In den Neubau der Kindertagesstätte mit Schule im Ortsteil Aichschieß fließen im Jahr 2026 weitere vier Millionen Euro. Foto: kai

Aichwald steht vor einem finanziellen Wendepunkt: Erstmals seit 20 Jahren muss die Gemeinde einen Kredit aufnehmen. Welche Maßnahmen nun geplant sind, um das Defizit zu bewältigen.

Im Hinblick auf den Finanzhaushalt für das Jahr 2026 spricht Aichwalds Bürgermeister Andreas Jarolim von einem „Wendepunkt“. Der Grund: Zum ersten Mal seit 20 Jahren muss die bislang schuldenfreie Schurwaldgemeinde einen Kredit über 5,2 Millionen Euro aufnehmen, um das drohende Haushaltsdefizit auszugleichen.

 

Im Ergebnishaushalt stehen Einnahmen von 21,5 Millionen Euro Ausgaben von fast 25 Millionen Euro gegenüber. Im Finanzhaushalt sieht es auch nicht viel besser aus. Dort stehen auf der Ausgabenseite 23,2 Millionen und auf der Einnahmenseite nur 21,3 Millionen Euro. Insgesamt beträgt das Defizit etwas mehr als 5,2 Millionen Euro. „Die wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen haben sich weltweit und national spürbar verändert und auch Aichwald bleibt davon nicht verschont“, sagte Jarolim, der kürzlich den Gemeinderäten während deren jüngster Sitzung das Zahlenwerk für 2026 vorstellte.

„Strukturelle Schieflage“: Aichwald kämpft mit Finanzlücke

Vor dem Hintergrund der sich abzeichnenden fünf Millionen Euro großen Haushaltslücke sprach der Aichwalder Verwaltungschef von einer „strukturellen Schieflage“, die zu weiten Teilen nicht „hausgemacht“ sei. „Wir haben in den letzten Jahren nicht schlecht gewirtschaftet“, sagte er. Doch sei das Aufgabenspektrum immer größer geworden, ohne dass eine ausreichende Finanzierung sichergestellt worden sei. „Gleichzeitig sind die Fördermittel des Bundes und des Landes nicht in dem Umfang vorhanden, wie es wünschenswert wäre, oder sie kommen oft mit einem erheblichen bürokratischen Aufwand“, so Jarolim weiter.

Und weil laut dem Aichwalder Bürgermeister vor allem steigende Personalkosten, höhere Umlagen und eine Vielzahl gesetzlicher Pflichtaufgaben die Gemeinde auch in den nächsten Jahren „erheblich belasten“ werden, will der Gemeinderat auf Anraten der Verwaltung nun die Notbremse ziehen. Kämmerer Andreas Jauß geht davon aus, dass sich in den Jahren 2027 bis 2029 das Defizit allein in den Ergebnishaushalten auf insgesamt rund zehn Millionen Euro aufsummieren wird.

„Kein Bereich ausgenommen“: Aichwald plant harte Sparmaßnahmen

Deshalb haben die Gemeinderäte direkt nach Jarolims Haushaltsrede einen Beschluss zur „uneingeschränkten strukturellen Konsolidierung des Haushalts“ gefasst. Demnach soll die Verwaltung möglichst bald Vorschläge machen, wo strukturell Mittel eingespart und wo Einnahmen erhöht werden können. „Dabei darf kein Bereich ausgenommen bleiben“, wie es in der Beschlussvorlage der Verwaltung hieß. Laut Jarolim werden auf den Gemeinderat in nächster Zeit einige „weniger populäre Entscheidungen“ zukommen. Dabei gehe es aber nicht darum, „blind den Rotstift anzusetzen“, sondern „unsere Mittel mit Verantwortung“ einzusetzen. Es gehe darum, „ehrlich zu benennen, was wir uns noch leisten können und was nicht“.

Die größte Investition, die sich Aichwald derzeit leistet, ist der Neubau der neuen Kindertagesstätte mit Schule in Aichschieß, in das im nächsten Jahr weitere vier Millionen Euro fließen werden. Mit rund 1,2 Millionen Euro schlagen zwei neue Feuerwehrautos zu Buche. 500.000 Euro fließen in den Breitbandausbau, 65.000 Euro kosten die Erneuerung der Bushaltestellen, die Sanierung von Kinderspielplätzen und der Bau einer Photovoltaikanlage auf dem Dach des Ärztehauses in Schanbach.

Aichwald finanziert Investitionen 2026 komplett mit Krediten

Auch in der Schurwaldgemeinde wird es haushalterisch betrachtet langsam eng. Foto: Monika Skolimowska/dpa

Insgesamt investiert die Schurwaldgemeinde in 2026 rund 5,9 Millionen Euro, denen aber nur 700.000 Euro an Einnahmen gegenüberstehen. „Da unsere liquiden Mittel oder Rücklagen nicht ausreichen, werden wir im kommenden Jahr sämtliche Investitionen komplett mit Fremdmitteln finanzieren müssen“, sagte Jarolim. Auch mittelfristig zeige die Finanzplanung keine Verbesserung. Die zu erwartenden rund 4,5 Millionen Euro aus dem Topf des 500 Milliarden schweren Sondervermögens, mit dem der Bund unter anderem die Länder und Kommunen finanziell entlasten möchte, bezeichnete Jarolim als „Einmaleffekt“. Dieses Geld helfe nicht gegen das strukturelle Defizit.