Das Tierheim an der Furtwänglerstraße benötigt jährlich 1,8 Millionen Euro. Foto: Zweygarth

Dem Tierschutzverein geht das Geld aus. Stadträte stellen eine stärkere Beteiligung der Stadt in Aussicht.

Botnang - Der Tierschutzverein schlägt Alarm: Dem Tierheim geht das Geld aus. „Die eisernen Reserven sind in ein bis zwei Monaten aufgebraucht“, betont Leiterin Marion Wünn. Seit Jahrzehnten würde man von der Hand in den Mund leben. Schon immer sei man auf Erbschaften angewiesen, um den Betrieb aufrecht erhalten zu können. Doch in diesem Jahr seien diese Zuwendungen weggebrochen.

Rund 1,8 Millionen Euro braucht das Tierheim pro Jahr, um die 500 bis 800 Hunde, Katzen, Exoten und Kleinsäuger zu versorgen. Die Lücke im Etat beträgt aktuell für dieses Jahr zwischen 600 000 und 800 000 Euro. Seit bekannt ist, dass das Tierheim in Not ist, stehen die Telefone an der Furtwänglerstraße nicht mehr still, sagt Wünn. „Ich bin überwältigt von der Spendenbereitschaft der Menschen.“ Doch diese Hilfe könne keine Dauerlösung sein.

Das sehen auch die Fraktionen im Gemeinderat so. „Das Ziel muss es sein, das Tierheim auf gesunde Füße zu stellen“, sagt Bernd Klingler (FDP). Er habe schon am Dienstag mit der Vorsitzenden des Tierschutzvereins, Angelika Schmidt-Straube, gesprochen. „Sie meinte zu mir, dass bei den Ausgaben nicht viel einzusparen ist. Ich denke, dass wir künftig erheblich mehr Geld in die Hand nehmen müssen, um das Tierheim dauerhaft zu retten“, sagt Klingler. Bislang bezuschusst die Stadt die Einrichtung mit jährlich 200 000 Euro.

Im Juni trifft man sich zur Diskussion

Philipp Hill (CDU) möchte derzeit noch keine genaue Prognose abgeben, wie dem Tierheim geholfen werden kann. „Ich habe noch keine Bilanz des Vereins gesehen und kann deshalb auch nicht beurteilen, wie es zu dieser schwierigen Situation gekommen ist. Aber es steht außer Frage, dass Stuttgart das Tierheim zwingend braucht.“ Die Stadtverwaltung solle nun in der nächsten Sitzung des Verwaltungsausschusses am 19. Juni Stellung beziehen. Dann soll auch der Vorstand des Tierschutzvereins Gelegenheit bekommen, die Situation den Stadträten zu schildern. Das haben die Christdemokraten schon am Dienstag in einem Antrag formuliert.

Bündnis 90/Die Grünen legten am Donnerstag nach: „Wir müssen eine Lösung finden, wie die Lücke im Etat des Tierheims geschlossen werden kann“, sagt die Fraktionsvorsitzende Silvia Fischer. Dass allerdings die Stadt jährlich bis zu einer Million Euro zuschießt, könne sie sich momentan nicht vorstellen. Fraktionskollegin Clarissa Seitz glaubt, dass das Tierheim finanziell schlichtweg überfordert sei und macht das auch daran fest, dass die Einrichtung immer mehr Tiere aufnehmen müsse. „Haustiere werden immer öfter als Wegwerfartikel gesehen. Wir müssen mehr Aufklärungsarbeit leisten und die Menschen sensibilisieren.“ Zudem erneuert Seitz ihre Forderung nach einer Kastrationspflicht für freilaufende Katzen und plädiert dafür, dass Hundehalter eine gewisse Zeit lang keine Steuer für ihre Vierbeiner aus dem Tierheim bezahlen sollen.

Auch die SPD-Fraktionsvorsitzende Roswitha Blind hält das Tierheim für eine sehr wichtige Institution: „Tiere sind Lebewesen, und es ist sehr gut, wenn es eine Einrichtung gibt, die sich um sie kümmert.“ In den vergangenen Jahren hätten die Aufgaben des Tierschutzvereins zugenommen, die Zuschüsse allerdings nicht. Da müsse neu verhandelt werden. „Aber ich kann vor den Haushaltsberatungen nichts versprechen“, sagt Blind.

Mehr Geld muss her

Dass die städtischen Zuschüsse aufgestockt werden müssen, davon ist Konrad Zaiß von den Freien Wählern überzeugt. Über die genaue Höhe müsse man allerdings noch sprechen. Und auch die Fraktion SÖS/Die Linke möchte erst einmal noch weitere Informationen aus erster Hand einholen, um Genaueres zu dem Thema sagen zu können. Stadtrat Thomas Adler: „Ich kann den Bedarf des Tierheims momentan nicht konkret beziffern. Aber, dass etwas getan werden muss, ist klar.“

Auch Wolfgang Stierle würde der Einrichtung in seiner Funktion als Botnanger Bezirksvorsteher gerne helfen. „Das ist aber nur ideell möglich.“ Zum einen lasse das Verfügungsbudget des Bezirksbeirats keinen Spielraum zu, und zum anderen sei das Tierheim natürlich eine Einrichtung für alle Stuttgarter und nicht nur eine Institution für die Botnanger. Er hofft, dass die Stadt eine Lösung findet, dass das Tierheim nicht schließen muss.

Auch in der Bevölkerung ist die Diskussion um die Zukunft der Einrichtung längst angekommen. „Ich selbst habe keine Tiere, aber trotzdem finde ich, dass so eine Institution sinnvoll ist“, sagt die Zuffenhäuserin Monika Schulz. Ähnlich sieht es Daniel Simic: „Leider muss es so etwas wie ein Tierheim geben.“ Manchmal wünsche er sich aber, dass sich die Menschen mehr Gedanken machen, bevor sie sich ein Tier anschaffen würden. Auch Adriana Nappa hofft, dass es mit dem Tierheim wieder aufwärts geht. Jedoch bezweifelt sie die Wirksamkeit von Spendenaufrufen. „Vielleicht sollte man eher auf Aktionen wie etwa einen Spendenlauf setzen“, sagt die Katzenhalterin. Der Zuffenhäuser Michael Vollmer spendet jährlich 50 Euro für das Tierheim. Er hat seine Hündin Fea seinerzeit von dort bekommen. Der Terrier-Mischling war von Tierschützern in Kroatien von der Straße gerettet worden und ist dann in Botnang untergekommen. „So etwas muss man unterstützen“, sagt Vollmer.

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