Die Füchse Berlin mit Paul Drux (li.) spielen im Halbfinale gegen die Rhein-Neckar Löwen mit Jannik Kohlbacher. Foto: imago// Michael Bermel

Den vergleichbaren Wettbewerb im Fußball sehen deutsche Clubs eher als lästige Pflicht. Im Handball wird die European League von den Bundesligisten dominiert – auch beim Final Four am Wochenende in Mannheim. Wo liegen die Gründe?

Stuttgart - Wenn in einem Wettbewerb in den vergangenen 20 Jahren 18-mal ein Handball-Bundesligist triumphiert hat, dann ist es nicht übertrieben, von einer deutschen Domäne zu sprechen. Die Rede ist von der European League, deren Vorläufer der EHF- und IHF-Pokal waren. „Diese Statistik belegt, wie enorm gut die Bundesliga in der Breite ist und zeigt, dass sie zu Recht die stärkste Liga der Welt ist“, sagt Frank Bohmann, der Geschäftsführer der Handball-Bundesliga (HBL).

 

Füchse im Aufwind

An diesem Wochenende geht in Mannheim das Final Four über die Bühne. Drei der vier Teilnehmer kommen aus Deutschland. Und die Frage lautet nicht, ob ein Bundesligist den Titel holt, sondern welcher. In den Halbfinalspielen am Samstag treffen die Rhein-Neckar Löwen und die Füchse Berlin aufeinander (20.45 Uhr), der SC Magdeburg spielt davor um 18.30 Uhr gegen Wisla Plock/Polen um den Einzug ins Finale (Sonntag, 20.30 Uhr). Wer das Rennen macht? Da sich die Füchse in der Bundesliga derzeit im Aufwind befinden, sagt Bohmann das, was viele Experten sagen: „Das Momentum spricht für Berlin.“

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Alle drei deutschen Final-Four-Teilnehmer gehen hochmotiviert in das Endturnier in der SAP-Arena. Zumal es ihre letzte Chance auf einen Titelgewinn in dieser Saison ist. Im Fußball (von Eintracht Frankfurt abgesehen) wurde die kleine Schwester der Champions League in den vergangenen Jahren oft als lästige Pflicht angesehen. Im Handball ist das komplett anders. Woran das liegt? „Am Geld bestimmt nicht. Reich wird man im Handball in dem Wettbewerb nicht“, antwortet Bohmann. Der Sieger erhält rund 100 000 Euro. „Zieht man die Erfolgsprämie für die Spieler ab, bleibt kein großer Gewinn“, vermutet der HBL-Chef. In der Champions League lässt sich etwa zehnmal so viel verdienen.

Frisch Auf Rekord-Champion

Für Manuel Späth liegt der hohe Stellenwert des Wettbewerbs an der großen Chance auf einen Titelgewinn: „Es gibt eben nicht so viele Möglichkeiten, einen Titel zu holen, deshalb hat die European League auch so einen hohen Reiz“, ist sich der Kreisläufer sicher. Der 35-Jährige hat 2011, 2012, 2016 und 2017 mit Frisch Auf Göppingen den EHF-Pokal gewonnen, damit ist der Traditionsclub aus dem Filstal gemeinsam mit dem THW Kiel Rekordchampion in diesem Wettbewerb, vor dem SC Magdeburg (dreimal). In dieser Saison kam Späth mit dem portugiesischen Meister FC Porto erstmals in seiner Karriere in den Genuss der Champions League. Seine Einschätzung: „Die European League hat aufgeholt, aber in der Königsklasse ist eben alles noch einen Tick hochwertiger und professioneller aufgezogen, die Arenen fast alle topmodern.“

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Die deutschen Clubs haben auf diesem Spitzenniveau deutlich mehr Konkurrenz. In den vergangenen sechs Jahren sicherte sich aus der Bundesliga nur der THW Kiel die Champions-League-Krone, im laufenden Wettbewerb sind der THW und die SG Flensburg-Handewitt im Viertelfinale gescheitert. Was zeigt: Die Bezeichnung „stärkste Liga der Welt“ bezieht sich hauptsächlich auf die Breite. Ob auch ein Mittelfeldteam wie der TVB Stuttgart in der European League konkurrenzfähig wäre? Für Späth steht fest: „An einem guten Tag könnte der TVB auch in diesem Wettbewerb ein Spiel gewinnen, doch um ins Final Four zu kommen, braucht man Konstanz und deutlich mehr an Qualität.“