In Oßweil greift am Sonntag ein Geflüchteter einen Polizisten und dessen Hund an – und das ein dreiviertel Jahr, nachdem die Stadt ihr Team aus Flüchtlingsberatern aufgelöst hat.
Die Lage für die Kommunen in Sachen Flüchtlingsarbeit ist angespannt. Die Personaldecke ist dünn, die Gelder sind knapp, die Förderung von Bund und Ländern wird sogar zurückgefahren. Bis vor anderthalb Jahren hat die Stadt Ludwigsburg sich mit einem eigenen Team aus Sozialarbeitern um ihre Flüchtlinge gekümmert. Aus finanziellen Gründen hat sie die Arbeit Ende des vergangenen Jahres dann an den Landkreis zurückgegeben – die sogenannte Rückdelegation bedeute eine schlechtere Betreuung vor Ort, klagen Unterstützer.
Stehen die verschlechterten Angebote in einem Zusammenhang mit dem Vorfall am Sonntag, als vor der Geflüchtetenunterkunft in Oßweil ein Polizist von einem Bewohner attackiert wurde? Der Mann war dort schon früher zumindest verbal aufgefallen, der AK Asyl Ludwigsburg spricht von einer Unterkunft, in der es immer wieder Probleme gebe. Was sagt die Stadt?
Integrationsrat bezieht Stellung
„Es stimmt, dass die Betreuung von Geflüchteten in unseren Unterkünften schwieriger geworden ist“, sagt Ludwigsburgs Erste Bürgermeisterin Renate Schmetz. „Mit dem Vorfall in der Unterkunft in Oßweil hat das aber nichts zu tun.“ Es gebe in den einzelnen Unterkünften immer wieder Bewohner mit psychischen Auffälligkeiten und gewisse Anspannungen. Nicht zuletzt deshalb setzt die Stadt nicht auf große Sammelunterkünfte, sondern auf viele kleinere Häuser – in der betroffenen Unterkunft in Oßweil leben beispielsweise nur 35 Menschen.
Ganz ähnlich sieht es auch der Integrationsrat der Stadt Ludwigsburg. „Der Vorfall hätte überall passieren können“, sagt Viet Nguyen, einer der Sprecher des Rates. Nguyen selbst ist entschiedener Gegner der Rückdelegation der Flüchtlingsarbeit ans Landratsamt. „Im Sinne der Integration ist das kontraproduktiv.“ Dennoch wisse der Integrationsrat, dass das Landratsamt mit den vorhandenen Ressourcen gute Arbeit leiste. Den Vorfall in Oßweil direkt mit der Rückdelegation zu verbinden, halte er für falsch, sagt Nguyen deshalb.
Renate Schmetz legt noch auf einen anderen Punkt Wert: „Auffällige Personen 24 Stunden lang zu kontrollieren, das wird man nie schaffen“, sagt die erste Bürgermeisterin. Tatsächlich scheint es auch so zu sein, dass der Mann in der Vergangenheit zwar durch lautes Rufen im Umfeld der Unterkunft auffällig geworden war, nicht aber als gewalttätig in Erscheinung trat. So erzählte es zumindest ein Mitglied des DRK-Ortsverbandes, der seine Räumlichkeiten im gleichen Gebäude hat.
„Auch in Obdachlosenunterkünften geht es mal heiß her, auch da gibt es mal einen Polizeieinsatz“, sagt Schmetz. „Am Wochenende in Oßweil war es ein besonders heftiger Einsatz, weil der Mann in einem psychischen Ausnahmezustand war.“ Der 26-Jährige hatte in der Nacht zum Sonntag vor der Unterkunft Glasflaschen auf dem Boden zertrümmert und eine davon gegen ein DRK-Fahrzeug geworfen.
Stadt will Präsenz zeigen
Die DRK-Sanitäter riefen daraufhin die Polizei, die den Mann nach ihrem Eintreffen zu beruhigen versuchte. Laut Polizeibericht habe der 26-Jährige daraufhin einen Polizeihund und im anschließenden Gerangel auch dessen Hundeführer verletzt. Anschließend verschanzte er sich mit einem Küchenmesser in der Unterkunft, das SEK nahm ihn später fest.
Der Mann wurde in eine psychiatrische Einrichtung gebracht, gegen ihn wird wegen tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte ermittelt. Renate Schmetz kündigt an, in nächster Zeit von städtischer Seite aus verstärkt ein Auge auf die Unterkunft in Oßweil zu haben: „Wir möchten, dass die anderen Bewohner das Zutrauen in ihre Einrichtung nicht verlieren“, sagt sie. „Das schockt einen ja auch, wenn plötzlich das SEK anrückt.“