Während der offenen Runde haben die Besucher unter anderem darüber abgestimmt, was sie für eine gelingende Integration als notwendig erachten. Foto: Eileen Breuer

Im Abendgottesdienst in Stuttgart-Vaihingen sind die Besucher über das Thema Integration miteinander ins Gespräch gekommen. Sie haben erörtert, was eine gelingende Integration fördern oder verhindern kann.

Vaihingen - Thierry Domon ging mit dem Mikro in der Hand durch die Reihen der Dreieinigkeitskirche. „Darf ich Ihnen fragen, wo sie herkommen?“, fragte er die Gottesdienstbesucher in gebrochenem Deutsch und mit französischem Dialekt. „Aus Birkach, aber eigentlich aus Schleswig-Holstein“, so eine Antwort. Ein anderer entgegnete: „Ich bin eigentlich Weltbürger“. „Man kann sich nicht aussuchen, wo man herkommt. Aber man kann wählen, wohin man geht“, schloss Domon sein Experiment ab.

Er selbst ist in Algerien geboren, in Frankreich aufgewachsen und lebt jetzt seit nunmehr 40 Jahren in Deutschland. Am vergangenen Sonntag erzählte er der evangelischen Gemeinde, mit welchen Problemen er in seiner neuen Heimat zu kämpfen hatte. Die Abendgottesdienst-Reihe „unter-Brechungen“ beschäftigte sich an diesem Abend mit der Frage, wie Integration gelingen kann. Pfarrer Stefan Cohnen hält es für wichtig, dass dieses Thema auch im Gottesdienst aufgegriffen wird: „Integration ist ein gesamtgesellschaftliches Thema. Wenn wir als Kirche in der Gesellschaft verankert sein wollen, müssen sich die Themen der Gesellschaft eben auch im Gottesdienst widerspiegeln.“

Für eine gelingende Integration muss man aufeinander zugehen

Domon ist einer von denen, bei denen man von einer gelungenen Integration sprechen kann. Doch auch er hatte anfangs mit Problemen zu kämpfen. Nicht nur die Sprache fiel ihm schwer, auch die schwäbischen Bräuche waren ihm fremd: „Das erste Mal als ich die Leute am Samstag kehren sah, fragte ich mich, ob der Bundeskanzler zu Besuch kommt.“ Bei der Integration habe ihm vor allem die Kirche geholfen: „Für mich ist die Kirche eine Heimat. Hier gab es eine große Gemeinde. Nur der Christus am Kreuz störte mich. Den haben in Frankreich nur die Katholiken.“

Für ihn bedeute eine gelingende Integration, aufeinander zuzugehen und sich gegenseitig kennenzulernen. Passend dazu sang die Band des Jugendwerkes das Lied „Wir wollen aufsteh´n“, das dazu auffordert, aufeinander zuzugehen und sich nicht zu entfernen, wenn man etwas nicht versteht.

Zur Nächstenliebe zählt auch, dass sich Fremde auf Augenhöhe begegnen

Dieser Meinung ist auch Gudrun Nitsch. Die ehrenamtliche Helferin des Freundeskreisesbeantwortete Pfarrer Cohnen ein paar Fragen. Sie denkt, dass die Integration insbesondere durch die Angst behindert wird: „Viele fragen sich: Wie viele kommen noch und was machen wir dann mit denen?“ Eine gelingende Integration fange deshalb bei jedem selbst an: „In unserer Kirche spielt die Nächstenliebe eine zentrale Rolle: Dass ich meinem Mitmenschen auf Augenhöhe begegne, dass ich seine Stärken und Schwächen sehe und barmherzig damit umgehe. Integration ist wichtig, damit aus Fremden Freunde werden.“

Im Anschluss an das Interview konnten die Gottesdienstbesucher während der offenen Phase selbst tätig werden. Sie konnten ihr Wissen zur Kommunikation via Gestik und Mimik testen, in einer Diskussionsrunde miteinander ins Gespräch kommen oder den Einbürgerungstest absolvieren. Ilse Hödl versuchte sich daran: „Ich finde, die Antworten sollten alle Leute wissen, nicht nur die, die herkommen.“

In seiner Predigt zeigte Pfarrer Cohnen, dass sich auch in der Bibel einander Fremde gegenseitig helfen. Obwohl die Israeliten und die Samariter sich früher in herzlicher Abneigung verbunden gewesen seien, habe der Samariter dem ausgeraubten Israeliten geholfen. Dies hob Cohnen hervor: „Der Nächste war einer, der woanders her kam.“

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