Vertritt die deutschen Farben bei der Europameisterschaft: Salvatore Marino. Foto: Pressefoto Baumann

PSV gehört im Florettfechten zu den Top-Adressen in Baden-Württemberg. Talente wie Salvatore Marino zieht es trotzdem aufs Internat.

PSV gehört im Florettfechten zu den Top-Adressen in Baden-Württemberg. Talente wie Salvatore Marino zieht es trotzdem aufs Internat.

Stuttgart - Ruckartig schnellt der Arm nach vorne, das Handgelenk streckt sich im perfekten Einklang zum Ausfallschritt, das Florett bohrt sich in den Brustschutz des Widersachers – dessen Ausweichbewegung kommt zu spät. Das grüne Lämpchen auf der Anzeige über dem Namen Marino leuchtet auf. Salvatore Marino reißt die Arme hoch. Soeben hat der Stuttgarter die Adolf-Ermer-Plakette des TV Cannstatt gewonnen, bei einem der wichtigsten Jugend-Fecht-Turniere in Deutschland. Damit hat er sich das Ticket zur Kadetten-EM nach Jerusalem gesichert, die noch bis zum 4. März läuft.

Ein Riesenerfolg für den 16-Jährigen. „Das fühlt sich richtig gut an, und es pusht einen natürlich, wenn man vor Freunden und der Familie kämpft“, beschreibt Marino das Gefühl des Heimtriumphs. Salvatore ist eine der großen Hoffnungen des deutschen Fechtsports. Der Florett-Spezialist trainiert und lernt im Sportinternat Bonn. Seine ersten Schritte auf der Planche machte er vor sechs Jahren in Stuttgart beim PSV unter der Anleitung von Trainer Michael Kühner. Wie fast alle Kühner-Schützlinge wurde Marino in der Grundschule vom Jugendtrainer über eine Schulkooperation entdeckt.

Über diese Schiene kommen 80 Prozent der Kinder zum PSV. Sie werden direkt in der Schule von Kühner abgeholt. „Zwischen sieben und acht Jahren ist das ideale Alter, um mit dem Fechten anzufangen“, erzählt der Trainer. Allerdings ist es beim Fechten viel schwieriger, das Talent zu bestimmen. „Auch Kinder, die keine Koordinationswunder sind, können durch Training etwas erreichen“, erläutert Kühner. Bei Salvatore war schnell klar, dass er die Voraussetzungen mitbringt. In den jeweiligen Altersklassen war er immer ganz vorne mit dabei und wurde deshalb vom damaligen Jugend-Bundestrainer für das Internat in Bonn empfohlen.

Salvatore ist nicht der einzige Stuttgarter Fechter, der mittlerweile in Bonn trainiert und zur Schule geht. Auch der Cannstatter Magnus Hamlescher wechselte ins Leistungszentrum in die ehemalige Hauptstadt und bewohnt zusammen mit Marino ein Zimmer im Internat. Zwischen den beiden Stuttgartern herrscht großer Konkurrenzkampf: Im Finale um die Adolf-Ermer-Plakette standen sich die beiden gegenüber. Um die Teilnahme bei der Kadetten-EM stritten sie bis zuletzt. Hätte Hamlescher in Cannstatt gewonnen, wäre wohl er nach Jerusalem gefahren. Am Ende fiel die Entscheidung der deutschen Trainer auf den ein Jahr älteren Marino.

Michael Kühner nimmt die Abwanderungen gelassen hin: „Ich denke, der PSV Stuttgart ist im Florett in der Jugend in Baden-Württemberg ganz vorne mit dabei. Wir versuchen durch Engagement und Enthusiasmus mit den Fecht-Hochburgen mitzuhalten und haben gute Trainingsmöglichkeiten. Wenn jemand in die deutsche Spitze vorstoßen will, dann ist ein Wechsel auf ein Internat aber durchaus sinnvoll.“ Holger Sievert vom Internat in Bonn attestiert den Stuttgartern eine gute Jugendarbeit: „Salvatore hat eine solide Grundausbildung. Man sieht, dass mit ihm schon vor seiner Zeit auf dem Internat fechterisch gut gearbeitet wurde.“ Ein klares Plus des Internats ist, dass sich dort Schule und Sport besser vereinbaren lassen – ein Grundgedanke der Bonner Einrichtung. Ab der zehnten Klasse ersetzt Fechten dort den Sportunterricht, die Talente werden durch Einzelbetreuung zusätzlich gefördert, nicht nur sportlich, sondern auch in schulischer Hinsicht. Holger Sievert hebt besonders den familiären Charakter der Einrichtung hervor. Der bisher erfolgreichste Absolvent der Bonner Akademie ist Peter Joppich, der mehrfach Weltmeister war.

So weit will es Salvatore Marino auch bringen. Dass bei der trainingsintensiven Sportart neben der Technik vor allem auch der Kopf entscheidend ist, weiß er: „Wenn du im Kopf verloren hast, verlierst du auch das Gefecht.“ Die Nominierung für die Kadetten-Europameisterschaft ist ein Beweis, dass Marino seine Nerven im Griff hat. Ob er in Jerusalem um eine Medaille fechten kann, will sein Trainer Pawel Jacak, nicht prognostizieren: „Die Einzelkonkurrenz ist sehr stark. Aber mit der Mannschaft haben wir die Chance auf eine Medaille.“ Und Salvatore giert nach Triumphen: „Erfolge treiben mich an“, sagt er und bestätigt damit eine Weisheit seines ersten Lehrers Michael Kühner: „Für den Erfolg gibt es keinen Ersatz.“

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