Trotz des Sparzwangs stand die Verwaltung um den Ersten Bürgermeister Fabian Mayer (li.) und OB Frank Nopper hinter der Ausrichtung der Finals 2027 in Stuttgart. Foto: IMAGO/Arnulf Hettrich

Trotz der angespannten Haushaltslage stimmt der Gemeinderat für die Finals 2027. Die Deutschen Meisterschaften in vielen Sportarten kosten die Stadt 5,3 Millionen Euro.

Erstmals seit über zwei Jahrzehnten hat die Stadt Stuttgart im vergangenen Jahr mit einem Haushaltsdefizit abgeschlossen. Nach den 5,2 Millionen Euro Minus 2024 rechnet die Verwaltung für das laufende Jahr sogar mit einem Defizit von 894,4 Millionen Euro. In vielen Bereichen drohen harte Einschnitte, die Aussichten sind trüb. Doch nur kurz nachdem der Gemeinderat am Donnerstag der Aufstellung des Jahresabschlusses 2024 zugestimmt hat, nickte er auch einen Antrag ab, der einiges kosten wird.

 

Stuttgart soll 2027 die sogenannten „Finals“ ausrichten, ein nationales Sport-Großereignis, bei dem die Deutschen Meisterschaften in zahlreichen Disziplinen innerhalb von vier Tagen in einer Stadt gebündelt ausgetragen werden. Das Event soll nun von Ende Juli bis Anfang August 2027 in Stuttgart stattfinden. Kostenpunkt: 5,3 Millionen Euro. Wie passt das mit dem gleichzeitigen Sparzwang zusammen?

Sportbürgermeister Maier erwartet langfristigen Mehrwert für die Stadt

Ganz unstrittig war die Entscheidung nicht. Am Ende gab es trotzdem nur acht Gegenstimmen aus den Reihen von Die Linke/SÖS-plus und Puls, dazu eine Enthaltung. Der Rest des Gremiums stimmte dafür. Die CDU-Fraktion tat dies nach Aussage von Markus Reiners sogar „mit großer Freude und sportpolitischer Begeisterung“. Es sei eine „ausgezeichnete Möglichkeit für die Sportstadt Stuttgart“, die auch einen touristischen Mehrwert biete. Der Grünen-Stadtrat Florian Pitschel sprach ebenfalls von einer „tollen Chance“ für die Landeshauptstadt: „Die junge Geschichte der Finals in Deutschland ist eine relativ beispiellose Erfolgsgeschichte.“

In diesen Städten haben die Finals bisher stattgefunden

  • 2019: Berlin
  • 2021: Berlin, Metropolregion Rhein-Ruhr, Braunschweig
  • 2022: Berlin
  • 2023: Metropolregion Rhein-Ruhr
  • 2025: Dresden (31.Juli bis 3. August 2025)
  • 2026: Hannover (geplant)

Sporbürgermeister Clemens Maier (Freie Wähler) sah mehrere Gründe, die trotz der Kosten für die Ausrichtung sprechen. Zum einen müsse man den eigenen Anspruch als Sportstadt aufrechterhalten, zum anderen würden dadurch auch „schöne Bilder von unserer Stadt in die Republik getragen“. Er erwartet eine Vielzahl von Gästen, die nach Stuttgart kommen werden. Damit habe das Projekt einen mittel- und langfristigen Mehrwert für die Stadt.

Von der SPD kommen da schon kritischere Töne. Man nehme die angestrebte Haushaltskonsolidierung sehr ernst, sagte Stadtrat Stefan Conzelmann. Seine Fraktion werde aber trotz kontroverser Diskussionen in der Fraktion zustimmen, denn es sei eine „gute Werbung für die Sportstadt Stuttgart“.

Gesamtkosten 5,3 Millionen – so viel wie das Haushaltdefizit im Vorjahr

Fakt ist, dass für Organisation und Durchführung des Events Kosten in Höhe von 7,8 Millionen Euro anfallen. Das Land Baden-Württemberg hat einen Zuschuss von maximal einer Million Euro zugesagt, hinzu kommen erwartete Sponsoringerlöse von 1,5 Millionen Euro. Unter dem Strich bleiben also Kosten von 5,3 Millionen Euro, die die Stadt aus dem Haushalt stemmen muss. Das ist fast genauso viel wie das Gesamtdefizit des vergangenen Jahres.

Bei den Finals 2023 Rhein-Ruhr fand das Geräteturnen in Düsseldorf statt. Foto: IMAGO/Beautiful Sports

Genau aus diesem Grund lehnte die Gruppe Puls den Antrag ab. Eigentlich seien die Finals eine großartige Veranstaltung, meinte die Puls-Stadträtin Ina Schumann. Vor ein paar Jahren hätte man dem Antrag auch noch zugestimmt. „Aber unter den aktuellen Bedingungen, wo wir bei jedem Euro fragen müssen, ob er richtig eingesetzt ist, können wir das einfach nicht mittragen.“

Die Ausrichtung der Frauen-EM hatte der Gemeinderat noch abgelehnt

FDP-Mann Matthias Oechsner sah das ganz anders. „Fünf Millionen Euro sind natürlich viel Geld“, sagte er. Aber zu einer Stadt gehöre es dazu, dass sie auch größere Events ausrichte. Gerhard Veyhl von den Freien Wählern legte nach: „Wenn der Begriff Sportstadt zukünftig noch Bedeutung haben soll für Stuttgart, dann sind diese Finals wichtig.“ Gerade auch vor dem Hintergrund, dass der Gemeinderat erst vor kurzem dagegen war, die Frauen-Europameisterschaft 2029 auszutragen. Diese Entscheidung werde der Stadt langfristig schaden, kritisierte Veyhl. Damals war die Begründung noch, dass man die dafür veranschlagten zehn Millionen Euro den Bürgern nicht zumuten könne.

Bleibt nur die Frage, ob es bei den 5,3 Millionen Euro Gesamtkosten wirklich bleibt. Dennis Landgraf von der Tierschutzpartei sieht Kostensteigerungen „schon vorprogrammiert“. Die schließt auch Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU) nicht aus. Am Ende aber überwogen für die Mehrheit der Gemeinderatsmitglieder trotz aller Geldsorgen die Vorteile der sportlichen Großveranstaltung.