Beim Theatersommer Ludwigsburg möchte man im Lager Platz schaffen. Was liegt da näher, als zu Fasching die Kleider, Hüte, Perücken oder auch Schuhe zu verkaufen?
Wann, wenn nicht jetzt, kurz vor Fasching? Dies dachten sich auch das Team vom Sommertheater in Ludwigsburg und die Mitglieder des Fördervereins – und organisierten für Samstag einen Fundus-Flohmarkt im Theatergarten. Allerlei Kostüme von früheren Aufführungen konnten dort erworben werden.
Der Markt war gut besucht. Schon kurz nach der Öffnung waren 15 Stücke verkauft. Der Preis günstig: von fünf bis 30 Euro waren die teils glitzernden, teils hochherrschaftlichen oder auch komplett bunten Kleidungsstücke, die ordentlich auf Regalen hingen, zu haben. Nur ein komplettes Kostüm war etwas teurer.
Meist rund zwei Dutzend Gäste suchten in dem großen Raum parallel nach etwas Passendem, das für die persönlichen Zwecke geeignet ist. Denn die Teile aus dem Fundus sind sehr speziell. „Viele wurden sogar nur für ein bestimmtes Bühnenstück angefertigt“, erklärt die Geschäftsführerin Susanne Schmidt, die betont, dass die Stücke obendrein auch einen künstlerischen Wert hätten. „Deshalb wollen wir sie auch nicht nur total verramschen. Wir gönnen ihnen ein zweites Leben.“
„Wollen die Unikate unter die Leute bringen“
Der tiefe Sinn hinter der Aktion ist der große Platzbedarf: „Raum für neue Dinge. Wir blicken inzwischen auf 35 Jahre Theatergeschichte. Da wollen wir die Unikate unter die Leute bringen, solange sie tragbar sind“, erläutert Schmidt weiter. Für drei Stunden öffnete das Theater deshalb seine Pforten und ließ begehrliche Blicke auf eine Vielfalt seiner Kostüme, Kleider, Pailettenklamotten, Hüte, Perücken, Schuhe und Stiefeletten zu. Ganz verrückte Exemplare gab es auch: Etwa ein rotes Kleid mit aufgenähten frechen Brustkörben, die sich wie ein Hütchen nach vorne wölben: inklusive kleiner Schlange und Fledermaus.
Ein Ehepaar mit Kind wurde bereits zu Beginn fündig: Papa Felix erschien mit der Neuerwerbung stolz im Theatergarten: ein Tiger-Mantel, an dem ein rund zwei Meter langer Schwanz befestigt ist. Ein Stück aus dem Dschungelbuch. „Damit muss ich erst mal lernen zu gehen“, sagte er vergnügt. Ehefrau Thea hatte sich für einen Blazer mit Tiger-Applikation entschieden. „Damit besuchen wir dann vermutlich den Faschingsumzug in Neckarweihingen und nächste Woche den Kinderfasching in Oßweil“, so der Vater, der noch erzählte: „Im letzten Jahr gingen wir zu fünft als Eichhörnchen-Familie. Die Kostüme hat alle meine Frau genäht. Dieses Jahr ist es leichter.“
Teil der Auswahl ist so mancher Hingucker
Der gebürtige Ludwigsburger Manuel ist eigentlich kein Faschingsgänger, war aber vergangenes Jahr zum ersten Mal bei einer Vorstellung des Theatersommers. Deshalb wollte er bei dem Kostüm-Markt vorbeischauen. Manuels Hoffnung zielte aber eher auf kleinere Möbelstücke ab. „Etwa ein Nierentischchen.“ Doch da suchte er vergebens. Miriam Dambach aus Steinheim zeigte sich dagegen zuversichtlich, etwas Schönes für Fasching zu finden. Eine kleine Vorauswahl wurde bereits getroffen: eine Weste mit Smiley-Applikationen sowie ein nachtblaues Cape.
Eine Besucherin aus Hannover hatte zufällig von dem Flohmarkt erfahren und ließ sich von dem besonderen Angebot inspirieren: „Ich bin durchaus interessiert, etwas mitzunehmen.“ Die Möglingerin Maren entschied sich indes für einen wahren Hingucker: eine auffällige, bunte „Neinhorn-Perücke“, die vorübergehend ihr Mann aufsetze, weil sie selbst weiter nach schönen Stücken suchte. Für etwaige Anproben gab es freilich auch eine Umkleidekabine.
Und auch ein üppiges Kuchenangebot sowie Kaffee und Punsch waren bei vorfrühlingshaften Temperaturen im Garten geboten. Vorbereitet hatten alles die Mitglieder des Fördervereins. Der erhält auch den Erlös der Veranstaltung.