Die Regierung in Ankara ließ bereits Tausende Menschen verhaften (unser Bild ist vom Juli 2016) – darunter auch Hochschullehrer. Foto: dpa

Das Land Baden-Württemberg legt ein Programm für Gastwissenschaftler auf – vor allem mit Blick auf die Repressalien gegen türkische Hochschulen.

Stuttgart - Die Landesregierung will ausländischen Wissenschaftlern helfen, die in ihrer Heimat Repressalien ausgesetzt sind und deshalb in Baden-Württemberg Schutz suchen. „Wir haben beschlossen, ein Programm im Volumen von einer Million aufzulegen, um Forscherinnen und Forschern, die bedroht sind, bei uns für ein bis zwei Jahre einen Aufenthalt als Gastwissenschaftler zu ermöglichen“, sagte Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne).

Vor allem Wissenschaftler aus der Türkei suchen wegen der massiven Repression, mit der die türkische Regierung seit Sommer auf den gescheiterten Putschversuch reagiert, Schutz und Hilfe in Baden-Württemberg. „Wir haben Informationen darüber, dass vermehrt Wissenschaftler Asyl beantragen und auch über entsprechende Organisationen um Unterstützung bitten“, sagte Bauer unserer Zeitung. Die Anfragen seien zunächst verhalten gewesen, „wahrscheinlich getragen von der Hoffnung, es möge sich wieder beruhigen“. Doch mittlerweile habe die Zahl zugenommen. Bauer: „Bereits im Sommer gab es international mehr als 50 Anfragen aus der Türkei für Hilfsprogramme, und die Zahl ist weitergestiegen.“ Die Wissenschaftler aus allen Fachbereichen hätten offenbar Angst vor Verfolgung und Angst um ihre Familien.

Unterstützung aus den USA

Bauer sagte, sie wisse zwar von der Bereitschaft der baden-württembergischen Hochschulen, ihren türkischen Kollegen zu helfen. Um zusätzliche Unterstützung zu geben, habe die Landesregierung gemeinsam mit dem renommierten Institute of International Education (IIE) in New York die Gründung eines gemeinsamen Programms für Baden-Württemberg angeregt und dafür die Baden-Württemberg-Stiftung gewinnen können. Der Betrag werde jeweils zur Hälfte von der Baden-Württemberg-Stiftung und vom Scholar Rescue Fund des IIE aufgebracht. Bauer: „Wir wollen das Programm nicht ausschließlich für türkische Wissenschaftler auslegen. Aber die bei weitem größte Gruppe kommt zurzeit aus der Türkei.“

Als Reaktion auf den gescheiterten Putschversuch hat die türkische Regierung in den vergangenen Monaten tausende Lehrer, Richter, Staatsanwälte und Hochschullehrer entlassen. Mit dem „Baden-Württemberg Fonds für verfolgte Wissenschaftler“, so der offizielle Name, ist der Südwesten nach Auskunft des Wissenschaftsministerium das einzige Bundesland, das ein solches Programm auflegt.

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