euro werden nicht reichen. Wie viel Mehrkosten auflaufen, soll im Herbst feststehen.

Roland Bernhard war in der Sitzung des Kreistags-Bauausschusses um Optimismus bemüht. „Wir bekommen das Projekt ins Ziel“, versicherte er. Wann und mit wie viel Mehrkosten, dazu sagte der Böblinger Landrat nichts. „Wir haben keine neue Zahlen“, beteuerte er. Nur so viel ist bekannt: Finanziert sind derzeit 621 Millionen Euro und die Inbetriebnahme der Klinik ist für das Jahr 2025 geplant. Dass der Zeitplan angesichts der schwierigen Situation auf dem Bau-und Rohstoffmarkt wackelt, ist mittlerweile ebenso unbestritten wie die Tatsache, dass die Klinik am Ende wohl deutlich mehr als 621 Millionen Euro kosten wird.

 

Mehr Klarheit wird es wohl erst im Herbst geben. Dann soll ein Wirtschaftsplan aufzeigen, wie hoch die Finanzlücke sein wird. Die notwendigen Zahlen hierfür gibt es noch vor der Sommerpause. Ende Juli werden 70 Prozent aller Gewerke für den Neubau vergeben sein. Dann, so Bernhard, seien die Grundlagen für eine realistische Prognose der Gesamtkosten und eine „Szenario-Berechnung“ vorhanden. Im Herbst werde es auch einen Vorschlag geben, wie die Finanzierungslücke für die Klinik geschlossen werden soll. „Ich bin guter Dinge, dass wir das darstellen können“, betonte der Landrat und sprach von einer „großen Kostensicherheit“.

Gibt es mehr Geld aus Stuttgart?

Diese Zuversicht des Landrats wird auch gestützt durch das Stuttgarter Sozialministerium. Dort gibt es offensichtlich Signale, dass der Landeszuschuss angesichts der Kostensteigerungen erhöht wird. „Das Land“, sagte Bernhard, „sieht sich in der Verantwortung.“

Mittlerweile ist der Rohbau der Klinik fertiggestellt. Im Moment werden die Aufzüge eingebaut und der Hubschrauberlandeplatz montiert. In wenigen Monaten wird bereits das erste Bauwerk vollendet sein: Das Besucherparkhaus, das an der Seite Richtung Innenstadt entsteht, wird im Oktober übergeben. Gleich daneben befindet sich das Hochhaus, in dem neben den Verwaltungsräumen auch Mikro-Appartements für Mitarbeiter und Angehörige entstehen sollen. In dem 12-stöckigen Gebäude läuft bereits der Innenausbau auf vollen Touren, die Fassade ist fast zur Hälfte montiert. Projektmanager Harald Schäfer berichtete, dass in den vergangenen Wochen auf der gesamten Baustelle „enorm viel passiert“ sei.

Baufirmen zu bekommen, ist eine schwierige Sache

Als es darum ging, welche Firmen in den kommenden Wochen an der Klinik Hand anlegen, gab Schäfer einen Einblick in die schwierige Lage, die in der Baubranche herrscht. „Wir sind mittlerweile Animateure, was die Abgabe von Angeboten betrifft“, sagte er. Vier Ausschreibungsrunden brauchte es alleine, bis klar war, wer nun für knapp 16 Millionen Euro die Betonfertigteile und den Glasfaserbeton an der Fassade anbringt. Auch bei der Vergabe für einen Teil der Lüftungstechnik mussten die Klinikmacher eine zweite Runde drehen, bis für 12,8 Millionen Euro ein wirtschaftliches Angebot vorlag.

Das Schicksal der Kliniken in Leonberg und Herrenberg bleibt ungewiss

Keine neuen Informationen gab es zur Zukunft der beiden weiteren Kliniken des Landkreises. Wie berichtet, wurden die Sanierungs- und Ausbaumaßnahmen an den Häusern in Leonberg und Herrenberg vor einigen Wochen gestoppt. Wie es dort weitergehen soll, wird sich zeigen, wenn der Klinikverbund Südwest, zu dem die Kliniken zählen, sein neues Medizinkonzept erarbeitet hat. Dann, so Landrat Roland Bernhard, gibt es eine Klausurtagung, die über das weitere Schicksal der beiden Häuser entscheidet. Auch die Ergebnisse der Klinikreform des Bundes werden einen Einfluss auf die Zukunft dieser Kliniken haben. Man befinde sich derzeit in einer „Schwebephase“, erläuterte Bernhard. Sein Ziel sei es jedoch, eine „gute, verbundweite Lösung“ anzustreben.