An der Schule Innenstadt und der Realschule Oberesslingen soll die Schulsozialarbeit gekürzt werden. Foto: Roberto Bulgrin

Die Haushaltslage in Esslingen ist prekär und die Stadt sucht nach Einsparpotenzial. Das trifft auch die Schulen.

In Esslingen ist derzeit viel von Optimierung, Effizienzsteigerung, Bündelung und Anpassung die Rede. In der Regel bedeutet dies, dass etwas wegfällt. Denn die Stadt muss bekanntlich drastisch sparen, nachdem sich ein riesiges Loch bei den Gewerbesteuereinnahmen aufgetan hat. Das wird auch die Esslinger Schulen betreffen. Die geplanten Maßnahmen wurden jüngst im Ausschuss für Bildung, Erziehung und Betreuung vorgestellt. Nicht überraschend war der Vorschlag, dass in Schulen künftig weniger gereinigt wird. Dies möchte die Stadt in allen Verwaltungsbereichen umsetzen. Sogar in den Bürgermeisterzimmern soll nur noch einmal wöchentlich geputzt werden, wie auf der im Ausschuss präsentierten Folie ausdrücklich vermerkt wurde – möglicherweise, um den eigenen guten Willen zu unterstreichen.

 

Schulen sind jedoch besondere Orte, an denen viele Menschen aufeinandertreffen und an denen Schmutz und achtlos liegengelassener Abfall eine größere Rolle spielen als anderswo. „Wir wollen saubere Schulen“, sagte Monika Fleischer, kaufmännische Betriebsleiterin der Städtischen Gebäude Esslingen (SGE). Auch nach der Reduzierung würden die Reinigungsintervalle in den Esslinger Schulen deshalb deutlich über der geforderten DIN-Norm liegen, betonte sie. Geplant ist, dass Waschbecken, Müll, Handtücher und Seife weiterhin fünf Mal pro Woche kontrolliert beziehungsweise gereinigt werden. Auch in den Sekretariaten wird an allen Werktagen geputzt. Was aber in den Klassenzimmern, Fachräumen und Betreuungsräumen künftig wegfällt, ist die sogenannte Sichtreinigung, die bislang dreimal pro Woche beauftragt wurde.

Putztrupps sollen besser kontrolliert werden

Das bedeutet, dass die Putzkolonne dann aktiv wurde, wenn etwas offensichtlich schmutzig war. „Nicht immer hat das so funktioniert, wie erwünscht“, ließ der Leiter des Amts für Bildung, Erziehung und Betreuung, Bernd Berroth, durchblicken. Die Vollreinigung der Klassenzimmer soll weiterhin zweimal wöchentlich erfolgen. Oft sei man mit dem Putzergebnis jedoch auch hier nicht zufrieden gewesen. In Zukunft soll ein Schwerpunkt in den Schulen deshalb darauf liegen, die Arbeit der Putzkräfte häufiger und strenger zu kontrollieren. „Wenn wir die Qualität umsetzen können, die wir auch bezahlen, dann wird es gut“, sagte Monika Fleischer.

Aufstuhlen zum Putzen? In Esslingen soll an der Schulreinigung gespart werden. Foto: Marijan Murat/dpa

Freizeitpädagogik soll eingespart werden

Angesichts der vorgeschlagenen Reduzierung der Schulsozialarbeit reagierten einige Gemeinderatsmitglieder skeptisch. „Kann es überhaupt zu viel Schulsozialarbeit geben?“, fragte Aglaia Handler (CDU) ungläubig. Bernd Berroth verteidigte den Plan. An allen Schulen werde es weiterhin Schulsozialarbeit geben. Lediglich an der Realschule Oberesslingen (RSO) und der Schule Innenstadt, die bislang aufgrund ihrer Größe und der baulichen Gegebenheiten überproportional mehr Stellenanteile nutzen konnten als andere Esslinger Schulen, wird der Umfang reduziert. Die Voraussetzungen dafür würden heute nicht mehr zutreffen, sagte Berroth. An der RSO wird deshalb von 1,5 Stellen auf eine Stelle und an der Gemeinschaftsschule von zwei auf 1,5 Stellen reduziert. „Den Schulen tut das weh“, zeigte Berroth Verständnis, warb aber auch für mehr Gerechtigkeit unter den Schulen.

Ab dem Schuljahr 2028/29 sollen zudem die freizeitpädagogischen Angebote an Realschulen und Gemeinschaftsschulen nicht mehr fortgeführt werden. Die Freizeitpädagogik war 2008 im Zuge der Hauptschulentwicklungsplanung eingeführt worden. „Für die Schulen ist das ein großer Verlust“, räumte Berroth ein. Das Angebot sei jedoch eine freiwillige Leistung, die sich überhaupt nur wenige Kommunen leisten.

Weniger Personal: Bleiben die Sekretariate häufiger geschlossen?

Auch bei der Schulkindbetreuung gibt es Veränderungen. So soll eine Früh- oder Spätgruppe nur dann eingerichtet werden, wenn es mindestens zehn Anmeldungen gibt. Bisher waren es fünf. Außerdem wird es weniger Springerkräfte geben. Auch die Schulsekretariate sollen mit weniger Personal auskommen. Darüber hinaus ist eine standortübergreifende Kooperation geplant. Dies betrifft zunächst das Schelztor-Gymnasium, die Silcherschule und die Waisenhofschule, an denen nach den Sommerferien durch den Renteneintritt von Beschäftigten Stellen nicht oder teilweise besetzt werden. Laut Sitzungsvorlage könnte dies dazu führen, dass die Öffnungszeiten reduziert werden und die Schulleitungen mehr Aufgaben selbst übernehmen müssen.

Auch neue Möbel wird es in einigen Schulen vorerst nur in Ausnahmefällen geben, denn die bestehende Ausstattung soll möglichst lange genutzt werden. Nicht mehr aufgelegt werden der Ferienkalender und der Schulwegweiser, die nur noch digital abrufbar sind.

Gestrichene Zuschüsse

Privatschulen
Die Stadt schlägt vor, die Unterstützung für Schulen in freier Trägerschaft zu streichen. In Esslingen sind davon die Freie Evangelische Schule, die Waldorfschule und das Private Gymnasium betroffen. Der Zuschuss war eine freiwillige Leistung der Stadt. Die Schulen seien bereits informiert worden. „Es gibt keine existenzielle Gefährdung dieser Einrichtungen“, betonte Amtsleiter Bernd Berroth. Rund 83 000 Euro sollen so jährlich gespart werden.

Volkshochschule
Aufgrund der guten wirtschaftlichen Lage der Volkshochschule Esslingen plant die Stadt, den Zuschuss von rund 850 000 Euro für die Jahre 2026 und 2027 jeweils zu streichen.