Aus dem Reitstadion sind einige Flüchtlinge verschwunden. Foto: dpa

Unter den 42 auffälligen Algeriern, die aus dem Reitstadion verschwunden sind, befinden sich offenbar keine schweren Straftäter. Das Regierungspräsidium geht davon aus, dass die Männer früher oder später wieder auftauchen.

Stuttgart - 42 der ursprünglich 77 auffälligen Algerier, die das Stuttgarter Regierungspräsidium (RP) in der Zeltstadt im Reitstadion untergebracht hatte, bleiben verschwunden. Sie hatten das Notquartier in den vergangenen Tagen verlassen und waren nicht zurückgekehrt. Wie sich jetzt zeigt, könnte es dafür Gründe geben. „35 der 77 Nordafrikaner im Reitstadion haben bereits vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge ihren Ablehnungsbescheid bekommen“, sagt RP-Sprecher Robert Hamm.

Wie viele der Abgelehnten unter den Verschwundenen seien, wisse man noch nicht genau. Derzeit sind die 42 fehlenden Männer nur zur Aufenthaltsermittlung ausgeschrieben. Das heißt, dass sie zurückgebracht werden, wenn sie irgendwo auftauchen – etwa bei einer Polizeikontrolle. Zwar könnte man theoretisch nach denen, deren Asylantrag abgelehnt worden ist, auch fahnden, das geht aber nur, „wenn die Ausreisepflicht auch vollziehbar ist“. Das sei für Algerien derzeit „wegen fehlender internationaler Abkommen“ nicht der Fall.

Sorgen machen wegen der 42 Männer muss sich die Bevölkerung wohl nicht. Nach Informationen unserer Zeitung findet sich niemand darunter, der schwere Straftaten begangen hat. Überwiegend handelt es sich um Leute, die kleinere Delikte begangen oder gegen Aufenthaltsbestimmungen verstoßen haben. Ein des Raubes Beschuldigter sitzt offenbar in Untersuchungshaft.

In Ellwangen ist nach der Verlegung Ruhe eingekehrt

Nicht nur deshalb sorgt das Verschwinden der 42 Männer beim RP für kein allzu großes Kopfzerbrechen. „Die Leute sind erkennungsdienstlich erfasst. Egal, wo in Europa sie auftauchen, ist sofort klar, wer sie sind“, sagt Hamm. Die Verlegung nach Stuttgart sieht man trotz des Vorfalls als Erfolg: „Die Aktion, die Leute aus Wertheim und Ellwangen ins Reitstadion zu holen, hat funktioniert. Seit sie weg sind, können die anderen Flüchtlinge dort wieder gut schlafen, ohne Aggressionen ausgesetzt zu sein.“ In Ellwangen sei „absolute Ruhe eingekehrt“.

Auch die Tatsache, dass bereits nach wenigen Tagen knapp die Hälfte der Betroffenen einen Bescheid vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) bekommen hat, sei positiv: „Wir wollten keine Bummelei mehr haben. Viele Verfahren wurden in kürzester Zeit beendet. Das sehen wir als wichtigen Schritt an“, sagt Hamm. Jetzt müssen die Leute nur wieder auftauchen.

Beim Integrationsministerium bekräftigt man, dass man auch Asylsuchende, die auffällig geworden sind oder mit einer Ablehnung rechnen müssen, nicht bewachen könne. „Das Land sperrt Flüchtlinge nicht ein. Es kommt vor, dass Flüchtlinge Erstaufnahmeeinrichtungen auf eigene Faust verlassen. Die Motive sind uns im Einzelnen nicht bekannt“, sagt ein Sprecher. Um den Schwund zu begrenzen, baue man die Registrierungsmöglichkeiten ständig aus. Dann wisse man, wer wohin gehört. Derzeit gebe es Registrierungen in Heidelberg, Karlsruhe, Ellwangen, Donaueschingen, Sigmaringen, Wertheim, Mannheim und Meßstetten. In Stuttgart ist das bisher nicht vorgesehen.

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