Die Kinder einer albanischen Flüchtlingsfamilie warten am Mittwochmorgen in der Stuttgarter Schleyerhalle auf die Weiterfahrt nach Offenburg. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Baden-Württemberg weiß nicht mehr wohin mit den vielen Asylbewerbern. Flüchtlinge werden zu Bustouristen, die durchs ganze Land fahren. Entschieden wird oft erst auf den letzten Drücker.

Stuttgart - Am Mittwoch sind 500 Flüchtlinge aus dem Notquartier in der Stuttgarter Schleyerhalle ausgezogen. Wohin sie gebracht werden, hat sich allerdings erst am Morgen entschieden. Erst sollten die Leute nach Sinsheim, dann landeten sie jedoch in einer Messehalle in Offenburg – in der nächsten Notunterkunft. Dort sollen sie bis Montag bleiben und danach erneut umziehen. Wohin, steht noch nicht fest. Im Schlepptau der Busse fahren Tieflader, die Betten und anderes Inventar von einer Halle zur nächsten transportieren.

Offiziell registriert sind die Flüchtlinge immer noch nicht. Manche kommen bereits in die fünfte oder sechste Notunterkunft. Grund ist, dass die offiziellen Landeserstaufnahmeeinrichtungen heillos überfüllt sind. „Alleine in Ellwangen sind derzeit 2800 Flüchtlinge untergebracht“, sagt Sabine Beck vom Stuttgarter Regierungspräsidium. Vorgesehen waren dort ursprünglich nur 1000. Laut Integrationsministerium leben derzeit in den Erstaufnahmestellen des Landes 19 000 Asylbewerber. „Die Lage ist angespannt“, sagt ein Sprecher.

Nach dem Brand eines geplanten Asylbewerberheims in Weissach im Tal ermittelt die Polizei auch in der rechten Szene im Rems-Murr-Kreis. Ein Sprecher des Polizeipräsidiums Aalen bestätigte, dass Aufkleber einer Gruppierung namens „Identitäre Bewegung Deutschland“ (IBD) gefunden worden seien. Der baden-württembergische Verfassungsschutz ordnet die Gruppierung der islamkritischen Szene zu.

Kanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Joachim Gauck verurteilten am Mittwoch bei Besuchen in Asylheimen Gewalt gegen Flüchtlinge als beschämend.

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