Die Spezialventilatoren der Aichwalder Firma Klein sind weltweit gefragt, wenn es knifflig wird. Sei es bei der Verhüllung des Reichstags, auf 4300 Metern Höhe in Tibet oder in einer Ziegelei in Tschechien.
Aichwald - Sie belüften, saugen, kühlen – die Ventilatoren des Aichwalder Unternehmens Karl Klein Ventilatorenbau. Die Radialventilatoren werden in Baumaschinen, Trocknungs-, Filter- und Räucheranlagen, Bäckereimaschinen, Labortechnik und Schiffsbau eingesetzt, tun also in ganz unterschiedlichen Bereichen Dienst. Der Geschäftsführer Manfred Griesinger erinnert beispielsweise auf den einst von Christo verhüllten Reichstag in Berlin: „Er wurde mit unseren Ventilatoren in Form gehalten“, erzählt der Diplom-Ingenieur. Dann deutet er auf ein Bild der höchst gelegenen Abfüllanlage für Wasser in der Welt. Sie steht auf 4300 Meter Höhe in der Nähe der tibetischen Hauptstadt Lhasa und ist – wie auch das Segelschiff Gorch Fock der Bundeswehr – mit Klein-Ventilatoren ausgerüstet.
Das Chinageschäft wächst seit einigen Jahren
Das Familienunternehmen sei besonders dann gefragt, wenn es sich um etwas Kniffliges handle, erklärt Griesinger. Es produziere keine Massenware, da könnte es beim Preis der asiatischen Konkurrenz nicht mithalten. Vielmehr werden die schneckenhausförmigen Radialventilatoren, die die Luft vorne ansaugen und seitlich abgeben, in der Regel speziell nach Kundenwünschen entwickelt – etwa, wenn es darum geht, dem Saharasand in Zügen standzuhalten, den eisigen Temperaturen in Sibirien oder dem Mehlstaub in Großbacköfen. 18 Beschäftigte hat das Unternehmen dafür im Bereich Forschung und Entwicklung.
Besonders das Chinageschäft wächst seit zwei, drei Jahren. Im Werk im thüringischen Petersberg macht der Exportanteil dorthin bereits 70 Prozent aus. Insgesamt beträgt der weltweite Exportanteil bei Klein rund 25 Prozent. Und er werde immer höher. Der Umsatz lag 2020 bei 17 Millionen Euro, dieses Jahr soll er auf 19 Millionen Euro klettern.
Die Auftragsbücher sind prall gefüllt. „Noch nie in der Firmengeschichte hatten wir einen Auftragsbestand von rund zwölf Wochen“, sagt Manfred Griesinger. Normal seien sechs bis acht Wochen, doch derzeit seien elektronische Bauteile und Elektromotoren schwierig zu beschaffen. Eine Folge der Pandemie, die vielen Branchen zu schaffen macht. Klein versucht, das Problem mit viel Vorlauf in den Griff zu bekommen. Standardventilatoren hat die Firma auf Lager, doch bei Spezialwünschen sei dies nicht möglich.
Das Angebot wird erweitert
„Der Kunde ist alles.“ Diese Maxime seines Vaters, der mit Landmaschinen handelte, hat sich Griesinger zum Leitmotto gemacht. Als er 2010 zu Klein kam, sei gerade die Finanzkrise vorüber und die Kurzarbeit im Unternehmen ausgelaufen gewesen. Er hörte immer wieder, die Kunden hätten gerne große Produkte. Die Aichwalder hätten nicht die entsprechenden Kapazitäten gehabt und Kunden wegschicken müssen. Klein habe bis dahin nur Gehäuse und wenige Motoren gebaut. Doch Ventilatoren bestehen aus drei Hauptkomponenten: Motor, Gehäuse und Laufrad. „Die meisten der rund 100 Konkurrenten weltweit fokussieren sich auf zwei Komponenten und kaufen die dritte dazu“, erklärt Griesinger. Er sorgte deshalb dafür, dass die Laufräder dazu kamen.
Der Klein-Chef verhandelte mit dem Crailsheimer Ventilatorenradbauer Kamptmann – und ihm gelang der Kauf. Er ist dort ebenfalls Geschäftsführer. Bald ergänzten weitere Firmen das Familienunternehmen. Früher habe Klein „mülleimer-große Ventilatoren mit einer elektrischen Leistung von bis zu 21 Kilowatt“ produziert, sagt Griesinger. Heute gehe die Leistung bis zu 600 Kilowatt. Die größten stehen in einer Ziegelei in Tschechien. Der letzte Zukauf war vor sieben Jahren. „Wir kaufen nur, was sinnvoll ist“, sagt Griesinger. Er wolle die Firma nicht in Gefahr bringen, weder durch den Zukauf eines Unternehmens, in dem das Betriebsklima nicht stimme, noch durch einen in einem Land, dessen Gepflogenheiten er nicht kenne. Beispielsweise in China würde er sich sehr schwertun, allein wegen der Sprache. Dagegen hat der 54-Jährige eine Affinität zu den USA, Brasilien und Spanien. Der Maschinen- und Fahrzeugtechnikingenieur hat in allen drei Ländern gearbeitet, bevor er als Geschäftsführer zu Klein wechselte. „Ich wollte damals eine Stelle haben, in der ich etwas aufbaue und nicht mit Insolvenzen zu tun habe“, sagt er.
Das ist ihm bei Klein bislang gelungen. Zum 60. Firmengeburtstag 2010 hatte das Familienunternehmen 64 Mitarbeiter, heute sind es 124. Davon arbeiten 92 in Aichwald, die übrigen in Thüringen. Jetzt schon suchen sie zwei Auszubildende für das Jahr 2022. In der Regel würden die Auszubildenden auch übernommen, obwohl die Fluktuation im Unternehmen gering sei, sagt Griesinger.
Von der Metalldrückerei zum Ventilator-Spezialisten
Gründung 1950 gründete Karl Klein in Esslingen eine Metalldrückerei. Dabei konzentrierten sich er und seine Frau Anneliese auf Lohnveredelung. Sie packte die Ware auf einen Leiterwagen und fuhr mit dem Zug nach Geislingen, um sie unter anderem zur WMF zu bringen. 1955 fingen sie damit an, Industrieleuchten und Handlampen zu produzieren.
Umzug 1960 zog Klein nach Aichwald. 1965 stieg die Firma in die Produktion von Radialventilatoren ein. Als 1986 das neue Produktionsgebäude mit Schweißerei und Schlosserei gebaut wurde, hatte der Familienbetrieb 50 Mitarbeiter. Und er wuchs weiter.
Geschäftsführung 1998 übernahm Bernd Scheffel die Geschäftsführung, seit 2010 ist Manfred Griesinger Chef. Haupteigentümer des Familienunternehmens sind eine Tochter und ein Enkel des Gründerehepaars.
Zukäufe Unter der Ägide von Griesinger wurde kräftig investiert und zugekauft: 2011 der Zulieferer von Ventilatorrädern, die Kamptmann GmbH in Crailsheim, 2012 die Produktlinie Radialventilatoren von Piller GmbH in Moringen/Niedersachsen und 2014 die Bluevent Thüringen GmbH in Eisenberg. Dort erweiterte Klein 2016 die Produktionsfläche. 2018 strukturierte die Firma den Produktionsstandort von Kamptmann um und baute ein Verwaltungs- und Produktionsgebäudes. Parallel dazu wurden der Erweiterungsbau für die Endmontage, den Versand und die Lagerfläche in Aichwald errichtet.