Zeugen hatten angegeben, in der Nacht zum Sonntag eine dunkel gekleidete Gestalt an der Unterkunft in Wertheim gesehen zu haben. Foto: dpa

Eine achtzehnköpfige Ermittlungsgruppe der Polizei sucht nach dem Brandanschlag auf das geplante Flüchtlingsheim in Wertheim nach dem oder den Tätern. Am Tatort wurden Spuren von Brandbeschleuniger gefunden.

Wertheim - Nach dem Brandanschlag auf eine geplante Flüchtlingsunterkunft in Wertheim (Main-Tauber-Kreis) konzentriert sich die Polizei auf die Suche nach dem oder den Tätern. Eine heiße Spur gebe es bislang nicht, sagte ein Polizeisprecher. Die Ermittlungsgruppe wurde unterdessen von zehn auf 18 Ermittler aufgestockt. Ob ein Brandbeschleuniger im Spiel gewesen sei, sei noch nicht abschließend geklärt.

„Von der Spurenlage her sieht es nach Brandbeschleuniger aus“, sagte Stadtbrandmeister Ludwig Lermann am Montag. „Die Untersuchungen sind aber noch nicht abgeschlossen.“ Mit ersten Ergebnissen dazu sei erst in zwei bis drei Wochen zu rechnen.

Die Polizei vermutet, dass das Feuer in der Nacht zu Sonntag absichtlich gelegt wurde; ein fremdenfeindlicher Hintergrund wird nicht ausgeschlossen.

Ermittlungsgruppe will Anwohner befragen

Die achtzehnköpfige Ermittlungsgruppe will nun unter anderem Anwohner befragen, wie ein Polizeisprecher sagte. Zwei Zeuginnen hatten angegeben, in der Nacht zum Sonntag eine dunkel gekleidete Gestalt gesehen zu haben, die in einem Wagen davon fuhr.

Bei dem Feuer in der Nacht zum Sonntag war eine Turnhalle zerstört worden, die kurz zuvor für knapp 400 Flüchtlinge hergerichtet worden war. Verletzt wurde bei dem Feuer niemand, die Halle muss nun abgerissen werden. Nach Wertheim sollen nach Angaben der Landesregierung keine weiteren Flüchtlinge mehr kommen.

„Hinweise auf einen Brandanschlag gab es im Vorfeld keine, sonst hätten wir vor Ort mehr Präsenz gezeigt“, sagte der Polizeisprecher. Politiker verschiedener Parteien verurteilten die Tat. Am Sonntagabend hatten sich zwischen 600 und 800 Bürger in Wertheim zu einem Schweigemarsch versammelt, um gegen Fremdenfeindlichkeit zu demonstrieren.

DPolG-Chef fordert bessere Überwachung

Nach den Worten des Chefs der Deutschen Polizeigewerkschaft hält auch im Südwesten ein rechter Terrorismus Einzug. „Alles, was es in Deutschland an Terrorismus gegeben hat, ob es der NSU war oder die RAF, alles hat mit Brandanschlägen begonnen“, sagte Rainer Wendt am Montag in Stuttgart.

Der Brandanschlag von Wertheim zeige, dass solche Objekte besser geschützt werden müssten. Wendt forderte für Baden-Württemberg eine Wachpolizei nach Berliner Vorbild. Die Wachpolizei ist uniformiert und rekrutiert sich im Gegensatz zum normalen Polizeivollzugsdienst aus Angestellten im Polizeidienst. „Ihre Aufgabe ist der Objektschutz“, sagte Wendt.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: