Vier Teams, darunter Favorit HB Ludwigsburg, mit vielen interessanten Handballerinnen kämpfen beim Final Four um den DHB-Pokal der Frauen in der Stuttgarter Porsche-Arena. Wir picken jeweils eine ganz besondere Spielerin heraus.
Im vergangenen Jahr schnappte sich Außenseiter TuS Metzingen überraschend den DHB-Pokal. Diesmal will die HB Ludwigsburg ihrer Favoritenrolle beim Final Four in der Stuttgarter Porsche-Arena gerecht werden. Bei einem Sieg im Halbfinale (Samstag, 19 Uhr) gegen Borussia Dortmund geht es im Endspiel (Sonntag, 15 Uhr/jeweils Eurosport) gegen den Sieger der Partie HSG Bensheim/Auerbach gegen HSG Blomberg-Lippe (Samstag, 16.30 Uhr). Wir haben uns aus vielen interessanten Spielerinnen bei den vier Teilnehmern jeweils einen Farbtupfer herausgesucht.
Xenia Smits (HB Ludwigsburg)
Vor kurzem erst bekam Xenia Smits die Auszeichnung zu Deutschlands Handballerin des Jahres 2024. Es ist der verdiente Lohn für eine Ausnahmespielerin in einem Ausnahmejahr. Mit der HB Ludwigsburg holte die Kapitänin die deutsche Meisterschaft, zog sensationell ins Champions-League-Finale ein, und mit der Nationalmannschaft schaffte es die 30-Jährige immerhin bis ins Viertelfinale der Olympischen Spiele. Nur das verlorene DHB-Pokal-Finale gegen TuS Metzingen passte nicht ins Bild – eine Extra-Motivation für das kommende Wochenende.
„Wir sind hoch motiviert und wollen nach 2021, 2022 und 2023 zum vierten Mal den Cup gewinnen“, sagt die Rückraumspielerin, die ein beeindruckendes Gesamtpaket mitbringt: Sie trifft im Angriff aus unterschiedlichen Lagen, liefert Assists und gehört in der Deckung auf verschiedenen Positionen zu den weltbesten Spielerinnen. Das alles hat sie sich mit höchster Professionalität erarbeitet. „Sie spielt nie wenig und war 2024 ohne Erholungspause unterwegs. Sie versucht immer, alles zu optieren, um noch besser zu sein“, lobt sie Markus Gaugisch. Ob die Frau mit der doppelten Staatsbürgerschaft („Mein Blut ist belgisch, mein Handballherz deutsch“) auch seine künftige Kapitänin wird? Das lässt der Bundestrainer offen: „Grundsätzlich kann eine Führungsspielerin führen – unabhängig von der Binde.“
Lois Abbingh (Borussia Dortmund)
Sie gehört zu den Weltstars des Frauenhandballs. Kein Wunder, dass der Wechsel von Lois Abbingh Anfang des Jahres zu Borussia Dortmund für Aufsehen sorgte. Nicht nur für Christoph Wendt, den Geschäftsführer der Handball-Bundesliga der Frauen (HBF), ist dies ein „ganz dickes Ausrufezeichen für unsere Liga“. Die niederländische Nationalspielerin hat in internationalen Topclubs ihre Spuren hinterlassen. Sie spielte bei HCM Baia Mare (Rumänien), Issy Paris (Frankreich), GK Rostow am Don (Russland), Odense Handbold (Dänemark) und bis zur Insolvenz von Vipers Kristiansand im Januar 2025 für den dreimaligen Champions-League-Sieger aus Norwegen.
BVB-Coach Henk Groener nutzte die Finanzprobleme der Vipers und lotste seine Landsfrau zum zweiten Mal in die Bundesliga, nachdem die 32-Jährige zu Beginn ihrer Karriere von 2010 bis 2014 für den VfL Oldenburg am Ball war. 216 Länderspiele (902 Tore) hat die Rückraumspielerin für „ Oranje“ absolviert, holte 2019 den WM-Titel, den spielentscheidenden Treffer wenige Sekunden vor dem Abpfiff im Finale gegen Spanien erzielte – Lois Abbingh. Auch für die deutsche Nationalmannschaft entpuppte sie sich häufig als Schreckgespenst. „Bei einigen Duellen mit den Niederlanden war es eigentlich immer so, dass am Ende Lois Abbingh die Spiele entschieden hat“, sagt Gaugisch.
Klar, dass sie sich für das Pokal-Halbfinale gegen die HB Ludwigsburg viel vorgenommen hat. Zumal die Rechtshänderin vor kurzem beim Duell in der Liga (29:40) nicht ihren besten Tag erwischte. Was dem BVB wiederum Mut macht: Im Oktober 2024 gelang es den Schwarz-Gelben, Ludwigsburg nach 89 ungeschlagenen Liga-Spielen in Serie mit 33:28 zu bezwingen.
Nieke Kühne (HSG Blomberg-Lippe)
Wenn es so etwas wie eine Senkrechtstarterin mit blendenden Perspektiven im deutschen Frauenhandball gibt, dann ist das Nieke Kühne. „Sie ist eine überragende Spielerin mit unglaublichen Fähigkeiten“, spart auch Bundestrainer Gaugisch nicht mit Lob. Das DHB-Pokal-Halbfinale gegen die HSG Bensheim/Auerbach wird zum spannenden Duell zweier European-League-Viertelfinalisten – und auf die Rückraumspielerin von der HSG Blomberg-Lippe wird viel ankommen.
Die 20-Jährige spielt betont mutig, verfügt über enorm viele Wurfvarianten und scheut sich auch gegen Weltklasse-Torhüterinnen nicht, diese mit Drehern und Legern zu überwinden. Drei A-Länderspiele hat die 1,84 Meter große Rechtshänderin bereits für Deutschland absolviert. Die EM im vergangenen Dezember verpasste sie wegen einer Kapselverletzung im Knie. Längst ist sie wieder fit, im vergangenen Europapokal-Match in Dijon warf sie sich mit zehn Feldtoren auf der internationalen Bühne schon mal warm für die Auftritte in Stuttgart.
Lucie-Marie Kretzschmar (HSG Bensheim-Auerbach)
Es ging ein Raunen durch die Göppinger EWS-Arena am 19. Februar 2025: Lucie-Marie Kretzschmar stieg zum wiederholten Mal hoch und donnerte nach einem Sprungwurf den Ball kraftvoll ins Tor. Es war einer ihrer acht spektakulären Treffer an diesem Abend für die HSG Bensheim/Auerbach – am Ende verloren die „Flames“ das Bundesligaspiel bei Frisch Auf dennoch mit 32:34. „Das wollen wir beim Final Four besser machen“, sagte die Rückraumspielerin. Im Gegensatz zu ihrer ebenfalls im Blickpunkt stehenden Mitspielerin Nina Engel (21/elf A-Länderspiele), hat es die 24-Jährige bisher noch nicht in die A-Nationalmannschaft geschafft. Europameisterin 2021 und Weltmeisterin 2022 ist sie dennoch – im Beachhandball, ihrer großen Leidenschaft.
Egal, ob auf Sand oder in der Halle – ihre Handball-Gene wirken sich aus. Papa Stefan ist eine Ikone der Sportart, Oma Waltraud galt in ihrer aktiven Zeit als beste Handballerin der Welt. Der bekannte Name war für Lucie-Marie lange Zeit Fluch und Segen zugleich. „Ich musste früher immer ein Stückchen besser sein als andere, weil alle noch mehr erwarteten“, sagt die Rechtshänderin, die 2019 vom HC Leipzig nach Neckarsulm wechselte, ehe sie sich 2022 Bensheim/Auerbach anschloss. Mit den „Flames“ will sie in dieser Saison das European-League-Viertelfinale überstehen und im Optimalfall am Sonntag den DHB-Pokal in die Höhe recken.
Haushahn Final Four in der Porsche-Arena
Halbfinale
Samstag, 1. März, 16.30 Uhr: HSG Bensheim/Auerbach – HSG Blomberg-Lippe; Samstag, 1. März, 19 Uhr: HB Ludwigsburg – Borussia Dortmund.
Finalspiele
Sonntag, 2. März, 12.30 Uhr: Spiel um Platz drei; Sonntag, 2. März, 15 Uhr: Endspiel.
Tickets
Für Samstag sind bisher 2700 Karten verkauft, für Sonntag 3000. Es gibt noch Tickets über www.ticketmaster.de und www.easyticket.de sowie an der Tageskasse der Porsche-Arena.
Fernsehen
Das Halbfinalspiel HBL – BVB und das Endspiel sind im frei empfangbaren Fernsehen bei Eurosport zu sehen. Alle vier Spiele bei Dyn und sportdeutschland.tv. (jüf)