George Streeter (li.) weiß aus seiner Zeit in der NFL, worauf es im Football ankommt. Foto: Stefanie Schlecht

Der ehemalige NFL-Profi George Streeter teilt am Schönbuchgymnasium in Holzgerlingen die Erfahrungen seiner Karriere in der Flag-Football-AG. Dabei geht es ihm um mehr als nur Sport.

Die Schuhe auf dem Hallenboden quietschen wie ein Scheibenwischer auf der trockenen Autoscheibe. Der Football fliegt immer wieder durch die Halle. „Wenn du ihn mir zuwirfst, dann lauf ich durch“, flüstert Maximilian seinem Teamkollegen ins Ohr. Er bekommt den eiförmigen Ball, springt schnell zur Seite und lässt zwei Gegenspieler aussteigen. Ein dritter greift nach dem blauen Band an Maximilians Hüfte, befestigt an einem Gürtel – doch zu spät. Maximilian zieht vorbei und sprintet über die letzte farbige Markierung des Hallenbodens. Ein lauter Pfiff. „Touchdown“, ruft George Streeter und reißt jubelnd die Arme nach oben.

 

Der 58-Jährige leitet die Flag-Football-AG am Schönbuch-Gymnasium in Holzgerlingen. Immer freitags weist George Streeter 15 Kinder in Regeln und Taktik der Football-Variante ein, die gerade für Kinder und Jugendliche gut geeignet ist. Während beim American Football der Ballträger durch harte körperliche Attacken gestoppt wird, reicht beim Flag-Football das Ziehen einer farbigen Flagge aus dem Gürtel des Gegenspielers. So genannte Tacklings wie im klassischen Football sind hier tabu. Statt Kraft zählt vor allem Schnelligkeit und Geschicklichkeit.

George Streeter lernt in Flag-Football-AG auch als Mensch dazu

Am Spielfeldrand klatscht Streeter begeistert. Er trägt einen grünen Hoodie, eine schwarze Jogginghose und strahlt über das ganze Gesicht. Der 58-jährige ist kein normaler Lehrer – sondern ein besonderer Schul-AG-Leiter. Der Amerikaner spielte nämlich einst in der National Football League (NFL) in Nordamerika, der weltweit besten American-Football-Liga, Dort war Streeter unter anderem für die Chicago Bears und die Indianapolis Colts aktiv. Nach seinem Umzug nach Deutschland sammelte er als Coach bei Stuttgart Surge Erfahrung. Seit kurzem lebt er mit seiner Frau in Holzgerlingen und leitet seit November vergangenen Jahres dort die Flag-Football-AG.

„Ich teile meine Erfahrung gerne mit den Kindern, ich kann ihnen im Sportlichen weiterhelfen und lerne selbst als Mensch dazu“, sagt Streeter. Das geht auch über das eigentliche Spiel hinaus. „Im Flag-Football spielt es keine Rolle wie groß oder wie alt dein Gegenüber ist“, sagt Streeter. Es komme mehr auf Geschicklichkeit an, die Flagge zu erwischen. „Wenn die Kinder das verstehen, kann ihnen das auch in vielen anderen Situationen im Leben helfen“. Denn das stärke das Selbstvertrauen. Es sei eine ideale Art und Weise, den Football auch den Jüngeren näherzubringen.

George Streeter (links) zeigt Maximilian den richtigen Griff des Footballs. Foto: Stefanie Schlecht

Paula ist das einzige Mädchen in der Flag-Football-AG

Paula trägt ein blaues kurzärmliches T-Shirt, ihre langen braunen Haare hat sie zu einem Zopf zusammengebunden. Erst im vergangenen Sommer hat sie in einem Sportcamp den Spaß am Football gefunden und ist jetzt das einzige Mädchen in der AG – kein Problem für die Zwölfjährige, im Gegenteil: „Die Herausforderung, nur gegen Jungs zu spielen, macht besonders Spaß“, sagt sie. Früher seien mehr Mädchen dabei gewesen, „aber ich habe auch unter den Jungs gute Freunde gefunden.“

Auch für Paolo ist Flag-Football genau das Richtige. Der Elfjährige lehnt sich an das geschlossene Garagentor am Seitenrand des Spielfelds und schnappt nach Luft. Er nutzt eine kurze Pause zum Durchatmen. Das ist notwendig, denn das Spiel ist schnell und intensiv, dafür deutlich weniger körperbetont als die Profi-Variante. Ein guter Einstieg für Kinder, denn das Verletzungsrisiko ist dadurch viel geringer. Das freut auch Paolo, der keine Lust hat, regelmäßig auf den Boden geschleudert zu werden. „Ich habe Angst, von anderen getackelt zu werden“, sagt er. „Deswegen ist das hier perfekt für mich.“

Arbeit mit Kindern ist für George Streeter eine Umstellung

Nach seiner aktiven Karriere arbeitete Streeter vor allem mit Erwachsenen. Das Training mit Schülern ist für ihn neu. „Kinder sagen mir sofort, wenn sie etwas nicht verstehen“, schmunzelt er. „Das ist bei Erwachsenen anders.“ Der Druck sei hier ein anderer. „Je höher die Liga ist, in der ich trainiere, desto höher ist die Erwartungshaltung. Ich genieße es sehr mit den Kindern. Das Ziel bei meinen bisherigen Stationen war immer der Sieg, hier ist es Spaß zu haben.“

Dass ihr Trainer ein ehemaliger NFL-Star ist, stellt Streeter selbst nicht in den Vordergrund. Die Kinder beeindruckt es trotzdem. „Er ist ein Superstar“, schwärmt Paolo. „Jeden Freitag mit ihm in der Halle des Schönbuch-Gymnasiums zu sein und unter ihm trainieren zu können, ist sehr toll.“

George Streeter coacht die Flag-Football-AG auf Englisch

Neben Disziplin, Schnelligkeit, Koordination und Teamgeist lernen die Schüler in der Flag-Football-AG noch etwas anderes. Streeter coacht nämlich ausschließlich auf Englisch. „Das ist guter Unterricht“, sagt Paolo. „Wenn ich etwas nicht verstehe, frage ich einfach die älteren.“ Zum Beispiel seinen Freund Samuel, der zusätzlich bei den Holzgerlingen Twister spielt und den Freitagmittag als zusätzliches Training nutzt.

Die letzten fünf Minuten laufen. Maximilian steht wieder auf dem Feld, die Hände in die Hüfte gestützt, sichtlich angestrengt von der vergangenen Stunde. „Das ist mein Highlight des Freitags“, sagt er. Und fügt grinsend hinzu: „Das einzig Blöde ist, dass die Zeit immer so schnell vorbei ist.“