Am Ortsrand von Wimsheim kann der Enzkreis nun Platz für 73 Asylsuchende schaffen. Der Standort in der Nähe zu Sportplätzen, einer Kindertagesstätte und einer Grundschule wurde zuletzt von Bürgern kritisch hinterfragt.
Bei nur zwei Gegenstimmen hat der Gemeinderat jetzt einem Bauvorhaben des Enzkreis-Landratsamts zugestimmt. Damit kann die Behörde nun am Mühlweg, in direkter Nachbarschaft zur Hagenschießhalle, zu Sportplätzen und in der Nähe der Kindertagesstätte und der Grundschule eine Wohncontaineranlage errichten. Darin sollen 73 Menschen unterkommen. 57 von ihnen in der vorläufigen Unterbringung durch den Landkreis und 16 in der Anschlussunterbringung (AU) durch die Gemeinde Wimsheim. Das zweistöckige Gebäude wird knapp 60 Meter lang sein und wohl noch in diesem Jahr gebaut und fertiggestellt. Die Anlage soll laut dem Landratsamt für voraussichtlich 24 Monate bestehen bleiben.
Im März hatten Vertreter des Landratsamts bei einer Gemeinderatssitzung in der Hagenschießhalle, zu der viele Bürgerinnen und Bürger kamen, das Projekt vorgestellt. Dabei wurden viele, oft kritische Fragen zu dem Vorhaben gestellt und nicht nur die Nähe der neuen Anlage zu den öffentlichen Einrichtungen hinterfragt, sondern auch die große Zahl weiterer Geflüchteter im Ort kritisch gesehen.
Vorteile für die Kommune
Die Vertreter des Landkreises betonten, dass die asylsuchenden Menschen engmaschig von der Behörde betreut würden und außerdem Security-Mitarbeiter vor Ort seien. Die künftige Containeranlage, die vom Enzkreis gebaut und finanziert wird, hat nach Aussagen der Wimsheimer Verwaltung auch für die Gemeinde Vorteile. Deren Kapazität für die weitere Aufnahme von Flüchtlingen sei derzeit völlig erschöpft, hieß es dazu.
Außerdem würden derzeit bereits in der AU untergebrachte Menschen aus verschiedenen Gründen anderweitigen Wohnraum benötigen. Die Gemeinde mietet die 16 Plätze vom Enzkreis an. Mit der neuen Containeranlage sei voraussichtlich die Unterbringungsverpflichtung in Wimsheim für dieses und das kommende Jahr erfüllt. Die Gemeinde baut derzeit an der Friolzheimer Straße eine eigene Wohnanlage für bis zu 80 geflüchtete und obdachlose Menschen, die aber wohl erst 2025 fertig wird.
Wiese entpuppte sich als Biotop
Der Bauplatz für die Containeranlage am Mühlweg wurde zuletzt infrage gestellt, als sich herausstellte, dass es sich um die Fläche, die die Gemeinde von Privat gepachtet hat und die im Bereich des seit 2002 rechtsverbindlichen Bebauungsplans Mühlweg liegt, um eine besonders geschützte Mähwiese handelt. Um dort bauen zu können, muss der Bauherr, also der Enzkreis, bei der unteren Naturschutzbehörde des Landratsamtes eine Ausnahmegenehmigung beantragen und einen flächengleichen Ersatz für die Mähwiese schaffen. Laut dem Bürgermeister Mario Weisbrich wurden bereits geeignete Flächen gefunden.