Flatternde Besucher in Stuttgart-Ost Die Polizei als Freund und Fledermausfänger

Von Caroline Friedmann 

Putzig, so eine Zwergfledermaus – Laien sollten sie aber, wenn überhaupt, dann nur mit Handschuhen anfassen. Foto: Lichtgut/Volker Hoschek
Putzig, so eine Zwergfledermaus – Laien sollten sie aber, wenn überhaupt, dann nur mit Handschuhen anfassen. Foto: Lichtgut/Volker Hoschek

Derzeit sind in Stuttgart viele Fledermäuse unterwegs, so rund um die Klingenbachanlage. Immer wieder verirren sich die Tiere in Wohnungen – Experten haben eine Erklärung dafür.

S-Ost -

Wer sich dieser Tage in der Dämmerung draußen aufhält, dem könnte der eine oder andere geflügelte kleine Vampir begegnen. Denn zur Zeit sind viele Fledermäuse unterwegs. Manche von ihnen verirren sich bei ihrem Flug auch mal in menschliche Behausungen. Erst vor Kurzem musste die Polizei in die Kniebisstraße ausrücken, weil sich mehrere Fledermäuse in die Wohnung einer Frau verflogen hatten (wir berichteten). Als die Beamten eintrafen, flatterten noch drei der Tiere umher. Mit Hilfe einer mitgebrachten Gardine konnten die Polizisten die verirrten Zwergfledermäuse einfangen und sie im Bereich der Klingenbachanlage wieder frei lassen.

Dass es gerade jetzt so häufig zu Begegnungen zwischen Mensch und Fledermaus kommt, hat einen guten Grund. Wie Jutta Geismar vom Amt für Umweltschutz der Stadt Stuttgart erklärt, sind derzeit nämlich viele Jungtiere unterwegs, „die sich vor ihrem ersten Winter noch die nötigen Reserven anlegen“. Diese jungen Fledermäuse müssten die genaue Navigation noch lernen, so Geismar. „Daher kann es schon mal passieren, dass sich Einzeltiere durch weit geöffnete Fenster in Zimmer verirren, auch weil sich dort möglicherweise ein Ausflugsquartier gleich in der Nähe befindet.“ In diesen Ausflugsquartieren, erklärt Jutta Geismar, kämen die diesjährigen Jungtiere zusammen. Die Quartiere könnten über Jahre hinweg kurzzeitig immer wieder von den Tieren genutzt werden.

An der Klingenbachanlage besonders häufig

In Gebieten wie der Klingenbachanlage sind die Tiere zur Zeit besonders häufig zu sehen. „Die Gehölze an der Klingenbachanlage weisen eine linienhafte Struktur auf, die von Fledermäusen als Leitlinie zur Navigation zu den Nahrungslebensräumen verwendet wird“, erläutert Jutta Geismar. „Diese liegen in der räumlichen Verbindung zu den Lebensräumen und Nahrungsgebieten am Neckar und den Wäldern am Gablenberg.“

Wer in einem Gebiet mit vielen Fledermäusen lebt, muss gerade im August damit rechnen, dass sich Jungtiere in die eigene Wohnung verirren können. Meist handelt es sich bei diesen Tieren um Zwergfledermäuse. Aufgrund der vielen Irrflüge spricht der Regionalverband Stuttgart des BUND auf seiner Internetseite von einer „Fledermausinvasion“, die typisch sei für die Zeit ab Anfang August.

„Bei einem Einflug in einen Wohnraum sollten die Türen zu den angrenzenden Zimmern geschlossen werden und das Fenster weit geöffnet sein, damit das Tier von selbst wieder den Weg hinaus findet“, rät Jutta Geismar. Hört man schließlich kein Flattern mehr, sollte das Zimmer, in das sich die Fledermaus verflogen hat, noch einmal gründlich durchsucht werden. Denn die Tiere verstecken sich gerne hinter Schränken, Vorhängen, in engen Spalten oder Gefäßen.

Der BUND rät zur Vorsicht

Fliegt die Fledermaus nicht von alleine nach draußen, so rät der BUND dazu, das Tier vorsichtig einzufangen und hinaus zu bringen. Doch beim Einfangen ist Vorsicht geboten. Schließlich können Fledermäuse auch zubeißen und sie können Tollwut übertragen, weshalb man auf jeden Fall Handschuhe tragen sollte. Sobald die Fledermaus zur Ruhe gekommen ist und sich in der Wohnung niedergelassen hat, kann man ein Handtuch oder eine Decke über sie legen und sie darin nach draußen tragen. Sitzt die Fledermaus an der Wand, so empfiehlt der BUND, ein ausreichend großes Gefäß über sie zu stülpen und einen Karton zwischen Fledermaus und Wand zu schieben. So kann das Tier nicht mehr ausbüxen. Am besten setzt man die Fledermaus dann im Freien an einem Baumstamm oder einer Hauswand ab. Auf keinen Fall, betont der BUND, dürfen Fledermäuse aus dem Fenster geworfen werden. Denn dies könne bei geschwächten Tieren zum Tod führen.

Alle in Deutschland vorkommenden Fledermausarten sind übrigens nach dem Bundesnaturschutzgesetz streng geschützt und stehen auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Tierarten. Deshalb dürfen Fledermäuse auch nicht vertrieben werden, wenn sie sich etwa auf dem Dachboden, im Keller, im Rollladenkasten oder am Fensterladen niedergelassen haben.

Redaktion Stuttgart-Ost

Ansprechpartner
Jürgen Brand
s-ost@stz.zgs.de

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