Diese Kinder wünschen sich garantiert keine abgeschlossenen Spielzimmer. Foto: dpa-Zentralbild

Der Brandbrief von Koordinatoren der ehrenamtlichen Flüchtlingsarbeit ist ein Ausrufezeichen. Er sollte ernst genommen werden, findet Redakteurin Inge Jacobs.

Stuttgart - Es liegt auf der Hand, dass der Alltag in den Flüchtlingsunterkünften nicht immer reibungsfrei verläuft. Dafür gibt es viele Gründe. Viele Flüchtlinge haben traumatische Erlebnisse, sind nun einem Kulturkreis gelandet, der reich, aber mit seinen vielen Regeln und Freiheiten für sie auch sehr fremd ist, dessen Sprache sie zunächst kaum können – und zudem haben sie eine ungewisse Perspektive vor sich. Das lässt auch die Kinder und Jugendlichen nicht unberührt.

Jetzt informieren professionelle Koordinatoren der ehrenamtlichen Flüchtlingsarbeit den Gemeinderat und die Stadtverwaltung darüber, dass die Ehrenamtlichen beim Umgang mit Kindern und Jugendlichen in den Unterkünften zunehmend überfordert seien und aussteigen, weil die Kinder und Jugendlichen offenbar ein immer aggressiveres Verhalten an den Tag legen – untereinander, aber auch gegenüber den ehrenamtlichen Helfern. Das ist ein Ausrufezeichen. Und es sollte ernst genommen werden.

Profis sollten schauen, was da los ist

Das bedeutet zum einen: Profis sollten schauen, was da los ist. Denn in dem Brief werden weder konkrete Vorfälle genannt, noch werden diese quantifiziert. Diese Fakten sollten zuerst einmal auf den Tisch. Die Aussagen des Jugendamts belegen allerdings, dass es immer mehr Krisensituationen in den Familien gibt – und zu wenig Personal, um vor Ort präsent zu sein. Sicher würde es helfen, wenn Sozialarbeit und Jugendhilfe enger kooperieren könnten. Ebenso wichtig ist, dass die Drei- bis Sechsjährigen endlich alle einen Kitaplatz bekommen. Das ist ein Schlüssel zur Integration. Die sollte auch in der Schule weitergehen. Es wäre sinnvoll, auch Flüchtlingen den Besuch von Ganztagsschulen zu ermöglichen.

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