Im Süden von Renningen, in der Nähe des Einkaufszentrums mit Tankstelle, ist ein neues Gewerbegebiet geplant. Foto: Simon Granville

Noch hat Renningen genug Geld auf der hohen Kante, um eine Finanzlücke im Haushalt für 2026 auszugleichen. Doch das könnte bald aufgebraucht sein.

„30 Jahre ohne Neuverschuldung“, verkündet der Erste Beigeordnete von Renningen am Montagabend im Gemeinderat. Und dennoch kommt Peter Müllers Vortrag zum städtischen Haushalt für das neue Jahr nicht ohne numerische Tiefschläge aus.

 

So schlimm wie in Ditzingen oder Hemmingen, wo jüngst Haushaltssperren verhängt wurden, ist es in Renningen aktuell nicht. Doch auch hier gelingt für 2026 erneut kein ausgeglichener Haushalt. Im Finanzhaushalt, der Einnahmen und Ausgabe aus der Verwaltungs- und Investitionstätigkeit gegenüberstellt, klafft eine Lücke von 7,86 Millionen Euro. Das heißt, Renningen erwirtschaftet nicht genügend liquide Mittel, um alle laufenden Kosten decken zu können. Das Minus im Ergebnishaushalt beläuft sich sogar auf 11,3 Millionen Euro.

„2026 fällt uns der kommunale Finanzausgleich auf die Füße“, meint Müller. Denn weil 2023 Rekorderlöse bei der Gewerbesteuer erzielt wurden, steigen für Renningen 2026 die Kreisumlage und die Zahlungen innerhalb des kommunalen Finanzausgleichs und das bei sinkenden Zuweisungen aus Steuereinnahmen.

Grundstücksverkäufe und Gewerbesteuer liefern Finanzpolster

Allerdings muss die Stadt noch keine neuen Schulden machen. „Die Finanzierung kann dank der Grundstücksverkäufe im Schnallenäcker III und der starken Gewerbesteuer von 2023 noch aus eigenen Mitteln erfolgen“, sagt der Erste Beigeordnete.

Die Prognosen für die Folgejahre sieht jedoch nicht besser aus. Sowohl Bürgermeisterin Melanie Hettmer als auch Peter Müller kritisieren, dass die Kommunen immer mehr Pflichtaufgaben erfüllen müssten, ohne dafür eine ausreichende Finanzierungsgrundlage zu haben. „Da stimmt etwas nicht im System“, sagt Müller. Immerhin könnten aktuell 80 Prozent der Kommunen im Bundesland keinen ausgeglichenen Haushalt vorweisen.

In den kommenden drei Jahren stehen noch einige große Investitionen an, von der Sanierung und Erweiterung der Friedrich-Silcher- und der Realschule über den Umbau der ehemaligen Volksbank zum neuen Rathaus bis hin zur Sanierung zahlreicher Gebäude und Straßen.

„Das Sondervermögen des Bundes rettet uns da ein bisschen“, erklärt der Erste Beigeordnete. Renningen erhält 10,52 Millionen Euro aus dem Programm. „Uns ist aber klar, das Sondervermögen sind eigentlich Sonderschulden, die am Ende wir alle zahlen.“

Neues Gewerbegebiet an der B295 geplant

Laut Melanie Hettmer arbeite man in der Verwaltung daran, effizienter zu werden, und werde auch anstehende Projekte weiter priorisieren. Weitere Einkünfte aus Pacht könnte der geplante Windpark im Norden der Stadt bringen. Im Süden ist zudem ein neues Gewerbegebiet an der B295 geplant. Es soll sich an das Einkaufszentrum Süd anschließen, die Planungen dafür beginnen im kommenden Jahr. Weitere Details gibt es bislang nicht.

„Wenn ich die Gewerbesteuereinnahmen erhöhen möchte, muss ich auch Platz für Unternehmen schaffen“, sagt die Bürgermeisterin. Allerdings muss Renningen dafür zunächst Geld in die Hand nehmen und Grundstücke kaufen. Dann könnte sich die finanzielle Situation der Stadt ab 2030 wieder entspannen.

Haushalt 2026

Ergebnishaushalt
Die ordentlichen Erträge belaufen sich auf 69,25 Millionen Euro: Darunter sind 21 Millionen Gewerbesteuer, 17,5 Millionen aus der Einkommenssteuer und 10,9 Millionen Euro als Zuweisungen von Bund und Land. 5,8 Millionen Euro werden als Nutzungsgebühren eingenommen (beispielsweise Kitas, Mediathek, Friedhof, Freibad). Dem gegenüber stehen Ausgaben von 80,5 Millionen Euro. Davon sind 28,9 Millionen Euro auf Personalkosten, 16 Millionen Euro Kreisumlage und 10,9 Millionen für den kommunalen Finanzausgleich.

Finanzhaushalt
25,6 Millionen Euro will Renningen 2026 investieren, davon 23,3 Millionen für diverse Baumaßnahmen. 7,8 Millionen entfallen auf die Friedrich-Silcher-Schule, 6,5 Millionen auf die Realschule, 2,1 Millionen auf den Kindergarten Merklinger Straße sowie 1,9 Millionen Euro auf zwei Flüchtlingsunterkünfte.