Großbritannien und Frankreich wollen die illegale und gefährliche Reise durch den Eurotunnel unmöglich machen. Foto: dpa

Großbritannien und Frankreich haben sich bisher Untätigkeit bei der Suche nach einer Lösung für das Flüchtlingsproblem in Calais vorgeworfen. Nun verkünden die beiden Staaten die Gründung einer gemeinsamen Polizei-Einsatzzentrale.

Calais - Großbritannien und Frankreich wollen Flüchtlingen die ohnehin illegale und gefährliche Reise durch den Eurotunnel nach England unmöglich machen. Dazu sollen am Eingang des Tunnels im Hafen von Calais noch mehr Überwachungskameras, Infrarot-Ortungsgeräte und Flutlicht-Scheinwerfer installiert sowie die Zäune zum Gelände verstärkt werden, wie britische Behörden am Donnerstag verkündeten.

Darüber hinaus planen die beiden Länder eine gemeinsame Einsatzzentrale der Polizei. Sie soll die Aufklärung besser koordinieren, um Flüchtlings-Schmuggler-Banden zu entdecken und zu zerstören, wie es hieß.

Die Innenminister Frankreichs und Großbritanniens, Bernard Cazeneuve und Theresa May, wollten sich am Donnerstag zur Bekanntgabe der Gründung am französischen Tunneleingang treffen. Es gab allerdings keine Informationen, wann die neuen Maßnahmen umgesetzt werden sollen und wie viel sie kosten. Zunächst hatten sich Großbritannien und Frankreich gegenseitig Untätigkeit bei der Lösung des Problems vorgeworfen.

Zahl der Tunneldurchquerungen gesunken

Calais gilt als Krisenzentrum, weil Tausende Flüchtlinge versuchen, von hier aus durch den 50 Kilometer langen Kanaltunnel nach Großbritannien zu gelangen. Seit Juni kamen mindestens zehn von ihnen bei diesem Versuch ums Leben. Zahllose andere schafften es, unentdeckt zu bleiben, indem sie sich unter Lastwagen versteckten. Einer schaffte es vor kurzem sogar zu Fuß. Durch die Fluchtversuche wird zudem der Verkehr durch den Tunnel stark behindert.

Die Zahl versuchter Tunnel-Durchquerungen ist bereits auf 150 pro Nacht gesunken, nachdem Notsicherheitsmaßnahmen in Kraft getreten waren. Ende Juli waren es rund 2000 Versuche pro Nacht, wie der Betreiber des Eurotunnels mitteilte.

Lokale Behörden würden den Flüchtlingen helfen, teilte das französische Innenministerium mit. Der französischen Regierung wurde vorgeworfen, nicht genügend für die Migranten in Calais zu tun, von denen die meisten in einfachsten, selbst gebauten Unterständen leben.

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