Das Innenministerium gab die Abschiebung des jungen Afghanen bekannt. Foto: Leif Piechowski

15 Abgeschobene aus ganz Deutschland wurden von 43 Polizisten begleitet. Ein 19-Jähriger unter ihnen soll in Baden-Württemberg für 50 Straftaten verantwortlich gewesen sein.

Kabul/Stuttgart - Baden-Württemberg hat einen 19-Jährigen nach Afghanistan abgeschoben, der für mehr als 50 Straftaten verantwortlich sein soll. Das teilte das Innenministerium am Mittwoch in Stuttgart mit. Der 19-Jährige saß in einem Flieger, der am Morgen in Afghanistans Hauptstadt Kabul landete. Der Mann habe zuletzt in Haft gesessen; ihm werde unter anderem gefährliche Körperverletzung zur Last gelegt.

Beamte am Flughafen Kabul bestätigten, die aus Frankfurt/Main kommende Maschine sei kurz nach 7.00 Uhr Ortszeit gelandet. Aus dem Bundesinnenministerium verlautete, dass 15 Abgeschobene aus mehreren Bundesländern an Bord gewesen seien. Sie wurden von 43 Polizisten begleitet.

Aus Sicherheitskreisen hatte es am Vorabend geheißen, dass die Abschiebung von zwei weiteren Kandidaten in letzter Minute von einem Bundesgericht gestoppt worden sei. Es war die 13. Sammelabschiebung seit dem ersten Flug im Dezember 2016.

Abschiebungen wegen Sicherheitslage umstritten

Laut BMI beteiligten sich an der Rückführung Baden-Württemberg, Bayern, Hamburg, Sachsen-Anhalt, Hessen und Schleswig-Holstein. Unter den Abgeschobenen seien zwölf Straftäter sowie drei Identitätsverweigerer gewesen. Seit einem schweren Anschlag vor der deutschen Botschaft in Kabul im Mai 2017 beschränken die Behörden Abschiebungen auf Straftäter, terroristische Gefährder und Menschen, die „die Mitwirkung an der Identitätsfeststellung hartnäckig verweigern“.

Damit haben Bund und Länder bisher 234 Männer nach Afghanistan zurückgebracht. Die Abschiebungen sind wegen der sich rasant verschlechternden Sicherheitslage umstritten. Die radikalislamischen Taliban kontrollieren nach Militärangaben heute wieder mehr als ein Siebtel des Landes.

Erst vor einer knappen Woche war es den Taliban gelungen, kurzzeitig die westafghanische Provinzhauptstadt Farah einzunehmen. Dutzende Sicherheitskräfte und Zivilisten sowie Hunderte Taliban starben.

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