Foto: Pressefoto Baumann

Früherer Box-Weltmeister über seinen Fahrrad-Unfall und den nächsten Kampf in Stuttgart.

Stuttgart - Firat Arslan (39) hat eine schwere Zeit hinter sich, nach einem Fahrrad-Unfall war sogar seine Karriere in Gefahr. Nun kehrt der Boxer aus Süßen am 3. Juli in der Stuttgarter Porsche-Arena in den Ring zurück. Vor dem Kampf gegen den Franzosen Steve Herelius sagt er: "Ich will wieder Weltmeister werden."

Herr Arslan, sind Sie eigentlich ein Macho?

Ja, schon. Aber ich habe auch meine weichen Seiten, bin sehr tolerant. Ich bin also kein Vollblut-Macho. Warum fragen Sie?

Weil Sie in Stuttgart nur zweiter Hauptkämpfer sind - hinter Ina Menzer, einer Frau. Das kann Ihnen nicht gefallen.

Ach, wissen Sie, wir sind beide Kämpfer, und wir verdienen beide Respekt. Das Frauenboxen hat sich unheimlich entwickelt, die Frauen tun viel für das gute Image unseres Sports. Und was den Kampf in Stuttgart angeht, bin ich trotzdem froh.

Über was?

Ich habe vor 21 Monaten letztmals geboxt - und klar verloren. Deshalb freue ich mich, dass das ZDF mein Comeback überhaupt live überträgt. Ich muss mich doch erst wieder nach oben kämpfen.

Dafür hätte es sicher einfachere Gegner gegeben als Steve Herelius.

Das glaube ich auch.

Warum boxen Sie dann gegen ihn?

Für Aufbaukämpfe habe ich keine Zeit. Ich will gegen die Besten antreten.

"Es war ungewiss, ob ich je wieder boxen kann"

Herelius gehört dazu?

Auf jeden Fall. Er ist technisch stark, schnell auf den Beinen, sehr fit - ein Vollprofi eben, der seinen Sport ernst nimmt. Ich glaube an meinen Sieg, aber es wird ein harter Kampf. Da bin ich mir sicher.

Sie haben gerade erst einen harten Kampf gewonnen, allerdings nicht im Ring.

Stimmt. Lange war ungewiss, ob ich überhaupt jemals wieder boxen kann.

Sie hatten einen Fahrrad-Unfall.

Ja, im Juni 2009. Ich war mit meinem Konditionstrainer auf einer 120-Kilometer-Tour rund um den Chiemsee. Wir wollten einen Traktor mit Heuwender überholen, als der Landwirt plötzlich nach links abbog. Ich habe eine Vollbremsung hingelegt und mich dabei überschlagen, bin mit Kopf und linker Schulter voll auf den Asphalt geknallt.

Was war Ihr erster Gedanke?

Dass mein Kampf gegen Marco Huck, auf den ich mich vorbereitet habe, geplatzt ist. Doch als der Sanitäter sagte, er wisse nicht, wie stark meine Wirbelsäule verletzt ist und den Hubschrauber rief, wurde mir erst klar, wie böse die Sache ausgehen kann. Ich hatte Angst vor dem Rollstuhl und dachte: Alles ist egal, Hauptsache ich kann wieder gehen.

Wie lautete die Diagnose?

Mein Halsmuskel war gerissen, einige Knochen waren verschoben. Zum Glück bin ich ein harter Junge - mein Muskelkorsett hat mich vor Schlimmerem bewahrt. Was die Wirbelsäule angeht, gab es die Entwarnung noch am selben Tag. Und trotzdem wusste ich über ein halbes Jahr lang nicht, wie es sportlich weitergehen wird.

"Ich habe immer noch Schmerzen"

War dies die härteste Zeit Ihres Lebens?

Ja, was die Verletzung angeht. Doch ich musste in meinem Leben schon andere Dinge wegstecken. Zum Beispiel die Ungerechtigkeit, für tolle Kämpfe keine Anerkennung zu bekommen.

Wie fit sind Sie jetzt?

Ich bin immer noch in Behandlung, habe immer noch Schmerzen. Aber ich denke, dass ich so stark bin wie vor einem Unfall, sonst würde ich nicht mehr boxen.

Fahren Sie noch Fahrrad?

Nur auf dem Ergometer. Und wenn ich mit dem Auto unterwegs bin, achte ich ganz besonders auf die Radfahrer. Denn ich weiß, wie gefährlich sie im Straßenverkehr leben.

Was treibt Sie an?

Ich will noch einmal Weltmeister werden.

Wie realistisch ist dieses Ziel?

Realistisch, denn ich glaube, dass ich immer noch jeden Gegner schlagen kann.

Kampf im Juli in Stuttgart beflügelt

Auch Guillermo Jones, der Ihnen im September 2008 nicht nur den WM-Gürtel abgenommen, sondern Sie dabei auch verprügelt hat?

Die Schläge, die ich damals kassiert habe, hätten gereicht, um zehn Boxer k. o. gehen zu lassen. Ich aber war nicht am Boden. Dennoch würde ich aufhören, wenn ich nicht wüsste, dass ich Jones bezwingen kann. Denn die Fehler von damals werde ich nicht noch mal machen. Ich glaube an mich. Deshalb habe ich meinem Manager unmittelbar nach dem Kampf auch angeboten, auf eine Börse zu verzichten, sollte ich gegen Jones in einem zeitnahen Rematch verlieren.

Es kam nicht zustande.

Jones hat seither nicht mehr geboxt. Keine Ahnung, was mit ihm los ist. Aber das ist auch zweitrangig.

Zweitrangig? Ich dachte, Sie wollen Weltmeister werden.

Ja, aber dafür muss ich erst Herelius schlagen. Für mich zählt jetzt nur dieser Kampf.

Wo bereiten Sie sich vor?

Erst am Chiemsee, dann im Ötztal. Wir werden einige neue Reize setzen. Ich fühle, dass ich meinen Zenit noch nicht erreicht habe.

Wie wichtig ist es für Sie, am 3. Juli in Stuttgart zu boxen?

Es beflügelt natürlich, wenn die Halle hinter einem steht. Mein letzter Kampf liegt 21 Monate zurück, ich habe also sportlich keine gute Ausgangslage. Doch ich will zeigen, dass alles geht, wenn man nur will. Ich möchte erneut der Beweis dafür sein, dass man sich im Leben alles erkämpfen kann.

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