Die Zahl der Flüchtlinge steigt Foto: dpa

Die Stadt will auch in der City weitere Kapazitäten für Flüchtlinge schaffen. An der Hegelstraße sollen bis Frühjahr 2016 zwei Systembauten errichtet werden, in denen 156 Menschen unterkommen können. Es soll aber keine größeren Zimmer geben.

Stuttgart - Bis 2016 muss die Landeshauptstadt zusätzlich 3651 Plätze für Flüchtlinge schaffen. 2548 können in neuen Systembauten an zehn geplanten Standorten untergebracht werden. Einer ist der so genannten Rothmannblock an der Hegelstraße zwischen Linden-Museum und Russischer Kirche.

Zu den Gesamtzahlen äußerte sich Sozialamtsleiter Stefan Spatz am Montag in der Sitzung der Bezirksbeiräte Mitte und Nord vorsichtig: „Das Verfallsdatum unserer Präsentationen ist relativ kurz“, kommentierte er eine Tabelle mit Standorten. Bis Ende 2016 werde die Stadt 7880 Flüchtlinge aufnehmen müssen. Der ab 1. Januar im Land gültigen Vorgabe, pro Flüchtling sieben statt 4,5 Quadratmeter bereitzustellen erteilte Spatz eine deutliche Absage. „Ich kann mir keine Stadt und keinen Landkreis vorstellen, der das schafft“, sagte er. Das Gesetz lasse bei „besonderen Problemen“ Spielraum, bei der alten Flächengröße zu bleiben.

Das 6700 Quadratmeter großen Grundstück an der Hegelstraße gehört dem Land, das hier Vorsorge für den zweiten Bauabschnitt der Dualen Hochschule (früher Berufsakademie) und ein Studentenwohnheim getroffen hat. Bisher steht allerdings auf dem benachbarten Grundstück zwischen Hegel-, Rosenberg- und Lerchenstraße noch nicht einmal der erste Teil der Hochschule. Detlef Kron, der Leiter des Stadtplanungsamtes, will in der kommenden Woche die Zeitpläne des Landes in Erfahrung bringen. Der Architektenwettbewerb für die Hochschule wurde vor mehr als einem Jahr abgeschlossen.

Über die Notwendigkeit, weitere Flüchtlinge aufzunehmen müsse man nicht mehr viel sagen, sagte Bezirksvorsteherin Veronika Kienzle (Grüne). Die Erstaufnahmestellen seien überbelegt, Stuttgart eile mit seiner Haltung und Umsetzung ein guter Ruf voraus. Keiner der Bezirksbeiräte stellte den Neubau in Frage, die Rückführungsbemühungen des Landes bei 570 Flüchtlingen aus sicheren Herkunftsländern wurde allerdings hinterfragt. Die Anerkennungsquote liege bei 0,3 Prozent, sagte Spatz.

Diverse Freundeskreise kümmern sich um die Flüchtlinge. Am neuen Standort will ein solcher aus dem Westen, wo das mit Flüchtlingen belegte alte Olgahospital bald für Wohnungsbau abgebrochen wird, seine Arbeit fortsetzen. Bei den beiden Neubauten soll darauf geachtet werden, dass möglichst wenig von dem Baumbestand auf der Fläche fällt. Allerdings will auch das Land, wenn es die Hochschule baut, noch einen Teil des Rothmann-Areals zur Lagerung von Baumaterialien und Maschinen beanspruchen.

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