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Vor Anmeldung im Fitnessstudio sollte man sich informieren - Schwarze Schafe unter Anbietern.

Stuttgart - Die Tage werden kürzer, die Ausreden länger: zu kalt, zu nass, zu dunkel, zu gefährlich für Sport im Freien. Da bleiben nur hartgesottene Outdoor-Fans am Ball. Für alle anderen gilt: ab in die Halle. Wer sich im Fitnessstudio anmelden möchte, sollte einige Regeln beachten.

Neulinge haben die Wahl: Knapp 6000 Fitnessstudios gibt es in Deutschland. "Gute Qualität und Betreuung erkennt man an Zertifizierungen wie am Tüv-Zeichen oder an der Auszeichnung Prae-Fit", sagt Frank Koopmann, Pressesprecher des Arbeitgeberverbands deutscher Fitnessanlagen (DSSV) in Hamburg.

Hat man die Auswahl zwischen mehreren ausgezeichneten Studios, solle man sich zunächst einmal die Frage nach seinen Ansprüchen stellen. Wer nur ein bisschen auf dem Ergometer strampeln möchte, dem reicht das kleine Studio an der Ecke. Freunde der Kombination Sport plus Wellness sollten sich für den glitzernden Trainingstempel entscheiden. Geplagte Büromenschen mit Rückenproblemen zieht es zum Kiesertraining oder in ein gesundheitlich orientiertes Studio mit Pilates-Kurs.

Billige Ketten mischen den Markt auf

Auch viele Sportvereine haben den Fitness-Trend erkannt und Studios eingerichtet, die mit kommerziellen Centern mithalten können. Allerdings ist dann eine Mitgliedschaft Voraussetzung - was sich lohnen kann, wenn Sohn oder Tochter ohnehin in dem betreffenden Club kicken oder Tennis spielen (Stichwort Familienrabatt).

In den letzten Jahren haben zudem billige Ketten den Markt aufgemischt. Bei den Discountern des Fitnesssports zahlt man einen relativ geringen Monatsbeitrag von etwa 15 Euro, muss aber dafür jede zusätzliche Leistung - wie zum Beispiel Duschen - extra bezahlen. Das andere Extrem sind Premiumanbieter mit Saunalandschaften und zahlreichen Wellnessangeboten. "Hier werden leicht 100 Euro im Monat fällig. Im Durchschnitt muss man mit etwa 50 Euro Monatsbeitrag rechnen", sagt Frank Koopmann.

Bevor man einen Vertrag unterschreibe, solle man ein Probetraining absolvieren, rät der DSSV-Pressesprecher. Wichtig dabei: die richtige Beratung. "Vorschädigungen beziehungsweise Krankheiten wie chronische Rückenbeschwerden oder Bluthochdruck sollten berücksichtigt werden", sagt Theodor Stemper, Sportwissenschaftler an der Universität Wuppertal und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Prae-Fit. Erst dann dürfe der Fitnesszustand getestet werden. Die kostenlose Einweisung soll zudem klären, ob man sich im Studio wohlfühlt. Außerdem kann man bei der Gelegenheit die Einrichtung begutachten. Sind genügend Kraft- und Cardiogeräte vorhanden? Wie sehen die Umkleiden aus? Sind Duschen, Toiletten, Saunabereich sauber?

Viele Krankenkassen unterstützen Maßnahmen

Am besten absolviert man ein solches Probetraining genau zu der Tageszeit, zu der man in Zukunft vorhat, ins Studio zu gehen. Wer Kurse besuchen möchte, sollte auf den Terminplan schauen. Findet der gewünschte Kurs in der geplanten Besuchszeit statt? Gibt es genug Stunden für Einsteiger? Werden sie von zertifizierten Trainern unterrichtet? Zu den anerkannten Instituten, die solche Trainer-Ausbildungen anbieten, gehören der Deutsche Fitness und Aerobic Verband (DFAV), die Internationale Fitness und Aerobic Akademie (IFAA), die Bildungsakademie Safs & Beta oder der DSSV. "Nur wenn Übungsabläufe sauber ausgeführt werden, vermeiden Sie Verletzungen und trainieren effektiv", sagt Stemper.

Ein Coach mit Diplom kann sich für die Trainierenden zudem auszahlen. Nach dem Motto "Vorsorgen ist besser als heilen" unterstützen viele Krankenkassen bestimmte Maßnahmen. Gefördert werden Präventionskurse aus den Bereichen Bewegung (Rückenschule, Pilates oder Nordic Walking) und Entspannung (Yoga, Tai-Chi, Qigong). So unterstützt zum Beispiel die Barmer Ersatzkasse einen Gesundheitskurs im Jahr pro Versicherten mit 100 Euro. Ein interessantes Argument für Eltern sind angeschlossene Kinderbetreuungseinrichtungen. Während Mama oder Papa im Training schwitzen, werden die Kleinen betreut.

Fitnessstudio: Zehnerkarten statt Vertragsbindung

Bei vielen Anbietern gibt es auch Zehnerkarten ohne Vertragsbindung. So kann man zum Beispiel das Kursangebot richtig testen, bevor man sich langfristig bindet. Hat man dann Gefallen gefunden, sollte der Vertrag nicht eben schnell an der Theke unterschrieben, sondern in Ruhe zu Hause geprüft werden. In der Branche ist es üblich, die Kunden für ein Jahr zu binden. "Ein längerfristiges Training ist wichtig, denn man investiert ja in die eigene Gesundheit", argumentiert Koopmann. Bei Vertragsabschluss wird übrigens oft eine einmalige Bearbeitungs- oder Aufnahmegebühr fällig. In diesen Kosten (um die 100 Euro) sind ein Gesundheitscheck und ein Trainingsplan enthalten. Der sollte regelmäßig angepasst werden. Manchmal werden im Herbst allerdings Aktionen wie zum Beispiel ein Tag der offenen Tür angeboten, bei denen genau diese Gebühr entfällt und der Eintritt ins Studio attraktiver gemacht werden soll.

Manche schwarze Schafe schießen noch weiter über das Ziel hinaus: "Viele Verträge enthalten immer noch Klauseln, die stark von den gesetzlichen Vorgaben abweichen", sagt Dunja Richter von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Beliebte Streitpunkte sind Verträge, die sich automatisch um mehr als zwölf Monate verlängern und aus denen man trotz Umzugs nicht so einfach wieder herauskommt, sowie das Thema eigene Getränke im Studio oder gestaffelte Preisanpassungen. In diesem Jahr haben die Stuttgarter Verbraucherschützer 25 Abmahnungen verschickt, in denen allgemeine Geschäftsbedingungen beanstandet wurden.

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