Autoproduktion in Leipzig: Eine Branche steckt in der Krise. Foto: Jan Woitas/dpa

Die Unternehmen haben die Entwicklung der Elektromobilität verschlafen. Angesichts der globalen Krise ist es aber richtig, die angekündigten Strafzahlungen zu verändern.

Die Lage für Europas Autobauer ist dramatisch. Manche Hersteller kämpfen ums nackte Überleben. Probleme bereitet ihnen nicht nur der Umstieg auf die E-Mobilität und die scheinbar übermächtige Konkurrenz aus China. Auch die ungerechtfertigten US-Zölle drohen, den Umsatz weiter zu schmälern. Deshalb ist es richtig, die EU-Verordnung über die Kohlendioxid-Flottengrenzwerte zu entschärfen, um damit Strafzahlungen zu verhindern. Die Autobranche als für Europa wichtige Schlüsselindustrie muss entlastet werden, um die globale Krise zu überstehen. Dies ist nicht nur wirtschaftlich sinnvoll, sondern auch politisch ein wichtiges Signal. In Zeiten, in denen Werke geschlossen werden und zehntausende Menschen nicht nur bei den Autobauern, sondern auch in der Zulieferindustrie um ihre Jobs bangen, wären zusätzliche Belastungen durch eine EU-Verordnung nicht zu vermitteln gewesen.

 

Autobauer haben E-Mobilität verschlafen

Gerne verdrängt wird aber, dass das zentrale Problem für die Autoindustrie nicht die drohenden Strafzahlungen sind. Tatsache ist, dass die europäischen Fahrzeughersteller eine fundamentale Entwicklung verschlafen haben und auf dem Zukunftsmarkt der Elektromobilität gegenüber der innovativen Konkurrenz aus China nicht wettbewerbsfähig sind. Die Autobauer haben sich selbst in ihre inzwischen strukturelle Krise manövriert. Kurzfristig hat die Politik nun richtig reagiert, auf lange Sicht muss sie bessere Rahmenbedingungen für das Hochfahren der Elektromobilität schaffen. Das kann sie etwa mit dem verstärkten Ausbau der Ladeinfrastruktur, einem einheitlichen Bezahlsystem und günstigen Tarifen. Die Autoindustrie hat im Grunde nur eine Aufgabe: sie muss gute und attraktive Fahrzeuge bauen. Erledigen Politiker und Ingenieure zügig ihre Hausaufgaben, wird sehr schnell niemand mehr auf die Idee kommen, sich ein Fahrzeug mit Verbrennermotor zu kaufen.