Seit Donnerstag leben Menschen aus zehn unterschiedlichen Nationen in den Neubauten. Foto: Torsten Ströbele

In den beiden Unterkünften an der Zazenhäuser Straße sollen rund 145 Menschen unterkommen. Jeweils drei Personen leben dort in einem Zimmer mit einer Größe von etwa 14,5 Quadratmetern.

Zuffenhausen - Während rund um die beiden neuen Flüchtlingsunterkünfte an der Zazenhäuser Straße noch kräftig gebaggert und gewerkelt wird, sind am Donnerstag schon die ersten etwa 40 Bewohner in die beiden Neubauten eingezogen – sechs Tage früher als erwartet. „Jeder Platz ist wichtig. Der Druck ist enorm groß“, sagt Günter Gerstenberger vom Sozialamt. Immer mehr Flüchtlinge kämen nach Stuttgart und bräuchten dringend eine Unterkunft. Doch die Plätze sind rar. Teilweise wurde deswegen in Zuffenhausen sogar nachts und an Wochenenden gearbeitet, damit die beiden Gebäude so früh wie möglich zur Verfügung stehen. „Wir haben unser gesamtes Engagement in den Innenausbau gelegt“, sagt Gerstenberger. Der Außenbereich werde nun nach und nach fertiggestellt.

Am Donnerstagvormittag fehlten zudem noch Besteck, Teller und Tassen. Gegen Mittag werden diese Utensilien aber eintreffen, hoffte Sozialarbeiterin Jessica Sousa. Auch wenn vor Ort noch nicht alles optimal läuft, so können sich die Unterkünfte doch sehen lassen. Etwa 40 Mitglieder der Flüchtlingsfreunde Zuffenhausen konnten sich bei einer Begehung am Mittwoch selbst davon überzeugen, dass die Neubauten in keiner Weise an Container erinnern, wie des Öfteren befürchtet wurde. Die Räumlichkeiten erinnern eher an eine Jugendherberge oder, wie Sozialarbeiter Michael Zondel, meint: „Praktische Mietwohnungen mit Hilfestellung.“

Es wird mit 140 bis 145 Flüchtlingen gerechnet

Drei Flüchtlinge leben jeweils in einem Zimmer mit einer Größe von etwa 14,5 Quadratmeter. In jedem gibt es drei Betten, einen Tisch, einen Kleiderschrank und einen Kühlschrank. Zwölf Personen teilen sich ein Bad. Gerstenberger rechnet damit, dass insgesamt 140 bis 145 Flüchtlinge an der Zazenhäuser Straße unterkommen werden. Die Arbeiterwohlfahrt (Awo) hat die pädagogische Betreuung und Hausleitung übernommen. Dafür stehen ihr etwas mehr als zwei Stellen zur Verfügung. Alleine wird die Awo die vielfältigen Aufgaben vor Ort nicht stemmen können. Deshalb ist man froh, dass sich Ehrenamtliche bereit erklärt haben, zu helfen. Rund 100 E-Mail-Adressen hat die Sprecherin der Flüchtlingsfreunde, Natalie Spahr, in ihrem Verteiler. Etwa zehn Mitglieder nahmen nun am Donnerstag die ersten etwa 40 Flüchtlinge an der Zazenhäuser Straße in Empfang – mit Brezeln und Getränken. Der Bus aus der zentralen Aufnahmestelle für Flüchtlinge des Landes Baden-Württemberg in Karlsruhe erreichte die neue Unterkunft gegen 10.30 Uhr. „Wir erwarten heute acht Familien mit 16 Kindern und neun Alleinstehende“, sagte Sousa. Die Menschen kommen aus Syrien, Serbien, Georgien, Mazedonien, Bosnien, Somalia, Sri Lanka, Pakistan, aus dem Irak und der Ukraine. Einige von ihnen sprechen ein wenig Deutsch oder Englisch. Am 15. September werden die nächsten Flüchtlinge erwartet: 18 alleinstehende Männer aus Nigeria und Kamerun ziehen aus der Interimsunterkunft im ehemaligen Olgäle nach Zuffenhausen. Zwei Tage später sollen weitere etwa 40 Asylbewerber aus Syrien und Bosnien an der Zazenhäuser Straße ankommen.

Die Flüchtlingsfreunde haben unter anderem schon Rucksäcke, Fahrräder und Spielzeug organisiert. „Wir wollen die Menschen begleiten. Das ist wichtig“, sagt Spahr. Sie sollen sich in Zuffenhausen wohlfühlen. Vor allem wird es jetzt auch darum gehen, Struktur in den Alltag der Flüchtlinge zu bringen. „Wir haben einiges in petto und warten nur darauf, bis es los geht“, sagt Spahr. Sporttreiben, Stricken, Nähen, Malen, Basteln und mehr wolle man anbieten. Zudem werden von der Stadt Deutschkurse organisiert, und für die Kinder beginnt der Unterricht am Montag, 22. September, in insgesamt vier internationalen Klassen an der Hohensteinschule.

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