Das SSB -Flex-Fahrzeug lässt sich über eine App bestellen. Foto: (z)

Seit 1. Juli unterstützt die SSB den bisherigen Nahverkehr mit dem taxi-ähnlichen Dienst „SSB-Flex“. Wir haben den Dienst getestet.

Bad Cannstatt - Aufmerksamen Beobachtern dürften sie schon aufgefallen sein: Die gelb-weißen Großraumlimousinen, die jetzt in Bad Cannstatt unterwegs sind. Sie gehören zum Projekt „SSB Flex“, das seit dem 1. Juli das Nahverkehrsangebot im Stadtbezirk unterstützt. Zwei Fahrzeuge der V-Klasse von Mercedes bedienen dabei taxi-ähnlich täglich das Cannstatter Gebiet. Daneben werden auch Degerloch und am Wochenende die Stuttgarter Innenstadt angefahren.

„Man kommt ganz flexibel von A nach B“, sagt Roland Krause, Leiter des Stabsbereiches Planung bei der SSB. Durch das neue Angebot sollen sogenannte „weiße Flächen“ – Gebiete mit mangelhafter Anbindung an den öffentlich Nahverkehr – minimiert werden. Per App kann man den gewünschten Start- und Endpunkt angeben. Man bekommt dann mitgeteilt, wann und wo genau einen das SSB-Taxi abholt. Dabei prüft ein Algorithmus, ob es noch andere Menschen in der Umgebung gibt, die eine ähnliche Route fahren möchten. Ist das der Fall, wird man gemeinsam chauffiert. Die Pilotphase des Projektes dauert bis zum Fahrplanwechsel im Dezember 2019.

Noch kein Resümee gezogen

„Wir haben noch kein wirkliches Resümee der Anfangszeit des Projektes gezogen. Wie das nun mal bei neuen Projekten ist, braucht es erst eine Anlaufzeit und einen gewissen Bekanntheitsgrad. Wir merken aber, dass es mittlerweile immer besser angenommen wird“, so Krause. Zur weiteren Bekanntmachung habe man eine große Werbeaktion initiiert und Prospekte und Flyer an Haushalte in Bad Cannstatt verteilt.

Auf der technischen und logistischen Seite läuft das Projekt reibungslos. „Wir hatten bisher eigentlich keine Startschwierigkeiten. Das liegt vor allem daran, dass es schon von unserem Partner moovel getestet wurde und es damit einen guten Vorlauf gab.“ Die Vorteile des neuen Projektes sieht Krause vor allem auf kurzen Strecken: „Es soll die Fahrgäste vor allem auf der sogenannten ‚letzten Meile’ unterstützen. Vor allem bei der Anfahrt oder der Rückfahrt von bisherigen SSB-Haltestellen.“

System im Test

Doch funktioniert das System? Wir machen den Test. Als Strecke haben wir uns den Weg von der Wilhelmstraße zur Gaildorfer Straße Im Geiger ausgesucht. In eine App, die einfach aus dem iTunes- oder GooglePlay Store aufs Smartphone geladen werden kann, gibt man den gewünschten Start- und Zielpunkt ein. In einer Übersicht wird einem dann die geplante Abfahrtszeit des Flex-Taxis sowie der Preis der Fahrt angezeigt. Für die geplante Fahrt zahlt man 4,60 Euro. Mit einem gültigen VVS-Ticket für das Gebiet sinkt der Preis um einen Euro. Wenn man als Gruppe bucht, sinkt der Preis noch weiter. Gezahlt wird im Voraus: per Kreditkarte oder Paypal (einem Bezahlsystem über das Internet).

Grundsätzlich ist man mit dem Festpreis billiger unterwegs als mit dem Taxi – man muss weder Anfahrtskosten zahlen, noch läuft ein Taxameter mit. Daneben stellt die App in die Übersicht Möglichkeiten, die Strecke mit Bus und Bahn zurückzulegen. Am Abfahrtspunkt angekommen unterrichtet einen die App darüber, wie lange das Fahrzeug noch braucht, um am Ausgangspunkt der gewünschten Fahrt anzukommen. Nebenbei kann man den Aufenthaltsort des Fahrzeugs über GPS auf einer Karte auf dem Handy live mitverfolgen.

Kein weiterer Fahrgast

Bei diesem Testlauf kam das Flex-Taxi ein paar Minuten zu spät. Darüber wird man über die Flex-App benachrichtigt. Als das Fahrzeug dann da ist, öffnet sich die Türe zum Fond automatisch und man darf einsteigen. Außer uns fährt auf dieser Strecke niemand mit. René Albrecht, der Fahrer an diesem Tag, begrüßt einen freundlich und entschuldigt sich für die leichte Verspätung. „Das neue Projekt wird noch nicht so gut angenommen, was aber in der Anfangszeit normal ist“, sagt Albrecht. Wir seien erst der zweite Fahrgast, den er in seiner heutigen Schicht, die zum Zeitpunkt unserer Testfahrt schon ein paar Stunden dauert, befördert. „Ich verstehe es nicht so ganz. Ich finde die Idee hinter dem System super und nutze es privat, vor allem am Wochenende, auch sehr gerne.“

Über die Liebenzeller Straße geht es auf die König-Karl-Straße. „Laut Betriebsanweisung sollen wir immer nach Navi fahren. Das heißt, man darf keine Abkürzungen nehmen oder Staus umfahren“, sagt Albrecht. Am Kursaal vorbei geht es nun auf der Taubenheimer Straße weiter Richtung Waiblinger Straße. Albrecht ist eigentlich Busfahrer: „Die SSB schlägt uns Busfahrern Schichten für Einsätze bei SSB Flex vor. Ich mag es, mit der V-Klasse zu fahren.“

Auf der Nürnberger Straße stehen wir kurz im Stau. So ist das, wenn man mit dem Auto in Bad Cannstatt unterwegs ist. Über die Remstalstraße, die Lorcher Straße und die Gmünder Straße kommen wir am Ziel an. Zehn Minuten hat die Fahrt gedauert. Wie wertvoll das neue System sein kann, merkt man, wenn man von der Gaildorfer Straße zurück zur U-Bahn-Haltestelle an der Nürnberger Straße laufen muss.

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