Jahrelang waren Kitaplätze Mangelware. Warum stehen nun plötzlich in Esslingen fünf Einrichtungen auf der Streichliste?
Zu wenige Kitaplätze und lange Wartelisten galten lange als normal, doch in Esslingen ändert sich das. Laut der Bedarfsplanung sind die Kinderzahlen weiter rückläufig. In einigen Einrichtungen gibt es bereits Überkapazitäten. Deshalb ist geplant, kleinere Kitas nicht weiter zu betreiben. Damit sollen Kosten reduziert und bestehende Einrichtungen besser ausgelastet werden. Diese Maßnahme ist Teil der Sparliste, die im Ausschuss für Bildung, Erziehung und Betreuung präsentiert wurde. Hintergrund ist die schwierige Finanzlage der Stadt.
Es geht um fünf eingruppige Kitas, die Ende 2028 geschlossen werden sollen. Betroffen sind die evangelische Kita Finkenweg und der Waldorf-Kindergarten in Serach, die sich beide in freier Trägerschaft befinden. Hinzu kommen die Kita Altes Schulhaus, die Kita Konsumstraße und die Kita Sulzgrieser Straße. Sie werden von der Stadt getragen.
Sinkende Nachfrage nach Kitaplätzen
„Ausgangspunkt für die Schließung ist nicht die Konsolidierung, sondern die Bedarfsplanung“, betonte Bernd Berroth, Leiter des Amts für Bildung, Erziehung und Betreuung. Für das kommende Kindergartenjahr sind 78 Ü 3-Plätze nicht besetzt. Bis 2028 wird sogar eine Überkapazität von über 200 Plätzen prognostiziert. Auch bei den Unter-Drei-Jährigen kann der Bedarf zusammen mit der Tagespflege aktuell annähernd gedeckt werden. Die Stadt stoppt deshalb auch ihre Ausbaupläne für neue Kita-Standorte. Zusätzliche Gruppen in bestehenden Einrichtungen werden nicht wie geplant eröffnet.
„Kinder sind keine Sparmaßnahme“
Eltern protestieren gegen die Schließung
Bei den Eltern formiert sich unterdessen Widerstand. Im Internet gibt es unter der Überschrift „Unsere Kinder sind keine Sparmaßnahme – Erhalt der Kitas in Esslingen!“ eine Online-Petition, die rege kommentiert wird. „Gerade kleinere Einrichtungen ermöglichen individuelle Förderung, stabile Beziehungen und eine hohe pädagogische Qualität. Diese lässt sich nicht allein an wirtschaftlichen Kennzahlen messen“, argumentiert die Initiatorin der Petition, Jennifer Ohran. Vor Beginn der Sitzung im Alten Rathaus demonstrierte zudem eine Handvoll Eltern und Kinder mit Plakaten für den Erhalt.
„Wir stellen die Leistung dieser Kitas ja nicht infrage. Dort wird tolle Arbeit geleistet, aber wir sehen trotzdem keine andere Möglichkeit“, sagte Bernd Berroth. Die Erzieherinnen würden in anderen Esslinger Einrichtungen weiterbeschäftigt. Eltern, deren Kinder neu in den betroffenen Kitas angemeldet wurden, hätten auf Wunsch bereits einen Alternativplatz angeboten bekommen, berichtete er. Geplant seien zudem Informationsveranstaltungen für betroffene Familien.
Im Kitabereich sind weitere Sparmaßnahmen geplant. Die Verwaltung empfiehlt, 16 der derzeit 34 Ganztagsgruppen in Gruppen mit verlängerten Öffnungszeiten (VÖ) umzuwandeln. So könnte Personal reduziert werden. Laut Berroth gibt es aber auch eine steigende Nachfrage nach VÖ-Plätzen. Dies dürfte auch daran liegen, dass diese Betreuungsform in Esslingen günstiger ist.
Weniger Putzen in Mitarbeiterräumen
Zudem schlägt die Stadt vor, die Freistellungen für stellvertretende Kitaleitungen zu reduzieren. Dies war einst ein wichtiges Element der Esslinger Personaloffensive zur Gewinnung von Fachkräften. Auch künftig würde die Freistellung jedoch über dem verbindlichen Mindestumfang des Landes für Kitaleitungen liegen. In den meisten Kommunen gebe es für Stellvertretungen ohnehin keine Freistellungen. Die Reduzierung sei dennoch ein „schmerzhaftes Signal“ für die Kolleginnen, so Amtsleiter Berroth.
Um Geld zu sparen, soll in den Kitas zudem weniger geputzt werden. Betroffen wären aber nur die Mitarbeiterräume, betont die Stadt. Auch drei der insgesamt sechs Vertretungskräfte könnten wegfallen. Zudem sollen freiwillige Angebote wie die Psychomotorik in sieben Kitas gestrichen werden.