Manuel, Ute und Wolfgang Haller (von links) bilden das Familienteam. Foto: Horst Rudel

Der Nürtinger Familienbetrieb Zigarren Wurster feiert 100-Jähriges. Ein Laden im Wandel der Zeit.

Nürtingen - In den vergangenen zehn Jahren haben landauf, landab immer mehr Tabakfachgeschäfte geschlossen. Häufig finden sich für inhabergeführte Betriebe keine Nachfolger. Es gibt lukrativere Arten, sein Geld zu verdienen. Dieser Entwicklung trotzt die Firma Zigarren Wurster, die jetzt ein seltenes Jubiläum feiert: Seit 100 Jahren schon besteht das Einzelhandelsgeschäft in Nürtingen.

Wirtschaftskrise und Weltkrieg überstanden

Mit Manuel Haller ist nun schon die vierte Generation für die Kunden da. Vor 13 Jahren ist er eingestiegen und betreibt den Laden seither gemeinsam mit seiner Mutter Ute und seinem Vater Wolfgang Haller. Die Eltern wiederum hatten das Geschäft von Elfriede und Helmut Berg übernommen. Elfriede Berg war die Tochter von Wilhelm und Else Wurster, die den Betrieb 1919 als Großhandel für Zigarren gegründet hatten. Durch diesen Großhandel beschäftigte die Familie Wurster mehrere Vertreter im süddeutschen Raum.

Der Betrieb hat schwierige Zeiten überstanden. Trotz der Wirtschaftskrise in den 1920er-Jahren und dem Zweiten Weltkrieg wurde das Unternehmen ausgebaut. Der Firmengründer Wilhelm Wurster starb früh. Die Tochter Elfriede Berg eröffnete 1953 das Einzelhandelsfachgeschäft in der Innenstadt und übernahm auch den Großhandel von der Mutter. Der Betrieb expandierte, Ute und Wolfgang Haller eröffneten eine Filiale in der Vorstadt. Diese wurde allerdings bald wieder aufgelöst, und Ute und Wolfgang Haller konzentrierten sich auf das Geschäft in der Nürtinger Innenstadt.

Die Kunden setzen heute stärker auf Genuss

Längst gibt es nicht mehr nur Zigarren und andere Tabakwaren bei Wurster. Mit dem Einstieg von Manuel Haller wurde das Sortiment um hochwertige Spirituosen wie Whisky, Rum und Gin erweitert. Anfangs habe das Einzelhandelsgeschäft „nur“ 30 verschiedene Whiskys im Angebot gehabt. Inzwischen können die Kunden aus rund 150 unterschiedlichen Whiskys auswählen.

Die Hallers beobachten, dass sich in den vergangenen Jahren die Kundenwünsche gewandelt haben. „Viele gehen auf die Genussschiene“, erklärt Manuel Haller. Während früher eher wahllos irgendein Gin gekauft worden sei, der dann mit Tonic Water aufgefüllt wurde, bevorzugen die Kunden heute Qualität. 40 bis 60 Euro pro Flasche werden schon ausgegeben, sagt der 34-jährige Unternehmer über den Trend. Vor sechs Jahren ist das Angebot von Zigarren Wurster um Lotto erweitert worden, danach kamen noch Handy- und Cashkarten hinzu sowie der Verkauf von Tickets für die Landesmesse.

Den Online-Handel hat das Geschäft wieder eingestellt

Einen neuen Weg eingeschlagen hat das Traditionsunternehmen vor rund zehn Jahren mit dem Online-Handel. Fünf Jahre lang hat das Geschäft seine Waren auch über das Internet verkauft. Doch letztlich sei der Aufwand zu groß gewesen, sodass man sich von der Online-Plattform wieder verabschiedet hat.

Zum Hundertjährigen hat Zigarren Wurster in einen neuen Humidorraum investiert, den der namhafte Stuttgarter Humidor-Hersteller Marc André gefertigt hat. Darin bleiben die Zigarren für die Kundschaft frisch, die teilweise auch aus Esslingen bis nach Nürtingen kommen.

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