Blick auf die Landeserstaufnahmeeinrichtung in Sigmaringen. Foto: dpa

Es geht um Alkohol, Gewalt oder auch Ladendiebstahl. Immer wieder gibt es Probleme rund um die Landeserstaufnahmestelle für Flüchtlinge in Sigmaringen. Ermittler und die Stadt kennen den Grund.

Sigmaringen - Hinter den vermehrten Straftaten rund um die Landeserstaufnahmeeinrichtung (Lea) in Sigmaringen steht Ermittlern zufolge eine bestimmte Gruppe. „Es gibt eine kleine Gruppe von marokkanischen Staatsangehörigen, die immer wieder auffällt“, sagte ein Sprecher der zuständigen Polizei Konstanz der Deutschen Presse-Agentur. Dabei gehe es unter anderem um Alkoholexzesse, Straftaten wie Ladendiebstahl und Gewaltdelikte. „Man geht davon aus, dass die Bleibeperspektive dieser jungen Männer eher düster aussieht und dass Frust eine Rolle spielt.“

Rund 400 Polizeikräfte hatten am Dienstag die Lea durchsucht und mehrere Drogenverstecke gefunden. Die weiteren Ermittlungen übernimmt eine beim Polizeirevier Sigmaringen eingerichtete Gruppe, die sich speziell um Straftaten mit Bezug zu der Einrichtung kümmert. Die Gruppe wurde dem Polizeisprecher zufolge vor wenigen Wochen wegen vermehrter Einstätze auf zehn Mitglieder nahezu verdoppelt.

Der Bürgermeister der Stadt, Thomas Schärer (CDU), begrüßte das. „Ich bin schon dankbar, dass die Polizei reagiert und beispielsweise eine Ermittlungsgruppe eingerichtet hat“, sagte er auf Anfrage. Für den 22. März hat er nach eigenen Angaben den Leiter der Einrichtung und den Polizeipräsidenten nach Sigmaringen zum Gespräch eingeladen.

„Man darf die Flüchtlinge nicht alle über einen Kamm scheren“, betonte der Rathauschef. „Es ist eine ganz kleine Minderheit, die alles aufmischt.“ Auch ihm zufolge handelt es sich dabei um eine Gruppe aus dem nordafrikanischen Raum. „Dieses Verhalten von ein paar wenigen ist eine Belastung.“

Die Stadt stemmt sich schon seit längerem gegen eine Vergrößerung der Flüchtlingsunterkunft. Gefordert wird Schärer zufolge unter anderem eine Schließung der Lea im Jahr 2020 und dass lediglich 500 Flüchtlinge dort untergebracht werden. Derzeit sind es nach Angaben des Regierungspräsidiums in Tübingen 850, möglich sind 1250. Schärer: „Wir wollen eine Vereinbarung mit dem Land.“ Mitte Januar habe er dazu noch einmal Kontakt mit dem Innenministerium aufgenommen. Der Forderungskatalog sei aber seitdem nicht mehr diskutiert worden.

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