An 38 Grundschulen in Stuttgart werden Flüchtlingskinder in eigenen Klassen auf den regulären Schulbesuch vorbereitet. Das Schulamt tut sich schwer, Fachkräfte für ihren Unterricht zu finden.

Stuttgart - Mustafa schaut ein wenig irritiert. „Das ist hoch, das ist tief, das ist dunkel, das ist hell“ singen die anderen Kinder lauthals, strecken die Arme über den Kopf und dann Richtung Boden. Mustafa schüttelt den Kopf. Er hört das Lied heute zum ersten Mal – und Deutsch versteht der Siebenjährige aus dem Irak auch noch nicht. Er ist erst seit kurzem in Stuttgart, und es ist sein erster Tag an der Rosensteinschule.

Wie Mustafa besuchen derzeit 554 Flüchtlingskinder sogenannte Vorbereitungsklassen an den Grundschulen in Stuttgart. Spätestens ein halbes Jahr nach ihrer Einreise nach Baden-Württemberg werden die Kinder schulpflichtig. Weil sie meist kaum Deutsch sprechen, werden sie in den Vorbereitungsklassen erst einmal an die neue Sprache und Kultur herangeführt, bevor sie in den regulären Unterricht gehen können.

20 Prozent der Flüchtlinge in Stuttgart sind schulpflichtige Kinder

„Knapp 20 Prozent der hier ankommenden Flüchtlinge sind schulpflichtige Kinder“, sagt Matthias Kaiser, stellvertretender Amtsleiter des Staatlichen Schulamts Stuttgart. Um sie zu unterrichten, wurden die Vorbereitungsklassen im vergangenen Jahr aufgestockt: 83 Klassen für Kinder aus zugewanderten Familien gibt es im Stadtgebiet – 43 davon an Grundschulen. Weil dem Land derzeit deutlich weniger Lehrkräfte zur Verfügung stehen als noch im vergangenen Jahr, werden für die Vorbereitungsklassen aber keine ausgebildeten Lehrkräfte eingestellt. Stattdessen suchen Kultusministerium und Schulämter nach Fachkräften, die nur ihr erstes Staatsexamen gemacht haben, bislang in anderen sozialen Einrichtungen gearbeitet haben oder bereits pensioniert sind. „Das ist nicht so einfach“, sagt Kaiser. „Momentan können wir noch alle Kinder unterbringen.“ Sollten jedoch weiter so viele Menschen kommen wie in den letzten Monaten, bräuchte man deutlich mehr Personal.

Auch Heike Grüner ist für diese Art von Unterricht nicht speziell ausgebildet. Seit 20 Jahren ist sie Grundschullehrerin – im Sommer diesen Jahres, kurz vor Schuljahresbeginn, erfuhr sie dann von ihrem Einsatz als Lehrerin für die Vorbereitungsklasse an der Rosensteinschule. Hier unterrichtet sie nun 18 Kinder zwischen sechs und acht – zum Beispiel aus dem Irak, dem Iran, aus Albanien und dem Kosovo. „Natürlich ist das eine Herausforderung“, sagt Grüner. „Letztendlich geht es aber darum, ob man das schaffen will – und ob man sich darauf einlässt. Dann ist das auch gut zu schaffen.“

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