Das Haus beim Korntaler Friedhof soll Anfang Januar bezugsfertig sein. Foto: factum/Granville

Die Stadt schafft eine Unterkunft für Flüchtlinge nach der anderen. Die vom Landratsamt geforderte Platzzahl wird dennoch nicht erreicht. Sollte die Anmietung weiterer Gebäude nicht klappen, werden Container die letzte Reserve sein. Die Standorte sind noch geheim.

Korntal-Münchingen - Das Haus an der Zuffenhauser Straße ist bezogen, das an der Ludwigsburger Straße neben dem Friedhof fast fertig. Der Gemeinderat hat in seiner jüngsten Sitzung beschlossen, im Brüder-Grimm-Weg für 22 Flüchtlinge ein Wohnhaus zu mieten. Und im Esslinger Weg in Münchingen werden zwei weitere Häuser gebaut – Quartiere für Flüchtlinge. Dennoch kann die Stadt Korntal-Münchingen ihre Aufnahmeverpflichtung im nächsten Jahr vermutlich nicht erfüllen. „Man ist ein Getriebener“, sagte Regina Neuhöfer von der Stadtverwaltung unserer Zeitung.

„Allen war klar, dass wir anmieten müssen“, so die Fachbereichsleiterin. Der Gemeinderat habe aber dem Angebot eines Hauseigentümers nicht bedingungslos zugestimmt. Man will nicht jeden Preis zahlen, sondern nur das Marktübliche. In dem Haus am Brüder-Grimm-Weg in Korntal sind drei Vierzimmerwohnungen und eine Zweizimmerwohnung vorhanden. Die Mietkosten sollen rund 40 000 Euro pro Jahr plus Nebenkosten betragen; diese werden der Stadt wieder erstattet. In dem Haus sollen ebenso Flüchtlinge in der Anschlussunterbringung unterkommen wie in dem neu gebauten Fertighaus an der Zuffenhauser Straße, das schon seit einigen Monaten bezogen ist.

Zweites Haus desselben Typs

Ein Haus desselben Typs vom selben Hersteller wird an der Ludwigsburger Straße in diesen Wochen fertiggestellt, es soll gleich Anfang nächsten Jahres bezugsreif sein. Hier hatte es in der Planungsphase heftigen Ärger mit Nachbarn gegeben, der Gemeinderat beschloss aber dennoch den Bau auf dem Platz, der auf drei Seiten vom Friedhof umgeben ist. Das Haus bietet Platz für 45 Personen in Appartements mit einem, zwei oder drei Zimmern. Durch die verschiedene Anzahl von Zimmern ist es auch für Familien geeignet.

Der Gemeinderat hat auch den Auftrag erteilt für zwei weitere Häuser am Esslinger Weg in Münchingen. Der Aufwand der Stadt dafür beträgt rund zwei Millionen Euro. Die beiden Gebäude sollen etwa 90 Menschen aufnehmen können. Laut dem Zeitplan soll die Baugenehmigung für die beiden Gebäude Anfang Januar vorliegen; dann sei mit der Fertigstellung bis Ende September des kommenden Jahres zu rechnen. Den Baubeschluss hatte der Gemeinderat diesen März gefasst.

Eine Lücke von 60 Plätzen

Trotz der Neubauten erfüllt die Stadt ihre Verpflichtungen noch nicht – aus heutiger Sicht auch mit Blick auf das Jahr 2018. „Trotz dieser erheblichen Investitionen können die durch das Landratsamt Ludwigsburg ermittelten Zuweisungsquoten nicht erfüllt werden“, heißt es in einer Vorlage der Verwaltung an die Stadträte. Im laufenden Jahr müssen 155 Personen untergebracht werden; rechnet man die Ludwigsburger Straße dazu, ist die Quote für 2017 Ende Januar 2018 erfüllt. Im nächsten Jahr müsse man nochmals mit einer Zuweisung von 150 Personen rechnen. Die Gebäude im Esslinger Weg berücksichtigt, wird für rund 60 von ihnen kein Platz sein.

Die Stadt ist deshalb trotz der Neubauten weiter auf der Suche nach Häusern, die sie mieten kann, um Schutzsuchende unterzubringen. Dennoch überlegt man in der Verwaltung bereits jetzt, wie die Verpflichtungen erfüllt werden können, wenn keine Mietangebote eingehen. Das soll im schlimmsten Fall mit Containern geschehen. „Wir haben bereits Standorte im Blick“, sagte Regina Neuhöfer. Diese sollen aber erst dem Gemeinderat in der nächsten Sitzungsrunde genannt werden, bevor sie öffentlich bekannt gegeben werden.

Die Situation in anderen Kommunen

Ditzingen
Die Stadt schafft Platz für Flüchtlinge in Containern, die im Gewerbegebiet aufgestellt werden. Weitere Unterbringungsmöglichkeiten an kleinen zentralen Standorten sind im Bau, in zwei Stadtteilen verzögern Einwendungen von Nachbarn die Genehmigung. Das Landratsamt hatte der Stadt angekündigt, von September an monatlich 35 Flüchtlinge zuzuweisen – unabhängig davon, ob Wohnraum vorhanden ist. Das Landratsamt begründete dies damit, dass Ditzingen seine zugewiesene Quote nicht erfüllt habe.

Ludwigsburg
Auch die Kreisstadt hat ein Problem: Ende September fehlten in Ludwigsburg 300 bis 350 Plätze. In diesem Jahr muss die Stadt 179 Menschen unterbringen, im nächsten Jahr beträgt die Quote 559 Personen. Ende Juli hat das Rathaus dringend an alle Hausbesitzer und Vermieter in der Stadt appelliert, Wohnraum zur Verfügung zu stellen.

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