Das Ende der Greensill Bank war absehbar. Foto: AFP/Patrik Stollarz

Weil sie keine Strafzinsen zahlen wollten, haben viele Kommunen ihr Geld bei der Greensill Bank angelegt. Ein großer Fehler, wie unser Frankfurt-Korrespondent Klaus Dieter Oehler meint.

Frankfurt - Zigtausende deutsche Sparer können aufatmen: Sie werden noch einmal mit einem blauen Auge davonkommen. Am Montagabend hat die Bundesanstalt für Finanzaufsicht Bafin den Antrag auf Insolvenz für die Bremer Greensill Bank gestellt – endlich, möchte man sagen, denn das Ende des Finanzhauses war unvermeidlich. Für die Kleinanleger aber ist wichtig, dass nun der sogenannte Entschädigungsfall eintritt. Der Sicherungsfonds der privaten deutschen Banken wird einspringen müssen, wenn es bei der Bank nichts mehr zu holen gibt und die gut drei Milliarden Euro an Einlagen von Kleinanlegern im Feuer stehen.

 

500 Millionen Euro anvertraut

Das war es dann aber schon mit den guten Nachrichten. Schlechter sieht es für Kommunen und andere öffentliche Kunden der Greensill Bank aus, sie haben der Bank rund 500 Millionen Euro anvertraut, die sie nun vermutlich nicht wiedersehen werden. Aber warum haben sie ihr Geld auch dort angelegt? Greensill hat Zinsen angeboten; das ist in dieser lang anhaltenden Phase der Null- und Negativzinsen sicher ein probates Lockmittel. Dennoch sollten Kämmerer oder zumindest deren professionelle Berater auch hinschauen, wem sie große Summen leihen. Die Probleme rund um Greensill sind seit zwei Jahren in Fachkreisen bekannt, in unserem Nachbarland Schweiz haben sie sogar für öffentliche Schlagzeilen gesorgt.

Viele Stellen haben versagt – mal wieder

Wieder einmal, wie schon bei Wirecard, haben viele Stellen versagt. Die Aufsicht hat zu zögerlich gehandelt, auch wenn sie früher auf die Misere aufmerksam geworden ist als bei Wirecard. Aber es hat zu lange gedauert, bis sie gehandelt hat. Berater, für die öffentlichen Stellen ebenso wie für private Anleger, haben nur nach der Rendite geschielt, nicht nach dem Risiko. Den Schaden müssen nun wieder viele ausbügeln. Die „soliden“ privaten Banken müssen den Entschädigungstopf auffüllen – das Geld dafür werden sie sich auf die eine oder andere Weise von ihren Kunden holen. Zinsgeschenke werden sie sich da nicht leisten können – dubiose Häuser aber schon, bis zum nächsten Skandal.