Mit „Erzeugerland“ wollen Adam Silber-Gniady und Lukas Mehl die Direktvermarktung von Qualitätsfleisch neu denken – effizient, planbar und nah am Kunden. Wie funktioniert das System?
Qualitätsfleisch aus der Region besser verfügbar machen – das ist die Vision des Ludwigsburgers Adam Silber-Gniady und seinem Geschäftspartner Lukas Mehl.
Gemeinsam haben sie sich gefragt, warum Fleisch aus direkter Vermarktung, oft in bester Qualität, so selten unkompliziert beim Endkunden ankommt. Ihre Antwort darauf ist „Erzeugerland“, eine digitale Lösung, die Landwirten die Vermarktung abnehmen und Konsumenten den Zugang erleichtern soll.
Digitale Lösung für Direktvermarktung von Fleisch entwickelt
Ein Problem in der Direktvermarktung von Fleisch seien die Shopsysteme, die nicht auf diese Art der Vermarktung ausgelegt sind. „Im klassischen Verkauf gibt es eine Halle mit Produkten und einem Lagerbestand, auf den das System zurückgreifen kann“, erklärt Silber-Gniady. Möchte ein Landwirt das Fleisch seiner Kuh verkaufen, existiert die Ware bei der Bestellung noch nicht, da das Tier noch nicht geschlachtet wurde. „Das ist wie an der Wursttheke, da werden die 200 Gramm Fleisch auch erst für den Kunden geschnitten.“ Herkömmliche Systeme könnten diese Logik nicht darstellen. Das Duo entwarf daher eine eigene Struktur, die kontinuierlich berechnet, was verfügbar ist.
Das System spart Landwirten Zeit und Aufwand
Erzeugerland stellt Landwirten und Produzenten die digitale Infrastruktur zur Verfügung. „Jeder Erzeuger bekommt eine eigene Website“, erklärt Silber-Gniady. Über diese können sie ihre Produkte vermarkten, ohne sich selbst um komplexe Shop-Systeme kümmern zu müssen. Für die Betriebe bedeutet das vor allem Zeitersparnis. „Wenn ich einmal ein Muster, beispielsweise für einen Jungbullen im System angelegt habe, brauche ich etwa 15 Minuten bis es im Onlineshop ist“, berichtet Dominik Jauch. Der Landwirt begleitet das Projekt von Beginn an mit seiner Expertise. „Es war mir ein Anliegen zu schauen, wie man Betriebe in der Vermarktung unterstützen kann.“ Schon zuvor habe er sich mit einem digitalen Weg zur Vermarktung von Qualitätsfleisch beschäftigt.
Faire Preise für regionales Fleisch
Jauch betreibt einen Biolandbetrieb in Rottweil mit rund 60 Angusrindern. Zusätzlich dazu hat er einen Maschinenbaubetrieb in Markgröningen, bei dem das Fleisch abgeholt werden kann. 15 bis 20 Rinder werden bei Jauch pro Jahr geschlachtet. Sein Ziel ist es, das Fleisch immer in der Direktvermarktung zu verkaufen. „Wenn ich es beim Schlachter abgebe, bekomme ich nur den normalen Marktpreis.“ Das sei für mittelgroße und kleine Betriebe nicht auskömmlich. Auch bei großen Plattformen bleibe die Wertschöpfung bei der Plattform, nicht beim Landwirt.
„Die Landwirte verkaufen zwischen 80 und 90 Prozent des Tieres schon vor der Schlachtung“
Adam Silber-Gniady, Gründer bei Erzeugerland
„Mit Erzeugerland habe ich einen Vermarktungsweg, der sehr professionell ist und in die heutige Zeit passt“, so Jauch. „Meine Kunden bekommen eine Mail wenn ich schlachte und können sich im Onlineshop Fleischpakete konfigurieren.“ Erzeugerland managed dann die Mengen, verschickt eine Abholerinnerung und erstellt die Packlisten. Die Plattform soll laut den Gründern wie ein digitaler Vermarktungsmitarbeiter fungieren.
Mit Click&Collect komfortabel Fleisch bestellen
Für die Kunden sei das sehr komfortabel. „Man muss nirgends anrufen, sondern kann einfach online bestellen und es zu einem festen Termin abholen“, so Jauch. „Das Prinzip von ‚Click&Collect’ funktioniert, weil die Kunden es während Corona gelernt haben“, ergänzt Silber-Gniady. Zuvor hätte man sich diese Form des Einkaufens nicht vorstellen können. „Die Landwirte verkaufen so zwischen 80 und 90 Prozent des Tieres schon vor der Schlachtung“, sagt Silber-Gniady.
Dominik Jauch sieht einen großen Vorteil in der digitalen Vermarktung. Er selbst habe spätestens beim Verpacken das gesamte Tier verkauft. „Ich kenne Betriebe, die durch den Wechsel auf das digitale System massiv neue Kunden dazugewinnen konnten.“
Erzeugerland will regionales Fleisch in die Metropolen bringen
Künftig wollen die Gründer stärker in Metropolregionen gehen. Geplant sind feste Liefertermine unter anderem in Stuttgart, Tübingen und am Bodensee. So sollen auch Städter erreicht werden, die sonst eher im Convenience-Bereich einkaufen. Die Vision: hochwertige Produkte aus der Region zugänglich machen, Landwirte digital stärken und Konsumenten wieder näher an Herkunft und Qualität ihres Fleisches heranführen.