Die NaturVision Ludwigsburg gGmbH steht für die Verbindung von Film, Natur, Wissenschaft und Bildung für nachhaltige Entwicklung. Foto: Tobias Metz

Das 25. Jubiläum des Naturvision Filmfestivals in Ludwigsburg wird verschoben. Die Stadt will die Finanzierung und Ausrichtung der Veranstaltung prüfen. Bleibt das Thema Umweltschutz?

Nach einem Jahr mit Besucherrekord wiegt diese Nachricht noch etwas schwerer: Das Natur Vision Filmfestival in Ludwigsburg pausiert, das 25. Jubiläum im kommenden Jahr fällt aus oder wird zumindest verschoben. Nachdem die Leiterin Beatrix Wesle auf eigenen Wunsch die Festivalführung abgibt, will die Stadt die Naturvision nun konzeptionell und finanziell neu aufstellen. Die sieben Mitarbeiter werden zum Ende des Jahres betriebsbedingt gekündigt.

 

In seiner Amtszeit hat Oberbürgermeister Matthias Knecht für kaum ein anderes Projekt so viel Zeit darauf verwendet, Förderer zu gewinnen. Ursprünglich wollte die Stadt Ludwigsburg das Land und die Region Stuttgart als Gesellschafter an der 2023 entstandenen Naturvision gGmbH beteiligen. Doch die finanzieren das Festival nur projektbezogen – genau wie Stiftungen und andere Investoren.

„Das Geld, das eingeht, kann nicht für den laufenden Verwaltungsbetrieb genutzt werden, sondern ist immer an Projekte gekoppelt“, sagt Knecht. „Und die passen häufig nicht zum Festival, sondern laufen abseits davon“, sagt Wesle. „Das zermürbt“, sind sich die beiden einig.

Stadt will Naturvision breiter aufstellen

Der Aufsichtsrat und der Wirtschaftsausschuss hätten deshalb beschlossen, ein Jahr Pause einzulegen, um aus dem Hamsterrad auszubrechen. Wichtig sei künftig, die Verbindung zur Filmakademie und regionalen Filmwirtschaft herzustellen, sagt Knecht. „Wir wollen Ludwigsburg durch das Festival als Medien- und Filmstandort stärken.“ Die Themen Nachhaltigkeit und Umweltförderung sollen weiterhin ihre Bedeutung haben – möglicherweise aber neben dem Bereich Film als eines von zwei Standbeinen.

Im neuen Jahr wird sich ein Team von acht bis zehn Personen zusammensetzen, um eine Konzeption auszuarbeiten. Mit am Tisch: Oberbürgermeister Matthias Knecht und Beatrix Wesle, die den Prozess auch nach Vertragsende auf Honorarbasis begleiten wird. Stand jetzt soll das Festival 2027 in neuer Ausrichtung wieder stattfinden – „wenn wir aber merken, eine gute Konzeption dauert länger, dann geht es notfalls erst 2028 weiter. Wir brauchen ein aus sich lebensfähiges Festival“, sagt Knecht.

Die sieben Mitarbeiter haben vor zwei Wochen erfahren, dass ihre Stellen Ende des Jahres gestrichen werden. Beatrix Wesle versucht derzeit, sie anderweitig im Festival-Bereich unterzubringen. Die Entscheidung, mit wie viel Geld die Stadt die Phase der Neukonzeptionierung fördert, steht noch aus. 2024 hatte Ludwigsburg 185.000 Euro an die Naturvision gezahlt.

„Die Naturvision ist ein Rohdiamant“

Kay Hoffmann, Vorsitzender des Fördervereins, zeigt sich enttäuscht über die Pause. Er äußert die Sorge, wie es danach weitergeht, wenn Leute mit Erfahrung nicht mehr verfügbar seien. Was aus dem Förderverein in der Pause wird, weiß er nicht – schließlich sei das Naturvision Festival der einzige Inhalt des Fördervereins.

Die Naturvision wurde 2002 von Ralph Thoms im Bayerischen Wald gegründet und findet seit 2012 in Ludwigsburg statt. Es gilt als eines der führenden Filmfestivals für Wissenschaft, Natur, Umwelt und Nachhaltigkeit im süddeutschen Raum. Neben dem jährlich stattfindenden Festival engagiert sich Naturvision ganzjährig in der Bildungsarbeit sowie in der Förderung von Filmschaffenden, die sich mit ökologischen Fragen beschäftigen.

Dieses Jahr gab es neben den Filmvorführungen auch einen Auftritt der Speakerin Louisa Schneider. „Dieses Festival hat vielleicht nicht die Strahlkraft bis nach Berlin, aber wir konnten wunderbare Momente für Besucher schaffen und hatten eine tolle Gemeinschaft – die Naturvision ist ein Rohdiamant“, sagt Wesle.