Deutschland ist für Flüchtlinge, die in die EU kommen, das Zielland Nummer eins. Viele reisen illegal ein – auch nach Baden-Württemberg. Das zeigen die neuesten Zahlen der Bundespolizei, die den Stuttgarter Nachrichten exklusiv vorliegen.
Deutschland ist für Flüchtlinge, die in die EU kommen, das Zielland Nummer eins. Viele reisen illegal ein – auch nach Baden-Württemberg. Das zeigen die neuesten Zahlen der Bundespolizei, die den Stuttgarter Nachrichten exklusiv vorliegen.
Stuttgart - Die Zahl unerlaubter Einreisen nach Baden-Württemberg bleibt auf hohen Niveau. Allein im Juni registrierte die für Baden-Württemberg zuständige Bundespolizeidirektion Stuttgart 671 Personen, die ohne gültige Aufenthaltspapiere ins Land kamen. Die Behörde spricht in solchen Fällen von „irregulärer Migration“.
Im Mai hatte die Zahl unerlaubter Einreisen mit 960 Personen einen Rekordwert erreicht. Zum Vergleich: Im Mai 2013 zählte die Bundespolizei lediglich 152 und im Juni des Vorjahres 179 Personen, die unerlaubt ins Land einreisten, um dann in der Regel einen Asylantrag zu stellen.
Den Rückgang der aktuellen Juni-Zahlen im Vergleich zum Mai dieses Jahres erklärt die Bundespolizei mit einer Streckenumleitung der Bahn. Aus Italien kommende Züge seien zeitweise nicht mehr über Basel sondern über Frankreich gefahren, sagte eine Sprecherin unserer Zeitung. Diese Züge hätten die Grenze nicht im Bereich der Bundespolizeidirektion Stuttgart passiert: „Die Umleitung wurde bereits wieder aufgehoben, so dass im Juli 2014 wieder mit einem Anstieg der unerlaubten Einreisen zu rechnen ist.“
Erfahrungsgemäß reisen viele Flüchtlinge, die über das Mittelmeer nach Italien kommen, von dort aus weiter in den Norden. Der Präsident der Bundespolizeidirektion Stuttgart, Peter Holzem, hatte Deutschland jüngst als „Zielland Nummer eins“ bezeichnet.
Als weiteren Grund für den jüngsten Rückgang der Fälle unerlaubter Einreise nannte die Sprecherin, dass Schleusergruppierungen schnell auf Polizeimaßnahmen reagierten und auf Routen auswichen, die nicht Baden-Württemberg berührten. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge hatte unlängst die Zahl von 23 000 Flüchtlingen genannt, die in diesem Jahr im Südwesten erwartet werden. Die Fälle irregulärer Migration bilden eine Teilmenge davon.