Elisabeth Seitz am Stufenbarren. Foto: Friso Gentsch/dpa

Nach langer Auszeit ist Elisabeth Seitz noch nicht wieder in Top-Form. Bei den deutschen Turn-Meisterschaften in Berlin geht sie kein Risiko ein. Sarah Voss gewinnt ihren zweiten Titel.

Berlin - Eine halbe Übung war nicht genug: Elisabeth Seitz hat bei den deutschen Turn-Meisterschaften in Berlin ihren 24. Titel knapp verpasst. Die deutsche Rekordmeisterin belegte in ihrem einzigen Geräte-Finale den zweiten Platz.

Mit 13,500 Punkten musste sich die Stuttgarterin am Stufenbarren ihrer Vereinskollegin Kim Bui geschlagen geben, die 13,600 Zähler für ihre Übung bekam. Dritte wurde die Chemnitzerin Emma Malewski mit 12,733 Zählern. Einen Tag nach ihrem Titelgewinn im Mehrkampf kam Sarah Voss aus Köln mit 12,666 Punkten auf Rang vier.

Wie schon im Vierkampf, als sie sich mit dem Tagesbestwert von 13,500 Punkten für das Finale qualifizierte, turnte Elisabeth Seitz auch im Endkampf der besten Sechs nur 50 Prozent ihrer Übung. "Der komplette erste Teil fehlt noch", sagte sie. Dadurch fehlte es ihr am Schwierigkeitsgrad, der am Ende den Ausschlag zugunsten der bereits 33 Jahre alten Kim Bui gab.

"Ich habe einfach eine Pause gebraucht"

Die 28-jährige Seitz hatte sich nach den Olympischen Spielen in Tokio, wo sie Fünfte am Stufenbarren geworden war, eine Auszeit genommen. "Ich habe einfach eine Pause gebraucht - mental wie körperlich. Die hat sehr lange angedauert", erzählte sie in Berlin. Zusätzlich hat sie ein Praktikum in der Schule für ihr Studium absolviert, ist daher erst in diesem Jahr wieder voll ins Training eingestiegen - um dann im Vorfeld der Meisterschaften durch eine Erkältung aus dem Rhythmus gebracht zu werden. "Das hat dann auch nicht so gepasst, weil mein Zeitplan zu den deutschen Meisterschaften schon sehr knapp war. Letztendlich habe ich entschieden, dass ich kein großes Risiko eingehen will."

So trat sie im Mehrkampf nur am Stufenbarren und im Sprung an, wo sie aber das Finale verpasste. Der Verzicht auf die anderen beiden Geräte Boden und Schwebebalken ist ihr dabei nicht leicht gefallen. "Wenn man in die Halle läuft, da kribbelt es dann schon extrem. Es macht halt einfach Spaß, ich mach's halt gerne. Aber ich muss eben auf meinen Körper hören, und das ist das Wichtigste, gesund zu sein und gesund zu bleiben, vor allem wenn der Weg noch ein bisschen weiter gehen soll", sagte die WM-Dritte am Stufenbarren von 2018 mit Blick auf die Europameisterschaften vom 11. bis 21. August in München.

Abstieg vom Pferd hat Dunkel "auch wehgetan"

Mehrkampf-Meisterin Voss hatte sich zum Auftakt des dritten Wettkampftages mit 13,066 Punkten den Titel beim Sprung gesichert. Bei den Männern gewann Milan Hosseini (Böckingen) mit 14,266 Punkten am Boden ebenso überraschend Pascal Brendel (Wetzlar) mit 13,500 am Pauschenpferd.

Dabei profitierte er von einem Abstieg des Qualifikationsbesten Nils Dunkel (Halle/Saale). "Mich hat überrascht, dass Nils vom Pferd gefallen ist. Aus meiner Sicht war das eine hundertprozentige Goldmedaille. Das hat ihm auch wehgetan", sagte Bundestrainer Valeri Belenki. Deutscher Meister an den Ringen wurde Dario Sissakis aus Berlin mit 13,666 Punkten.