Flugfeld 'Unterm Strich muss es passen'

Von Ingo Dalcolmo 

Die Aufsiedlung des Flugfelds Böblingen/Sindel-fingen schreitet weiter voran. Foto: Mierendorf
Die Aufsiedlung des Flugfelds Böblingen/Sindel- fingen schreitet weiter voran. Foto: Mierendorf

Die Vermarktung des größten interkommunalen Stadtentwicklungsgebiets in der Region Stuttgart kommt gut voran. Logistik und großflächiger Einzelhandel bleiben aber nach wie vor außen vor.

Peter Brenner, Geschäftsführer vom Zweckverband Flugfeld Böblingen/Sindelfingen, ist zufrieden: 'Es geht vorwärts, wir siedeln weiter auf'. Zum Beweis zeigt er auf einen Plan mit vielen roten, ein paar blauen und wenigen gelben Flächen (Seepromenade). Rot steht für verkauft. Das entspricht über 50 Prozent der bebaubaren Flächen auf dem größten interkommunalen Stadtentwicklungsgebiet in der Region Stuttgart. Weitere 20 Prozent der Bauflächen sind fest reserviert und im Plan orange markiert. Dazwischen ein paar blaue Flächen (zum Verkauf) und eine große lila Fläche. Die ist für das neue Zentralklinikum reserviert, sofern die politischen Gremien dem Bau und Standort zustimmen.

Planungsverfahren für Klinikum läuft

'Wir haben das Grundstück auch noch nicht verkauft', betont Brenner, 'aber die Eckpunkte mit dem Landkreis verhandelt und das Planungsverfahren läuft an.' Auch der Kaufpreis mit 15,7 Millionen Euro steht fest. Sollte das Klinikum nicht gebaut werden, wird dem Zweckverband-Geschäftsführer nicht bange. 'Das Gewerbegrundstück würden wir auch anderweitig verkaufen können.' Zieht man die Fläche für das geplante Großklinikum - rund 50 000 Quadratmeter ab - bleiben noch etwa 30 Prozent an Flächen verfügbar, darunter ein großflächiges Grundstück im Gewerbegebiet 'Am Wall' mit rund 22 000 Qua­dratmetern. 'Die Nachfrage nach Grund­stücken bricht erfreulicherweise nicht ab', freut sich Peter Brenner. Natürlich könne sich auch das Flugfeld gesamtwirtschaftlichen Effekten - wie in der Vergangenheit einer Finanzkrise - nicht entziehen. 'Ich glaube aber, dass das Flugfeld schon immer bereit war für die Immobilienwirtschaft', erklärt sich Peter Brenner den Erfolg des Zweckverbands Flugfeld Böblingen/Sindelfingen. Seit dreieinhalb Jahren ist er schon Geschäftsführer vom Zweck­verband. Denn längst nicht alle Gewerbe­gebiete in der Region Stuttgart profitieren derzeit so stark von der Entwicklung auf den Finanzmärkten wie das Flugfeld. Neben den niedrigen Zinsen sei die Lage ein weiterer wichtiger Grund. Auch die Art, wie die beiden Städte Böblingen und Sindelfingen mit potenziellen Investoren umgehen, habe geholfen, das Flugfeld zu dem zu machen, was es heute ist. 'Bei uns sind die Entscheidungswege wirklich kurz', sagt Brenner. Zwar fordere das Baurecht die Investoren. Und manchmal komme man auch nicht zusammen. 'Wenn die beiden Städte aber einmal Ja gesagt haben, dann bleibt es auch dabei.' Und dann werde unter Umständen auch schon mal der Bebauungsplan geändert.

Dem Grundsatz treu geblieben

'Unterm Strich müssen die Bauvorhaben in das Gesamtkonzept für das Flugfeld passen', so Brenner. Dabei bleibt der Zweckverband weiter seiner grundsätzlichen Linie treu, weder großflächigen Einzelhandel noch Logistikansiedlungen zuzulassen. Bis zum Jahr 2025 soll das Flugfeld nach dem Willen der Stadtväter von Böblingen und Sindelfingen aufgesiedelt sein. 'Wir sind im Zeitplan', bestätigt Peter Brenner. Doch so entschlussfreudig wie bei der Aufsiedlung der bisherigen Gewerbeflächen sind die beiden Städte als Eigentümer offenbar nicht überall. Bei den Grundstücken an der Seepromenade - hier ist eine Mischung aus Gewerbe, nicht-großflächiger Einzelhandel, Gastronomie, Büro und Wohnen vorgesehen - wünschte sich Brenner das eine oder andere Mal schon mal mehr Dynamik bei den Findungsprozessen, gibt er unumwunden zu. Auch wenn er Verständnis für die Situation der beiden Städte hat. Schließlich entstehe auf diesem Filetgrundstück Architektur für die nächsten Jahrzehnte, und die müsse gerade an dieser Stelle gut überlegt sein. Deshalb soll auch ein Investorenwettbewerb durchgeführt werden. 'Ich glaube, das schaffen wir dieses Jahr noch', zeigt er sich zuversichtlich. Wie der künftige Wohnbedarf, vor allem an preisgünstigen Wohnungen, realisiert werden soll, wenn irgendwann das neue Zentralklinikum mit rund 3000 Beschäftigten seinen Betrieb aufnehmen sollte, steht hingegen noch in den Sternen. Welche Auswirkungen ein künftiges Großklinikum auf den Wohnungsmarkt, das Verkehrsaufkommen und mögliche Emissionen durch anfliegende Rettungshubschrauber tatsächlich haben könnte, wird derzeit untersucht. Bis erste Ergebnisse vorliegen, wird sicher noch viel Wasser den Langen See entlangfließen.

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