Ganz wichtig ist, offen über die Finanzen zu reden. Foto: imago/Panthermedia/Andrey Popov

Bei Geld hört die Freundschaft auf, heißt es. Gilt das auch für die Liebe? Wir haben Tipps, wie man in einer Beziehung die Finanzen so regelt, dass es nicht ständig zum Streit kommt.

Stuttgart - Bis dass der schnöde Mammon euch scheidet? So weit kommt es zwar häufig nicht. Doch laut einer Umfrage des Marktforschungsinstituts GfK aus dem Jahr 2016 hat sich jedes zweite Paar schon mal wegen Geld gestritten. Jedes dritte Paar kriegt sich deswegen sogar regelmäßig in die Haare. Nicht nur, wenn wenig davon vorhanden ist. Konfliktpotenzial ist in allen Schichten gegeben. Damit das Thema nicht zum Beziehungskiller wird, kann man aber einiges tun. Einer der wichtigsten Ratschläge: frühzeitig offen über die Finanzen sprechen.

 

Streitursache

„Geld ist ein wichtiges Thema – und es ist auch emotional besetzt“, sagt Annika Peters, die Geschäftsführerin der Frauenfinanzberatung Barbara Rojahn & Kolleginnen in Stuttgart. Jeder habe eine eigene Haltung und Meinung dazu, erklärt die Finanzplanerin. Beim einen hat Geld einen hohen Stellenwert, der andere zuckt nur nonchalant mit den Schultern, wenn es um Finanzielles geht. Der eine dreht jeden Cent um, während beim anderen das Geld locker sitzt. „Das führt dann zu Konflikten.“ Somit ist die eigentliche Streitursache häufig die unterschiedliche Einstellung, die unter anderem durch das Elternhaus geprägt sein kann. „Je früher man in einer Partnerschaft über Geld redet, umso besser“, resümiert Peters.

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Kommunikation

Ja, es klingt unromantisch: Geld darf in Beziehungen dennoch kein Tabuthema sein. Stattdessen sollten Gehalt, Kontostand, Vermögensanlagen oder Schulden offengelegt werden. Lebt ein Paar zusammen, sollte laut Experten zudem schon am Anfang geklärt werden, wie man das gemeinsam aufgebaute Vermögen im Fall einer Trennung aufteilt. Steht eine Hochzeit an, sollte sogar über einen Ehevertrag nachgedacht werden.

„So manche Frau weiß aber nicht mal, was ihr Partner verdient“, sagt Annika Peters. Das schaffe Unsicherheit. Nach ihren Erfahrungen messen Frauen den Finanzen häufig eine zu geringe Bedeutung zu: „Dabei macht Geld einen Teil unseres Alltags aus.“

Die laxe Haltung könne dazu führen, dass Frauen sich nicht absichern und nach einer Trennung finanziell schlecht dastehen. „Sie sind von Altersarmut häufiger bedroht als Männer“, warnt die Finanzplanerin. Das liegt auch daran, dass in Familien die Kinderbetreuung noch heute oft Frauensache ist, weshalb sie zumindest einige Jahre in Teilzeit arbeiten oder gar nicht erwerbstätig sind.

Unabhängigkeit

Gerade wenn ein Partner kein eigenes Einkommen hat, muss das besprochen werden. Denn auch wenn man sich um Kinder und Haushalt kümmert, steht einem Geld zu. Finanzielle Abhängigkeit schafft ein Ungleichgewicht, das eine Beziehung belasten kann. „Niemand sollte um Geld betteln müssen, sondern trotz Familienauszeit eine finanzielle Eigenständigkeit bewahren“, sagt Annika Peters. Daher solle man gemeinsam eine Art Taschengeld festlegen. Fünf bis sieben Prozent des Haushalts-Nettoeinkommens sind laut Juristen angemessen.

Gleichzeitig sollte man sich auch über die Altersvorsorge Gedanken machen. „Etwa drei Jahre, in denen nicht oder weniger gearbeitet wird, sind verkraftbar“, erklärt die Finanzplanerin. Geht es darüber hinaus, müsse ein Ausgleich geschaffen werden. „Den muss jedes Paar individuell festlegen.“.

Kontoführung

Egal, ob beide verdienen oder nur einer: „Das sogenannte Drei-Konten-Modell ist empfehlenswert“, so Peters. Jeder hat sein eigenes Konto. Vom Geld auf dem dritten Konto werden alle gemeinsamen Ausgaben beglichen – etwa die Miete, Lebensmittel und größere Anschaffungen wie Möbel. „Wer hier was einzahlt, sollte am Einkommen orientiert sein“, rät die Expertin. Sprich: Wer mehr verdient, zahlt anteilig mehr ein.

Gleichberechtigung

Vermeintlich verzichtbare Geldausgaben haben laut einer Forsa-Umfrage 36 Prozent aller Paare schon mal auf die Palme gebracht. Um Streit zu vermeiden, ist es daher wichtig, Bedürfnisse und Wünsche zu formulieren: Der eine will vielleicht ein teures Bett kaufen, dem anderen tut es ein günstiges Modell. Der eine möchte auf den Malediven urlauben, der andere findet so etwas überflüssig und will lieber in den Schwarzwald: „Über solche Dinge muss man sprechen, sonst fühlt sich derjenige, der weniger ausgeben möchte, benachteiligt“, sagt Peters. Damit es keine Missgunst gibt, kann man auch zum Schluss kommen, dass derjenige, dem eine teure Anschaffung oder eine Fernreise wichtig ist, dafür auch mehr bezahlt. So bleibt die Gleichberechtigung gewahrt, keiner fühlt sich übervorteilt.

Kassensturz

Doch wie viel kann man eigentlich überhaupt ausgeben? Um den Überblick zu bewahren, ist es wichtig, regelmäßig Bilanz zu ziehen, also Kassensturz zu machen. „Ich rate zudem zu sogenannten Money-Dates“, sagt Annika Peters. Man setzt sich dabei alle paar Monate zusammen, bespricht, was war und was ansteht – und passt gegebenenfalls auch an, wer wie viel an den gemeinsamen Kosten trägt.

Haushaltsbuch

„Viele Menschen haben gar keine Ahnung, wie viel Geld sie eigentlich auf dem Konto haben“, kritisiert Annika Peters. Sie rät daher dazu, ein Haushaltsbuch zu führen. So könne man zum einen dokumentieren, welche Summe von wem für was ausgegeben wurde. Zum anderen verliere man so nicht den Überblick. „Das kann man ganz klassisch von Hand oder mit einer App machen.“

Auch wenn es mitunter im Alltag untergeht, letztlich gilt: Wenn man einen Partner gefunden hat, mit dem man sich wohlfühlt, ist das ein Glück, das mit keinem Geld der Welt aufzuwiegen ist.

Info

Tabu Über Geld spricht man nicht, man hat es – so lautet ein Sprichwort. Vor allem in Deutschland ist Finanzielles ein Tabuthema, unter Kollegen, Freunden und selbst unter Partnern.

Wandel Laut einer Umfrage der Consorsbank ist die jüngere Generation aufgeschlossener. Je mehr man verdient, desto lieber spricht man sogar übers Einkommen. (Für Beziehungen ist das gut. Denn ein ungleiches Maß von Geben und Nehmen – in allen Belangen – ist der dritthäufigste Trennungsgrund in Deutschland.)