Wenn die Integration von Flüchtlingen gelingen soll, braucht es neue Ideen und neue Orte. Auch in Stuttgart wird fleißig an neuen Konzepten gearbeitet. Foto: imago stock&people

Mit zwei neuen Einrichtungen soll in Stuttgart die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt verbessert werden. Das Jobcenter hat eine eigene Fachstelle für diese Gruppe eingerichtet. Und im geplanten Ausbildungscampus für junge Arbeitssuchende engagieren sich Stadt, Wirtschaftskammern, Sozialträger, Schulen und Unternehmen gemeinsam.

Stuttgart - Die Neuordnung der Arbeitsförderung in der Landeshauptstadt, mit der insbesondere die Integration von Flüchtlingen besser gelingen soll, nimmt Gestalt an. Mitte voriger Woche hat die neue Fachstelle für Flüchtlinge des Jobcenters im Cannstatter Carré die Pforten geöffnet. Und die Vorbereitung für den sogenannten Ausbildungscampus, der im März 2017 in zentraler Lage in der Stadtmitte an der Jägerstraße die Arbeit aufnehmen soll, laufen auf vollen Touren.

Unter den rund 22 500 Haushalten, die derzeit in Stuttgart Hartz IV beziehen und in denen rund 42 200 Menschen leben, sind 2400 Flüchtlingsfamilien mit 5100 Personen. Das sind elf Prozent. Während die Zahl der Hartz-IV-Haushalte im „Altbestand“ stabil sei und im Vorjahr um rund 300 Haushalte sogar leicht abgenommen habe, wird die künftige Entwicklung von der Flüchtlingsbewegung geprägt sein, erklärte Jobcenterchef Jürgen Peeß am Montag im Sozialausschuss des Gemeinderats. So geht man davon aus, dass bis Ende 2017 weitere 2000 Flüchtlingshaushalte mit rund 3800 Personen dazukommen werden, die einen anerkannten Aufenthaltsstatus haben.

Etwa jeder siebte Flüchtling hat einen Job gefunden

Man könne durchaus erste Erfolge bei der Integration von Flüchtlingen verzeichnen, hatte Peeß vorige Woche im Internationalen Ausschuss der Stadt erklärt. So habe man bei den erwerbsfähigen Flüchtlingen, die 2015 vom Jobcenter betreut wurden, „jeden Siebten in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung oder in eine Berufsausbildung vermittelt“. Dies entspreche einer Integrationsquote von 14 Prozent. Insgesamt liegt dieser Wert in Stuttgart bei rund 25 Prozent.

Zur Verbesserung der Vermittlung von Flüchtlingen hat das Jobcenter eine Fachstelle im Cannstatter Carré eingerichtet. Dort sind inzwischen 38 Mitarbeiter tätig, es könnten daraus bis zu 80 werden. „Am 14. Dezember hatten wir den ersten Publikumsverkehr“, so Peeß. Die Büros im Cannstatter Carré sind nicht nur eine Anlaufstelle für Flüchtlinge, sondern auch für Firmen auf Personalsuche.

Auch Daimler, Bosch und Porsche machen mit

Eine wichtige Adresse wird der künftige Ausbildungscampus an der Jägerstraße sein. Das Konzept dafür, das sich vor allem an jüngere Arbeitssuchende richtet, ist an einem Runden Tisch der Stuttgarter Bürgerstiftung entwickelt worden. Ziel sei es von Anfang an gewesen, eine Einrichtung zu schaffen „für junge Geflüchtete, aber auch für andere Jugendliche mit Ausbildungshemmnissen“, sagt Irene Armbruster, Geschäftsführerin der Bürgerstiftung. Mitgearbeitet haben an dem Konzept neben dem Jobcenter, der Arbeitsagentur und mehreren städtischen Ämtern auch die IHK, die Handwerkskammer, das Schulamt, Berufsschulen, Sozialträger sowie Vertreter von Daimler, Porsche und Bosch. Diese sind auch in dem Verein vertreten, der den Ausbildungscampus trägt. „Diese Kooperation ist einmalig“, sagt Irene Armbruster

Die Stadt übernimmt die Kosten für den Umbau des Gebäudes und überlässt die Räume – es handelt sich um eine Etage – dem Verein kostenfrei. Mitte Januar soll der Umbau beginnen, im März fertig sein. Die vier Koordinatoren, die vom Verein per Fundraising finanziert werden, sind bereits seit Oktober im Einsatz. Sie seien derzeit in den Berufsschulen unterwegs und führen Gespräche mit den Partnern darüber, wie sie in dem Campus vertreten sein werden.

Im Ausbildungscampus soll alles zusammefließen

Derzeit sind von den 3500 erwerbsfähigen Flüchtlingen 1150 unter 25 Jahre alt. In den Vorbereitungsklassen an den Berufsschulen werden derzeit rund 370 junge Flüchtlinge unterrichtet. Dazu kommen die Schüler anderer Klassen in dem Bereich Arbeit und Beruf.

Das Jobcenter wird ständig mit drei Kräften vor Ort sein, die Arbeitsagentur macht Berufsberatung. Aber auch andere Partner werden eine Berufsorientierung anbieten und sich präsentieren. Auch ehrenamtliche Angebote wie Patenschaften und ein Mentorenprogramm sind in Vorbereitung. Ein Café und Kulturangebote sollen den Ausbildungscampus zu einem „offenen, extrem trubeligen Ort“ für junge Menschen machen, die dort alle möglichen und vor allem niederschwellige Angebote zum Thema Beruf finden, sagt Irene Armbruster. „Hier soll alles zusammenfließen.“

Anfangs hatte man überlegt, an der Stelle eine Art Jugendzentrum zu schaffen. Eine Umfrage bei Schülern der Berufsschule aber habe gezeigt: „Die Jugendlichen wollen zügig auf den Arbeitsmarkt“, sagt die Geschäftsführerin der Bürgerstiftung.

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