Das Geld wird knapp in den kommunalen Haushalten. Nach vielen guten Jahren plant Holzgerlingen jetzt mit einer drastischen Neuverschuldung.
„Wir greifen in die Rücklagen, um die Stadt nach vorne zu bringen.“ So charakterisierte der Holzgerlinger Bürgermeister Ioannis Delakos (parteilos) den Haushalt für das Jahr 2025, den er am Dienstag in den Gemeinderat einbrachte. Vor der Sommerpause hatte der Holzgerlinger Kämmerer Jean-Rémy Planche mit dem Zahlenwerk begonnen, im Dezember soll der Haushalt dann verabschiedet werden.
Die Kreisumlage steigt erneut
Nach vielen guten Jahren sind die Rahmenbedingungen in Holzgerlingen nicht rosig, die deutsche Wirtschaft schrumpft das zweite Jahr in Folge, was bedeutet, dass die Einnahmen aus der Gewerbesteuer schrumpfen. Dazu kommen die steigenden Aufgaben, die von Bund und Land zwar beschlossen, aber nicht finanziert werden. Als Beispiel nannte Delakos die Holzgerlinger Kindertagesstätten: Für sie muss die Verwaltung rund 11,6 Millionen ausgeben, Vom Land kommen dafür nur rund 2,7 Millionen Euro und von den Eltern rund 1,3 Millionen. Das Defizit von rund 7,6 Millionen Euro bleibt an der Stadt hängen.
Deswegen erzielt die Verwaltung im kommenden Jahr keine Überschüsse im laufenden Betrieb und muss Kredite in Höhe von rund 4,4 Millionen Euro aufnehmen. „Aber“, so Ioannis Delakos, „wir müssen bei den Kreditaufnahmen dringend drauf achten, dass die kommenden Generationen die Belastungen auch tragen können.“
Nach den Berechnungen der Kämmerei muss Holzgerlingen bis 2028 rund 230 Millionen Euro Haushaltsvolumen stemmen. Ein gutes Drittel davon steht im kommenden Jahr an, also rund 64 Millionen Euro.
Die Berkenschule wird Ganztagsschule
Der Kämmerer Jean-Rémy Planche machte noch einige andere Faktoren aus, die Sand in das Getriebe der kommunalen Wirtschaft streuen: Die Inflationsrate war 2022 bei 7,9 Prozent gelegen und 2023 bei 5,9 Prozent und ist erst jetzt auf 2,2 Prozent gesunken. Der Leitzins wurde von 0,0 Prozent auf 3,25 Prozent erhöht und die Arbeitslosenquote ist im Kreis von 3,5 Prozent auf 3,9 Prozent geklettert. Dazu kommt auch die steigende Kreisumlage.
In Straßen, Plätze und Wege steckt Holzgerlingen rund vier Millionen Euro. Weitere sechs Millionen Euro investiert die Stadt in den nächsten drei Jahren in die Berkenschule, die in den letzten Jahren bereits zehn Millionen Euro gekostet hat. Das Ziel ist es, zu renovieren und die Schule für eine Ganztagesbetreuung umzurüsten, die im Schuljahr 2026/2027 starten soll. Außerdem braucht es eine zeitgemäße digitale Ausstattung.
Dem Personalmangel abhelfen will die Stadt durch Digitalisierung. Das digitale Bauamt startet im Januar, künstliche Intelligenz hilft beim Winterdienst und der Straßenunterhaltung, auch im Bürgeramt sollen erste Angebote vollständig digital laufen. Insgesamt wendet die Stadt rund 1,2 Millionen Euro für die EDV auf. Der größte Teil davon wird für den Austausch der gesamten Rechner in der Verwaltung verwendet.
Trotz aller Bedenken wegen der steigenden Schulden gab es zumindest eine gute Nachricht, und zwar beim Thema Infrastruktur: Im Dezember werden die neuen Wagen der Schönbuchbahn eingeweiht. Die Eröffnungsfahrt sei für den 14. Dezember geplant, sagte Delakos.