Firmen-Pleite Das letzte Einhorn-Hemd

Von Anne Guhlich 

 Foto: Hersteller
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Der Hemdenanbieter Einhorn ist pleite. Bald muss der letzte von 65 Mitarbeiter gehen.

Stuttgart - Der Hemdenanbieter Einhorn aus Kirchentellinsfurt (Kreis Tübingen) ist pleite. Im Frühjahr 2011 muss der letzte von 65 Mitarbeiter gehen. Das Unternehmen habe mit Aurelius auf den falschen Investor gesetzt und die eigene Marke nicht gepflegt, sagen Experten. Andere Hersteller rechnen mit Rekordumsätzen.

Aurelius klingt erst mal gut. Es gibt einen Sonnengott, Ausel, heißt er. Experten vermuten, dass von ihm Aurelius abgeleitet wurde. Wer in der Herrenhemdenindustrie den Namen Aurelius fallen lässt, stößt nicht auf sonnige Gemüter. Die Aurelius AG ist in der Branche als Heuschrecke verschrieen. Die Geschäftsführer seien nicht an den Produkten interessiert ist, sondern am schnellen Geschäft. Die Münchner Beteilitungsgesellschaft hat 2007 das Traditionsunternehmen Einhorn vom damaligen Inhaber Zeeb & Hornung GmbH übernommen. Gegründet wurde Einhorn 1924. Möglicherweise hat ihm dieser Schritt das Genick gebrochen. Das Unternehmen schwächelt schon seit Jahren, jetzt wird es abgewickelt.

Das Beispiel zeige, welche Strategien in der Herrenhemdenindustrie funktionieren, sagen Experten. Hemdenhersteller Olymp aus Bietigheim-Bissingen etwa meldet gleichzeitig zum Aus bei Einhorn, dass es aufwärts geht mit dem Geschäft. Olymp hat seinen Umsatz innerhalb von zehn Jahren verdreifacht. Im Jahr 2012 peilt das Unternehmen einen Umsatz von 125 Millionen Euro an. Das momentane Geschäft verdanke der Hemdenhersteller vor allem dem Exportgeschäft. In Russland und China steige die Nachfrage nach deutschen Hemden - vorausgesetzt, man kennt sie.

Die Marke Einhorn dagegen ist in den letzten Jahren immer tiefer in der Versenkung verschwunden. Einhorn hat sich zu sehr darauf verlassen, Gewinne mit wenigen großen Lizenzgebern zu machen. Das sorgte für eine hohe Abhängigkeit.

Die Marke ist noch viel wert

Der wichtigste Lizenzgeber zur Fertigung und zum Vertrieb von Herrenhemden war die Marke Thommy Hilfiger. Über 60 Prozent des Umsatzes soll die Lizenz ausgemacht haben. Der betrug 2009 rund 26 Millionen Euro. Eine Million Hemden und Blusen wurden verkauft. Doch im Frühjahr dieses Jahres ist Hilfiger abgesprungen. "Bei der Begründung gibt es zwei Versionen", sagt Dieter Keiper, Zweiter Bevollmächtigter der IG-Metall Reutlingen-Tübingen. "Die eine ist, dass die Lizenzgebühren nicht rechtzeitig gezahlt wurden, die andere, dass die Marke der Lizenzgeber das Geschäft wieder selbst machen möchte, sobald es gut läuft." Vor Hilfiger war 2009 bereits 0039 Italy abgesprungen. Hilfiger wollte sich zum Thema nicht äußern.

Kleiper ärgert sich schon lange über den Finanzinvestor Aurelius. "Mit der Übernahme durch den Investor ist das Unternehmen zuerst einmal aus der Tarifbindung ausgestiegen", sagt er. Den Mitarbeitern sei eingeredet worden, dass eine Gewinnbeteiltung besser sei als die Tarifbindung.

Die von 83 zuletzt noch 65 verbliebenen Mitarbeiter haben in den vergangenen Tagen ihre Kündigung erhalten. "Die meisten wurden sofort freigestellt", sagt Kleiper. Ungefähr 15 Beschäftigte sollen noch bis Februar bleiben. Sie kümmern sich noch um die Auslieferung der Kollektion Frühjahr/ Sommer 2011.

Danach, so hoffen Mitarbeiter, wird ein neuer Markeninhaber das Label weiterführen. Eine Übernahme wird es jedoch nicht geben. Der vorläufige Insolvenzverwalter Jürgen Sulz sagt, dass das Unternehmen mit dem vorhandenen Konzept nicht als Ganzes zu verkaufen sei. Der Name sei einen sechsstellig Betrag wert, sagen Experten. "Noch." Offenbar gibt es drei Interessenten, einer aus der Türkei, der mit Hilfe von Einhorn in Deutschland Fuß fassen will. Alle drei Interessenten sollen vorhaben, die Marke mit dem vorhandenen Kundenstamm weiter zu führen und zehn bis 15 Mitarbeiter zu übernehmen. Kleiper ist skeptisch: "Da es keine Übernahme ist, werden sich die ehemaligen Einhorn-Mitarbeiter genau so bewerben müssen wie jeder andere Mensch auch", sagt er.

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