Wie bei vielen anderen Kommunen auch ist der Haushalt in Herrenberg für das kommende Jahr auf Kante genäht – genauso die Finanzplanung bis 2029.
„Wir haben letztes Jahr unsere Hausaufgaben gemacht“, sagt Herrenbergs Oberbürgermeister Nico Reith im Rückblick. Für den letztjährigen städtischen Haushalt war bereits ein Sparpaket mit 220 Punkten geschnürt worden. Die Maßnahmen liefen quer durch alle Bereiche und führten unterm Strich zu einer Ergebnisverbesserung von fünf Millionen Euro. „Das wirkt, aber reicht noch nicht“, betont der Erste Bürgermeister Stefan Metzing, der gemeinsam mit dem Rathauschef am Dienstagabend den Haushaltsentwurf für das Jahr 2026 eingebracht hat.
Dieser weist im Ergebnishaushalt ein Defizit von rund 7,5 Millionen Euro auf – und das, obwohl die Erhöhung der Grundsteuer B von 225 auf 250 Punkte und der Gewerbesteuer von 390 auf 400 Punkte – wie im vergangenen Jahr angekündigt – bereits eingepreist ist. Dieser Schritt ist aus Sicht der Verwaltung unumgänglich, damit der Haushalt überhaupt genehmigungsfähig ist.
Ein herber Schlag ins Kontor ist die steigende Kreisumlage. 2026 soll sie laut Entwurf des Kreises von 34,5 auf 35,9 Prozentpunkte und für die Jahre 2027 bis 2029 auf 38,1 Prozentpunktes erhöht werden. Zehn Millionen Euro an Mehrkosten würde das für Herrenberg in den nächsten zehn Jahren bedeuten. „Das Geld fehlt uns massiv an anderer Stelle“, betont Reith, der ebenso wie Metzing darauf hofft, dass es hier noch Änderungen gibt.
Wegen dieser schlechten Finanzlage treibt die Stadt im Jahr 2026 in erster Linie nur bereits begonnene Projekte wie die Reaktivierung des Fruchtkastens weiter voran. Allerdings werden diese Investitionen weitgehend über Darlehen finanziert. Im Jahr 2029 wird der Schuldenstand so voraussichtlich annähernd bei 70 Millionen Euro liegen und damit die vom Regierungspräsidium Stuttgart definierte Obergrenze erreicht haben.
Zu den Maßnahmen von höchster Priorität gehört der Neubau der gemeinsamen Grundschule für Kayh und Mönchberg am Grafenberg – ein Projekt, das über mehrere Jahre verteilt nach jetzigem Kenntnisstand mit über 14 Millionen Euro zu Buche schlagen wird. Zudem ist eine erste Rate in Höhe von zwei Millionen Euro für das neue Feuerwehrhauses Affstätt-Kuppingen eingeplant. Außerdem soll in energieeffiziente Straßenbeleuchtung investiert und das Kapital der Stadtwerke, die sich aktuell in einem Transformationsprozess hin zu einem modernen Energieversorger befinden, aufgestockt werden.
Zwei kleine Lichtblicke sieht Metzing für die kommende Haushaltsberatung: Erstens fällt die Herbststeuerschätzung für Herrenberg entgegen dem Bundestrend leicht positiv aus und ist noch nicht in den 552-seitigen Entwurf eingeflossen. Zweitens muss die kürzliche Einigung des Landes mit den kommunalen Spitzenverbänden über ein größeres Finanzpaket zu Gunsten der Kommunen noch eingepflegt werden. Deshalb ist der nun vorgelegte Entwurf aus Verwaltungssicht eine erste Etappe auf dem Weg zum finalen Haushalt. Dieser soll dann – so die Hoffnung – gegenüber dem jetzigen Stand mit etwas besseren Zahlen aufwarten.